Regen. Der Himmel ist grau. Die Scheinwerfer der Autos spiegeln sich in den Pfützen der Straße. Ach, England. Dafür liebe ich dich! Ich bin in London. Der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs. Im Herzen der britischen Monarchie. Mein Royalistenherz ist glücklich. Mein Bruder macht sich über den Regen lustig, aber ich bin einfach nur glücklich, wieder in Britannien zu sein.

Mein Bruder und ich haben aber auch eine große Leidenschaft für das antike Rom. Standesgemäß besuchen wir zuerst die Überreste Londiniums, bevor es mit meiner royalen Tour losgeht.

Unser erstes royales Highlight ist der Tower of London. Berüchtigtes Gefängnis, Waffenkammer und Aufbewahrungsort der englischen und britischen Kronjuwelen. Im Nachhinein frage ich mich allerdings, warum wir ihn uns im März 2018 nur von außen angesehen haben. Ich komme bestimmt noch ein paarmal in meinem Leben nach London und kann das nachholen. Die legendären Raben müssen ja auch noch gefüttert werden.

Shall be lifted—nevermore!
Mit dem Tower of London sind wir an der grauen und verregneten Themse angekommen. Von hier haben wir einen grandiosen Blick auf das alte London mit der berühmtesten Londoner Brücke und das neue London mitsamt davor ankerndem Kriegsschiff. Tradition trifft Moderne. Das ist London. Ersteres ist auch UNESCO-Welterbe.


Über den berühmten Borough Market und die Clink Street geht es zu unserem nächsten Ziel. Auf der Clink Street gibt es schon ein schönes Porträt von dem Protagonisten unseres nächsten Ziels. Bei dem Streetart-Porträt handelt es sich um den englischen Nationaldichter – William Shakespeare. Dessen Werke* man wirklich gelesen haben sollte. Wobei nein eigentlich nicht. Besser wäre es, wenn man sie im Theater erlebt hat. Denn dafür sind seine Werke da – für die große Bühne. Im historischen Globe Theatre hätte man dazu die Möglichkeit. Und ich sage erneut, eines Tages werde ich dort auch drinnen sitzen und den Löwen für sein Brüllen loben!

Die Engländer sind auf viele Dinge sehr stolz und die Londoner auf manche Dinge sogar noch mehr. Die Londoner lieben ihre St. Paul’s Cathedral. So war ihr Wiederaufbau nach dem Großen Brand von London im 17. Jahrhundert ein Symbol der großen englischen Stärke und Widerstandsfähigkeit. Die Londoner Resilienz konnte die Kirche auch im Battle of Britain im Zweiten Weltkrieg zeigen. Die Londoner können daher durchaus zu Recht auf ihr Denkmal der Widerstandsfähigkeit und des Neuanfangs stolz sein.

Wusstest Du eigentlich, dass bei englischen Strafprozessen Perücken aus Pferdehaar für Richter und Anwälte verpflichtend sind? Wir haben es für Dich im Royal Courts of Justice überprüft und ja, es stimmt. Bei zivilrechtlichen Verfahren braucht man aber (leider) keine Perücke mehr. Und nein, wir haben kein Gerichtsverfahren gesprengt. Diese sind zwar öffentlich, aber wir haben dann doch lieber nur durch die Fenster im Inneren des Gebäudes geschaut.
Durch den Admiralty Arch geht es dann für uns zu einem der berühmtesten Plätze Londons. Gewidmet ist er dem größten Admiral der Geschichte der Royal Navy und seinem berühmtesten und letzten Sieg.

Kulturell geht es dann am Theatre Royal Haymarket vorbei zum Herzen des neuen modernen (und kapitalistischen) Londons – Piccadilly Circus. Wobei ich bei dieser Leinwand irgendwie immer nur an Martin Freeman und Benedict Cumberbatch* denken kann.

