Es ist Viertel vor fünf. Es ist der 18. Dezember 2022 und wir haben minus 3 Grad. Ich stehe zwar schon mit dicker Mütze, Handschuhen und Schal am Bahnsteig, aber trotzdem ist mir ein bisschen kalt. Ein bisschen Wärme spüre ich aber doch. Es ist die Vorfreude auf das 14. Land des Jahres, die in meinem Herzen brennt. Zum Abschied des Jahres geht es für mich mit der Bahn nach Belgien, in die Hauptstadt Europas! Ich finde, für mein Interrail-Jahr ist das der krönende Abschluss.
Weniger krönend ist, dass mein ICE nicht in Brüssel endet. Ich stehe in Löwen, als die Durchsage kommt, dass aufgrund technischer Probleme die Weiterfahrt nicht möglich sei. Na gut. Dann geht es für mich eben mit einem Regionalexpress weiter nach Brüssel. Der hält wenigstens sogar in der Brüsseler Innenstadt und nicht nur am Südbahnhof.
Schon nach den ersten Metern in der Stadt bin ich verliebt in Brüssel. Die ersten Meter waren zwar voller Baustellen und Orientierungslosigkeit, als ich dann aber die Orientierung gefunden habe, bin ich jetzt voller Begeisterung für diese schöne Stadt.

Belgien ist eine parlamentarische Monarchie. Ich bin zwar Demokrat mit ganzem Herzen, aber zwei Herzen schlagen doch in meiner Brust. So bin ich auch glühender Royalist. Für repräsentative Aufgaben finde ich eine Monarchie einfach cool! Deswegen ist mein erstes Ziel in Brüssel natürlich der Königspalast. Ich fühle mich hier gleich erhabener. Das könnte auch nur an der schönen Architektur liegen. So erkennt man durch die Straßen auch schon den Justizpalast, der einst das höchste Gebäude der Welt war.


Wie es sich für einen Monarchen gehört, gibt es vor dem Königspalast natürlich auch einen Park. Im Dezember kommt die Natur nur leider nicht zur Geltung. Etwas Schnee liegt zumindest.

So sehr ich die Royals doch liebe, so bin ich in meinem Herzen eine Sache mehr. Ich bin überzeugter Europäer. Ich liebe Europa. Frieden, Freiheit und Freizügigkeit. Das sind die Kerngedanken der Europäischen Idee. In der aktuellen Zeit sind das Werte, die so wertvoll sind wie lange nicht mehr. Und während im Osten Europas die Ukraine unsere Werte verteidigt, kann ich mit Glück sagen, dass ich das Privileg habe, diese Werte hautnah zu spüren. Ja, die Europäische Union hat viele Schwächen. Das Brüsseler Bürokratiemonster, die zwei Parlamentssitze, die fehlende Verfassung sind alles Punkte, die wir als Europäerinnen und Europäer angehen müssen. Nichtsdestotrotz dürfen wir nicht unterschätzen, wie viel Glück wir haben, dass wir uns frei und in Frieden innerhalb der Europäischen Gemeinschaft bewegen können. Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie toll der europäische Gedanke ist! Aber wie kann man auch keine Liebeserklärung für Frieden, Freiheit und Freizügigkeit schreiben wollen? Ich bin jetzt auf jeden Fall im Brüsseler Regierungsviertel der Europäischen Union. Und das europäische Gefühl sitzt tief in meinem Herzen und das Gefühl ist ein tiefes Gefühl der Liebe.



– Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 15. Dezember 1954

Belgien ist ein sehr junges Land. So hat es erst 1880 sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Wie feiert man eigentlich seine Unabhängigkeit? Die Monarchen der Geschichte wussten schon immer, wie man das macht. Paraden, Parks und ein Triumphbogen sind ein Muss. Wobei der Triumphbogen erst zum 75. Geburtstag fertig wurde. Ein sehr schöner Ort zum Schlendern ist der Jubelpark ohne Frage.


Ich habe mich mittlerweile recht weit vom Zentrum Brüssels entfernt. Es ist ein weiter Weg wieder zurück in die Innenstadt, aber es ist auch ein schöner Weg. Denn Brüssel ist wirklich eine schöne Stadt, die auch viele kleine schöne Parks hat. Grün sind die Parks zwar nicht, aber das Eis des Winters ist auch ein sehr schöner Anblick.



Neben Triumphbögen braucht man natürlich auch immer wieder Säulen, um seine Triumphe zu zeigen. Diesmal wird der Verfassung des Landes gedacht. Das ist wirklich ein Erfolg, der würdig zum Feiern ist.

Natürlich darf bei einem Städtetrip ein Besuch einer Kathedrale nicht fehlen. In Brüssel steht die belgische Nationalkathedrale, die Kathedrale St. Michael und St. Gudula. Es ist eine schöne Kirche im brabantisch-gotischen Stil, die perfekt zu Brüssel passt.

Weiter geht es für mich in das Zentrum Brüssels. Es ist Vorweihnachtszeit. Es herrscht ein großer bunter Trubel in der Stadt. Aber so gibt es wenigstens genügend Möglichkeiten für mich, die berühmten belgischen Pommes zu verkosten.

Carl von Linné war einer der bedeutendsten und schlausten Biologen Europas. Weil er so schlau war, hat er den Kakaobaum theobroma cacao genannt. Theobroma ist übrigens altgriechisch und bedeutet Götterspeise. Das passt auch perfekt, denn Kakao und Schokolade schmecken einfach göttlich. Meine Faszination und Liebe für Südamerika wird durch meine Liebe zum Kakao natürlicherweise verstärkt. So ist dieser Kontinent ja die Heimat der Götterspeise. Was freue ich mich schon darauf, irgendwann mal in Südamerika eine Tasse Kakao trinken zu können! Auf Moctezumas Spuren muss ich aber nicht gleich wandern, er soll immerhin 50 Tassen Kakao pro Tag getrunken haben. Solange ich aber in Europa bin, muss ich mit Brüssel vorliebnehmen. Belgien ist ja auch für seine Schokolade bekannt. In der royalen Galerie gönne ich mir daher natürlich einen Kakao (selbst wenn der viel zu teuer ist).

Weiter geht es für mich zum Grande Place und die umliegenden Straßen. Natürlich ist das alles auch UNESCO-Welterbe. Wirklich beeindruckend ist der historische Charakter der Stadt, die doch so modern ist. Brüssel ist eine moderne Stadt der Zukunft mit einer wunderschönen historischen Architektur.



Für eine wirkliche Kleinigkeit ist Brüssel natürlich auch noch bekannt. Manneken Pis ist aber wirklich nur eine Winzigkeit und leicht zu übersehen.

Gegen Ende des Nachmittages schlendere ich noch ein bisschen durch Brüssel über die Weihnachtsmärkte. Natürlich finde ich noch die eine oder andere Kirche auf dem Weg.

Ich hatte am Morgen ja schon den Justizpalast erwähnt. Nicht nur aus der Ferne ist der Bau imposant, so ist er auch beeindruckend, wenn ich direkt davorstehe.

Als Pharmazeut bin ich ja auch Naturwissenschaftler. Ein Besuch beim berühmten Atomium ist natürlich Pflicht für mich. Das Atomium liegt nur etwas außerhalb, daher ist es nach der U-Bahnfahrt schon etwas düster. Aber in der Dämmerung kommt das Atomium nur noch mehr zum Vorschein.

Zum Abschied des Tages spaziere ich noch ein bisschen durch die Dunkelheit des Laken-Parks, ehe es für mich wieder nach Hause geht.

Die Reise erfolgte im Dezember 2022

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