View of the Fraumünster Church and Münsterbrücke bridge in Zurich, Switzerland
, ,

Zürich im März: Von der Kälte zur Schönheit

Geschrieben vom

·

Nach 2 Uhr passiert angeblich ja nichts Gutes. Für diese kalte Märznacht trifft das in Teilen auch zu. Eigentlich wäre mein Zug ja auch schon vor 2 Uhr losgefahren, aber er hat natürlich Verspätung. Und so stehe ich um kurz nach 2 in der Mainzer Kälte. Der Schweizer Nachtzug ist nicht viel besser. Das Licht ist auf vollster Stärke an und jeder redet mit jedem. Ruhe und Dunkelheit sind zum Schlafen optimal. Hier habe ich nichts davon. Nachtzüge und ich sind einfach eine schlechte Kombination. Irgendwie schaffe ich es dann aber doch, noch ein Auge zuzudrücken. Ich wache zwar immer wieder kurz auf, aber um 8 Uhr erreiche ich halbwegs ausgeruht Zürich.

Der erste Eindruck von Zürich ist ein sehr kalter und sehr grauer. Während ich letzte Woche in Freiburg noch den Frühling ausgerufen habe, bin ich jetzt wieder im Winter angelangt. Aber die Kälte ist zum Glück kein Problem. Wofür gibt es denn Mützen, Schals und Handschuhe?

Den Anfang der Reise macht das Schweizer Nationalmuseum. Es ist zwar noch geschlossen, aber allein das Bauwerk ist schon sehenswert genug.

Stone towers and ornate facade of the Swiss National Museum building in Zurich.
Winterstimmung

Dann geht es für mich weiter Richtung Zentrum. Entlang der Limmat bietet sich ein schönes Bild der Stadt, selbst wenn alles grau ist. Die Häuser entlang des Flusses bieten trotzdem einen schönen Anblick.

Colorful waterfront buildings and a church spire along a river under a cloudy sky.
Graues Zürich

Langjährige Verfolger des Sehnsuchtsbummlers wissen, dass ich einen großen Faible für Universitäten habe. Besonders alte oder sehr renommierte Universitäten haben einen festen Platz in meinem Herzen. Zum Glück steht mit der ETH in Zürich eine der besten Universitäten in ganz Europa.

The main building of the University of Zurich with a stone statue and text UNIVERSITÄT ZÜRICH ZENTRUM.
Wissen ist Macht

Für mich geht es weiter hoch hinaus auf den Zürichberg. Es ist zwar kalt, aber so manchmal scheint die Sonne doch noch scheinen zu können. Aber auch im März findet sich noch Schnee in Zürich.

Paved walkway between modern residential buildings on a bright, sunny day.
Here comes the sun
Small wooden garden sheds on a hillside with a light dusting of snow.
„Frühling“

Oben auf dem Zürichberg, wobei „Berg“ etwas übertrieben ist, habe ich Zeit, mich auf eine schneebedeckte Bank zu setzen, und kann die Aussicht genießen. Zum Frühstücken ist der Platz perfekt.

Scenic view of a town nestled along a lake under a dramatic, cloudy sky.
Da hat sich der Aufstieg ja gelohnt
Stone steps leading to wooden benches in a winter forest with bare trees
Zeit für ein Päuschen

Mein Weg zurück geht durch einen Wald. Ein einfacher Waldspaziergang langt schon, damit ich glücklich bin. Der Wald im Winter ist ein schöner Anblick. Alles ist so schön ruhig und weißlich und der Boden knackst so schön, wenn man drüberläuft. Aber es ist auch schon März. Das heißt, dass ich die ersten Vögel schon hören kann.