Und wenn wir vorhin schon bei der Royal Navy waren, kommen wir zu einem anderen Helden der britischen Marine. James Cook – großer Seefahrer, Held der Briten und begnadeter Wissenschaftler. Die Briten lieben ja Statuen und so wird auch er gewürdigt.
Und dann kommt der Royalist in mir endlich zum vollen Vorschein. Es geht die Mall hinunter. Jene Straße, die bei Trooping the Colour zum Vorschein kommt, ist die Straße zum royalen Herz Londons: der Buckingham Palace. Hier residiert seit fast 70 Jahren die beliebteste Monarchin der britischen Geschichte. Und hier residieren die royalen Corgis. Corgis sind im Übrigen die besten Hunde von allen. Keine Diskussion! Wie bei Trooping the Colour marschieren wir sie hinab und landen am Herzstück der Glückseligkeit.

Ihre königliche Majestät übt zum Glück nur noch repräsentative Aufgaben aus und dient dazu, dem Volk Halt zu geben. Die Regierungsgewalt liegt schließlich beim prime minister – ob das manchmal nicht vielleicht doch schlechter ist, lasse ich bei der britischen Politik der letzten Jahre mal dahingestellt. Die Premierministerin residiert traditionell in 10 Downing Street. Die Residenz liegt in einer kleinen Gasse und ich kann das Haus nur erspähen. Da lacht der amerikanische Präsident aus seinem Weißen Haus nur. Zum Glück gibt es da dann noch das Außenministerium. Dessen klassische Architektur ist einfach nur herrlich!

Die wahre politische Macht liegt aber natürlich beim Parlament. Das System von House of Commons und House of Lords muss man zwar nicht verstehen, aber egal. Das Parlamentsgebäude gilt trotzdem als eines der schönsten der Welt. Aber nicht so voreilig. Ich habe oben schon Trooping the Colour erwähnt. Das findet am Horse Guards Parade statt – vertraut mir da, ich schaue es mir schließlich seit Jahren an. Der Royalist in mir muss daher natürlich erst diesem Platz in der Nähe des Regierungsviertels huldigen. Zu Ehren ihrer Majestät ist die Sonne mittlerweile auch erschienen.

Und dann kann es aber für uns zum Parlament gehen. Oder doch nicht? Polizisten halten uns davon ab, durch den Hinterhof zu gehen. Warum? Ganz einfach: Es findet gerade eine kleine Wachablösung statt. Dieses Spektakel lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

So, jetzt aber! Wir sind am Palace of Westminster angelangt. Sitz des Parlamentes und Sitz der eigentlichen Macht im United Kingdom. Und wahnsinnig schön ist es auch! Architektonisch ist es ein neugotisches Meisterwerk. Briten und die Gotik ist ja ohnehin eine Liebe wie Briten und der Tee. Westminster ist für seine Schönheit mit dem Titel des UNESCO-Welterbes belohnt worden. Big Ben begrüßt uns aber nicht. Der Turm der berühmten Glocke ist momentan eingerüstet und versteckt sich hinter Gittern. Vielleicht sieht man ihn ja mal wann anders. Das Wetter ist übrigens so launisch, wie man nur launisch sein kann. Die Briten sind dafür umso freundlicher. Selbst wenn man in London mehr Touristen und Geschäftsleute findet als echte Briten. Aber das hat ja auch was für sich. In gewisser Weise.


Und dann kommen wir zu dem, was jeder Touri gemacht haben muss. London Eye. Ich war der Meinung, das braucht man nicht, aber mein Bruder insistierte. Die Tickets hatten wir im Vorhinein gekauft. Teuer waren sie trotzdem noch. Und dann stehen wir trotzdem noch ewig in der Schlange. Gut, Schlange stehen kann man hier auf der Insel zumindest! Unsere Tickets wurden trotzdem nie kontrolliert.


Tag 2 beginnt in einem der größten Parks Londons – Hyde Park. Pilgerstätte für die Fans von Lady Diana, an die hier zu Recht erinnert wird. Sie war die Königin der britischen Herzen. Ihre Geschichte ist leider zu tragisch. In den Herzen ist sie noch immer fest verankert. Im Hyde Park finden wir auch viele Schwäne. Wusstest Du eigentlich, dass aufgrund eines jahrhundertealten Gesetzes es so ist, dass alle Schwäne Eigentum ihrer Majestät sind?

