Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk komme ich am Baseler Hauptbahnhof an. Hinter mir liegt eine lange Nacht im Zug. Ich bin trotzdem ausgeschlafen. Das Reisen und Schlafen im Zug liegt mir einfach im Blut. Der Himmel ist grau, aber dafür trocken. Die Temperaturen sind für Januar erstaunlich mild und so kann ich ganz ungestört meinen Sonntagsausflug beginnen. Begrüßt werde ich von einer Schule in der Nähe des Bahnhofs, die symbolisch für die ganze Schweiz steht. Weiß, sauber und elegant.

Mein Weg führt mich weiter zur Offenen Kirche Elisabethen. Eine Kirche, die zeigt, wie modern, offen und liberal eine Kirche sein kann. Eine Institution, die die Tradition bewahrt, ohne den Moment aus den Augen zu verlieren, und mit der Zeit geht. So geht Kirche im 21. Jahrhundert. Umringt ist die Kirche vom Theater, der Ballettschule und dem Kino der Stadt. Und dem Tinguley-Brunnen, der die große Liebe zur Schweizer Fasnacht physisch darstellen soll. Verschönert wird der Ort durch große Lebensweisheiten mit kleiner bunter Kreide auf dunklem Asphalt.



Künstlerisch geht es für mich weiter durch die Gassen Basels. An einer der vielen Wände wird das ‚Who’s who‘ der Musikgeschichte verewigt und so laufe ich neben den Beatles wie einst in Liverpool oder Abbey Road. Die kleinen Straßen sind heute Morgen noch schön leer und ruhig. Mit einem Umweg über die Synagoge mache ich mich auf zum Spalentor – einem Überbleibsel der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert.



Etwas Ruhe gönne ich mir im Park vor der Universität, ehe ich weiterziehe. Ich bleibe der Wissenschaft aber erhalten. Als Pharmazeut und Apothekenmitarbeiter, der ich ja jetzt endlich bin, ist das Museum der Pharmazie, so wie in Heidelberg und Leipzig, Pflicht für mich. Neben obskuren Relikten der Vergangenheit gibt es auch bunte Kunst. Bei all den Farben können die Besucher fast vergessen, dass es sich um Medizin handelt.



Das Schönste an Basel ist aber ohne Frage der Rhein, jener Fluss, der mich seit jeher magisch anzieht. In der Schweiz hat der schönste Fluss der Erde seinen Ursprung. Er fließt durch Basel, ehe er zwei Freunde trennt und im Mittelrheintal die Perfektion erlangt und in den Niederlanden in die große weite Welt fließt. Auf dem Weg zu meinem Ruheanker laufe ich am Roten Rathaus der Stadt vorbei. Rot ist allerdings nur die Farbe des Hauses. Die Schweiz ist schließlich nicht für ihren Sozialismus bekannt.


Eine Sache darf bei einem Baselbesuch auf gar keinen Fall fehlen. Das berühmte Baseler Münster ist jetzt an der Reihe. Der Gottesdienst ist fertig. Auch in dieser Kirche findet meine Suche nach dem Heiligen Gral eine Fortsetzung. Ich finde ihn lange nicht, bis mich das Licht aus den Fenstern erleuchtet.


Mein Weg geht weiter zum Anatomischen Museum der Stadt. Dort bin ich – wie so oft – von der sprachlichen Versatilität der Schweizer überwältigt. Während der Kassierer mich erst auf Schweizerdeutsch anspricht und ich nur Fragezeichen in den Augen habe, wechselt er innerhalb von Sekunden in perfektes Hochdeutsch. Warum reden die nicht einfach immer so? Das würde die Kommunikation von uns allen doch erleichtern. Aber die Schweiz ist ein stolzer Nationalstaat mit stolzer Nationalsprache. Oder eben auch vier.
Das Besondere am Rhein ist, dass er oft Grenze ist. Basel hingegen erscheint grenzenlos. Basel ist Teil des Dreiländerecks: Frankreich – Schweiz – Deutschland. Mein Ziel ist nun, 3 Länder in einer Stunde zu besuchen. Ich folge dem Rhein stromaufwärts, vorbei am Novartis-Campus (Pharmaindustrie gibt es hier mehr als genug), und schon bin ich in Frankreich. Nach Basel kommt Huningue. Ich laufe weiter am schönsten Fluss Europas, bis ich im Ortszentrum bin. Von hier führt die Dreiländerbrücke nach Weil am Rhein. Ich bin wieder in Deutschland und das ganz einfach, ohne Kontrollen oder Warten. Schengen – welch wunderbare Erfindung! Es folgt ein deutsches und Schweizer Industriegebiet und ich bin wieder in der Baseler Innenstadt. Es hat länger als eine Stunde gedauert, aber das war es wert. Die frühe Januarsonne beginnt unterzugehen und ich setze mich an meinen Rhein. Beobachte die Schwäne, Enten und Menschen. Genieße, wie die kalten Strahlen der Wintersonne langsam hinter der Stadt untergehen. Und so endet der Tag perfekt – mit einem Sonnenuntergang.






Die Reise erfolgte im Januar 2023

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