A winter forest scene with frosted logs in the foreground and tall bare trees.
Waldweben

Zürich war im Laufe der Geschichte immer wieder Zufluchtsort vieler verfolgter Künstler oder einfach nur ein normales Künstlerexil. Der berühmte irische Schriftsteller James Joyce hat sich auch für viele Jahre in Zürich aufgehalten. Seinen Lebensabend verbrachte der Ire in der Schweiz. So findet man am Ende des Waldes auch einen kleinen Friedhof, wo James Joyce seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Grave of James Joyce with statue. Text: JAMES JOYCE Dublin 2 II 1882 Zürich 13 I 1941, NORA BARNACLE JOYCE Galway 25 III 1884 Zürich 10 IV 1951, GEORGE JOYCE Trieste 27 VII 1905 Konstanz 12 VI 1976, ASTA OSTERWALDER JOYCE München 8 III 1917 Konstanz 17 VI 1993.
A man of genius makes no mistakes. His errors are volitional and are the portals of discovery.

Da die Schweiz neutral ist, haben viele internationale Organisationen ihren Sitz in der Schweiz. So hat auch die korrupteste Sportorganisation der Welt ihren Sitz in Zürich.

FIFA sign and flags including Football Unites the World and FIFA Women's World Cup AU NZ 2023.
Wenn man bei Google Bilder Korruption eingibt, kommt das Bild an erster Stelle

Jetzt geht es für mich durch die Ausläufer Zürichs wieder zurück nach unten zum See. Der Wald ist vorbei, jetzt gibt es wieder das Kleinstadtgefühl. Denn selbst, wenn Zürich recht groß ist, so fühlt sich das nicht so an. Die Einfamilienhäuser oder zum Teil auch Mehrfamilienhäuser der Wohlhabenden sind eben sehr voluminös und haben wenig Großstadtcharakter.

Historic European street with tram tracks curving past multi-story buildings and tall trees.
„Großstadt“

Unten am See angekommen, finde ich dann auch das Schauspielhaus Zürich. Ich bin ein großer Fan der Oper, daher ist mir das Haus sehr bekannt, da es schließlich zu den renommiertesten Häusern der deutschsprachigen Szene gehört.

Neoclassical Zurich Opera House facade featuring ornate statues and a wide stone staircase.
Weiche Wotan!

Und stehe ich auch schon vor dem wunderbaren, weiten, funkelnden blauen Züricher See. Die Größe des Sees lässt sich kaum in Worte fassen. Die Dimensionen sind wirklich gigantisch. Bei eisigem Wind ist es vielleicht nicht so schön wie im Hochsommer, aber ein einzigartiges Erlebnis ist es dennoch. Die Schönheit des Sees wird durch die vielen Schwäne weiter untermalt.

A white swan swimming on dark rippling water near a mossy wooden dock
Wusstest du, dass in England alle Schwäne Eigentum des Königs sind?
A white sailboat on a lake with a city and mountain backdrop under overcast skies.
Malerische Schönheit

Natürlich habe ich jetzt aber auch einen schönen Blick auf die Altstadt von Zürich. Wobei besonders groß die Zürcher Altstadt auch nicht ist. Ein paar Kirchen, das Rathaus und ein paar schöne alte Häuser.

The Limmat River flowing through Zurich with prominent church spires under a cloudy sky.
Viel Wasser, wenig Häuser
View of the Fraumünster Church and Münsterbrücke bridge in Zurich, Switzerland
Jetzt auch mal wieder mit Sonnenschein

Etwas irritiert bin ich aber. Denn Aschermittwoch war bereits und dennoch finde ich zahlreiche Närrinnen und Narren auf den Züricher Straßen, wie sie kostümiert ihren Unfug treiben. Vielleicht funktioniert Fasching in der Schweiz anders als hier in Deutschland. Wie in Freiburg mache ich wieder einen großen Bogen um sie.

Auf der Züricher Hauptstraße findet sich dann eine Bank nach der anderen, Luxusuhren finde ich im Überfluss, Luxusklamotten auch und über die Anzahl der Juweliere will ich gar nicht reden. Ich bin eben in der Schweiz. Da ist das so. Die Reichen der Welt brauchen ja auch mal einen Ort für sich.