May you ever grow in our hearts
You were the grace that placed itself
Where lives were torn apart
You called out to our country
And you whispered to those in pain
Now you belong to heaven
And the stars spell out your name
So sehr das englische Volk Diana liebt, so sehr liebte die große Queen Victoria ihren Albert. Dessen Tod verkraftete sie gar nicht und trug den Rest ihres Lebens die Witwentracht. Dafür ließ sie umso mehr Statuen und Gebäude im Namen ihres verstorbenen deutschen Mannes errichten. Das Albert Memorial ist nicht nur ein Ausdruck von Liebe, sondern auch von der Macht, die Victorias Empire zu dieser Zeit hatte.




Wenn wir schon bei der Bedeutung des Empires sind, so führt uns unser Weg auch an dem Denkmal für die Weltausstellung von 1851 vorbei. Und London ist auch Stadt der Wissenschaft. So beherbergt es zahlreiche renommierte Universitäten. Und ja, ich liebe auch die britischen Universitäten! Und weil London Stadt der Wissenschaft ist, sind die staatlichen Museen kostenlos. Den Anfang der Museumstour macht das Science Museum.

Scientia imperii decus et tutamenDas nächste Museum ist das Natural History Museum – wieder ohne Eintritt. Wirklich ein sehr tolles Museum. Aber bei dem Land, das Darwin hervorgebracht hat, ist das kein Wunder! Und auch die Architektur des Museums ist fantastisch!



England ist auch für seine Sandwiches – benannt nach dem Earl of Sandwich – bekannt. Das Käse-Kresse-Sandwich vom Supermarkt nebenan ist aber absolut nicht vorzeigbar! Aber England und Essen ist sowieso eine Hassliebe. Also auf zum nächsten Museum. Das Victoria und Albert Museum zeigt wunderbare Kunst aus der ganzen Welt. Es ist mittlerweile sogar die größte Sammlung von Kunstgewerbe der Welt! Und natürlich wieder ohne Eintritt.

So neben Kunst, Kultur und Wissenschaft kennt man London auch noch als Shoppingparadies. Was kann diese Stadt eigentlich nicht? Das Harrods ist weltbekannt. Im Gegensatz zu den vorherigen Museen ist es aber nicht ganz so billig. Aber wer will, kann hier gerne überteuerte Marmelade kaufen.

Der Tag endet natürlich royal. Nach dem Buckingham Palace vom Morgen steht jetzt der Kensington Palace an. Einst Heimat von Princess Diana, ist es jetzt die offizielle Residenz von Prinz William und Kate.

Unser Hotel liegt etwas abgelegen. Aber es ist Rushhour. Die App des Londoner ÖPNV rät uns, lieber 50 Minuten zu laufen, als 60 Minuten Bus zu fahren beziehungsweise 50 Minuten im Stau zu stehen. Aber wie du vielleicht erkennen kannst, sind wir heute schon genug gelaufen. Und die Londoner Doppeldecker muss man ja auch mal fahren! Oder eben stehen. Durch den Regen und die Menschenmassen wird der Bus zu einem Dampfbad. Die Scheiben sind beschlagen. Die Luftfeuchtigkeit ist höher als im Regenwald. Und Platzangst darf man hier auch nicht haben. Aber auch das gehört zu London. Wahrscheinlich sogar mehr als die Monarchie.
Voller Tatendrang geht es heute Morgen wieder in ein Museum. Und ja, es ist wieder kostenlos. Es geht in DAS Museum der Londoner Museen. Das British Museum. Wobei viel British hier nicht ist. Besucher finden primär Objekte außerhalb der Britischen Inseln. Objekte, die die Kolonien großzügigerweise gespendet haben oder Objekte, die man auf Feldzügen gefunden hat. Das Ziel damals war ganz klar: der Menschheit die Vergangenheit nahebringen. Ach, das war gar nicht das Ziel? Das eigentliche Ziel war es, den Briten zu zeigen:Schaut mal, wie toll wir sind, was wir alles haben und die anderen nicht. Die Motive kann man zwar kritisch oder sarkastisch kommentieren, fest steht aber, dass es eine beeindruckende Sammlung ist! Sowohl von der unglaublichen Anzahl an Exponaten als auch von deren Bedeutung für die Menschheit! Es ist ein Archiv der Menschheit. Beim Staunen vergisst man glatt die Hintergründe. Die Bedeutung des Rosetta-Steins ist ohne Frage! Römische und griechische Statuen finden wir wie Sand am Meer und Mumien finden wir so häufig wie Handtücher von Deutschen auf Mallorca.