A tram traveling down a city street lined with historic buildings and bare trees.
Deine Armut kotzt mich an – Alte Schweizer Lebensweisheit

Ich mache mich wieder auf den Weg zurück zum See. Dabei lande ich im botanischen Garten der Stadt. Es blüht zwar noch nicht sehr viel, aber das, was blüht, blüht umso schöner. Die Sonne kommt passend an diesem Ort wieder vor und so strahlt der Garten umso mehr. Nach all den grauen Straßen gibt es endlich wieder etwas schöne, bunte Natur für mich.

Vibrant dark pink blossoms blooming on dark tree branches
Buntes Zürich

Wieder am See angekommen, ist es dann noch grauer, noch windiger und noch kälter. Es ist kaum zu glauben, dass bei dem Wetter einige wenige Menschen im See baden. Ich entscheide mich auf jeden Fall gegen das Bad in der Kälte.

A multi-level diving platform on the shore of a large lake under an overcast sky.
Wer will denn hier frewillig baden?

Ein weiterer Künstler, der in Zürich Asyl gefunden hat, war Richard Wagner. Du weißt vielleicht auch schon wieder, dass ich seine Musik mit ganzem Herzen verehre und schätze. Die Transzendenz im Parsifal, die Sehnsucht im Tristan oder die Frage nach dem Großen Ganzen im Ring. Das alles macht Wagner so besonders. Den grünen Hügel kenne ich schon. Jetzt lerne ich die Villa Wesendonck kennen. Hier hat Wagner Asyl (und Liebe) gefunden. Hier entstanden seine kreativsten Ideen. Zwischenzeitlich hat Wagner hier auch mal neben einem Schmied gewohnt. Er fand es zwar fürchterlich laut, hat so aber seine Inspiration für Nibelheim gefunden. In der Villa Wesendonck hat er dafür sanftere Töne gefunden.

A large two-story neoclassical building with arched balconies and a green lawn in front
Träume, wie wenn Frühlingssonne
Aus dem Schnee die Blüten küßt,
Daß zu nie geahnter
Wonne Sie der neue Tag begrüßt,

Dann geht es wieder für mich hoch hinaus Richtung Wald und Uetliberg. Begrüßt werde ich erst einmal von den schönsten Blumen, die die Natur zu bieten hat.

A dense patch of white snowdrop flowers blooming in a woodland area
Liebe
White bell-shaped spring snowflake flowers blooming among fallen brown leaves on a forest floor.
Unschuld

Ich wandere lange durch die Wälder. Ich genieße die Natur. Ich genieße den Winter. Ich genieße die Ruhe. Ich genieße die Einsamkeit und ich genieße die Freiheit. Und ehe ich im Wald versinke, ist es auch schon Zeit für mich, umzukehren und mich auf die Heimreise zu machen.

A narrow forest path with wooden steps leads through tall trees and leaf-covered ground.
Einsamkeit
Sunlit forest path with steps ascending a leaf-covered hillside.
Freiheit

Mein Weg zum Bahnhof wird durch viel Wind und Schnee erschwert. Kurz vor Ende des Weges verabschiedet sich aber die Sonne noch einmal und so endet mein Tagesausflug in Zürich.

Winding log staircase ascending through a dense forest of tall evergreen trees.
Adieu

Die Reise erfolgte im Februar 2023

Gefällt dir der Beitrag?

Dann unterstütze mich und meine Arbeit doch gerne in Form einer Kaffeespende. Ich würde mich wahnsinnig über deine Unterstützung freuen 🙂 Einfach hier klicken!

5,00 €

Werbeanzeigen
Werbeanzeigen
Werbeanzeigen
Werbeanzeigen
Werbeanzeigen
Werbeanzeigen

Bei den mit * gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Ihr über diesen Link das Produkt kauft, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten. Eine einfache Methode, um mich und meine Arbeit finanziell zu unterstützen. Danke 🙂


Entdecke mehr von Sehnsuchtsbummler

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Meine neusten Beiträge

Gefällt dir der Beitrag? Dann kommentiere jetzt hier!

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..