Den Rest des Tages darf ich alleine das Programm bestimmen. Denn laut meinem Bruder müssten die beiden Punkte ja nicht unbedingt sein. Das sehe ich komplett anders. Mein Bruder will auch das Guthaben auf seiner Oyster Card nicht übermäßig strapazieren und daher laufen wir den restlichen Nachmittag. Die Oyster Card ist die ÖPNV-Karte Londons. Den Namen verdankt sie wieder Shakespeare. Denn bei den lustigen Weibern von Windsor heißt es so schön: Why then the world’s mine oyster / Which I with sword will open. Ich habe ja an sich nichts gegen Laufen und laufe sehr gerne durch Städte, aber bei dem Londoner Regen wäre ich auch Bus gefahren.
Aber als treuer Fan von Dr. Watson und Sherlock Holmes* muss ein Besuch von 221 B Baker Street sein. Ironischerweise gab es 221 B zur Zeit des Autors nicht. Aber wie soll ein Schotte das auch wissen? Eigentlich sollte Sherlock Holmes auch in Edinburgh ermitteln, aber Sir Arthur Conan Doyle hat es dann doch nach London verlegt, um keinen Eklat auszulösen.

Durch den Regent’s Park geht es zum wichtigsten und bekanntesten Zebrastreifen der Welt. Mein Bruder verzweifelt etwas. Aber ich laufe trotz strömenden Regens ganz stolz – in meiner weißen Hose – über den Zebrastreifen der Abbey Road. Der Beatles-Fan in mir ist im Himmel! Aber warte: imagine there’s no heaven.

Der nächste und letzte Tag in London steht ganz im Zeichen der Kirche. Den Anfang macht Westminster Cathedral. Nicht zu verwechseln mit Westminster Abbey. Die kommt gleich. Erstere ist nämlich katholisch und nicht anglikanisch. Dafür, dass es fast keine Katholiken auf der Insel gibt, ist die Kirche sehr groß. Naja durch die vielen Nationen in der Hauptstadt gibt es wohl doch auch ein paar Katholiken in England. Englische Katholiken findet man aber wohl historisch gesehen eher am Anfang der Reise im Tower of London.

Und dann kommen wir zum Herzen der anglikanischen Kirche. Westminster Abbey. Ein monumentales Bauwerk von unendlicher Größe und Warteschlange. Krönungsort aller englischen beziehungsweise britischen Monarchen von Wilhelm dem Eroberer über Henry VIII., Elizabeth I., Victoria bis hin zu Elizabeth II. Grabmal von den meisten Königinnen und Königen und letzte Ruhestätte zahlreicher berühmter Briten. Die wichtigsten Naturwissenschaftler wie Sir Isaac Newton, Charles Darwin oder der von mir so verehrte Stephen Hawking liegen in dieser Kirche begraben. Wobei ich das ja mehr ironisch als bemerkenswert finde. Es ist wirklich ein absolutes Highlight an diesem letzten Tag.

Bevor es für uns wieder in die weite englische Prärie zum Flughafen London Stansted geht, gibt es noch zwei letzte (natürlich wieder kostenfreie) Museen für uns. Das Imperial War Museum und das Museum of London bilden das Ende der Reise.


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Die Reise erfolgte im März 2018
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