Es ist Oktober 2021. Im Sommer hat Deutschland wieder neue UNESCO-Welterbestätten bekommen. Mit dabei ist das neue transnationale Welterbe „Bedeutende Kurstädte Europas“. Von Marienbad in Tschechien über Bath in England und Bad Ems in Deutschland sind es insgesamt 11 Orte, die wie keine anderen für die Kur- und Badekultur des 19. Jahrhunderts stehen. Da ich sowieso im Ländle unterwegs bin, geht es für mich heute nach Baden-Baden. Das wahrscheinlich nobelste der Bäder. Baden-Baden. Allein der Name ist eine Institution. Hier trafen sich die Reichen und der Adel. Die Reichen und Schönen haben so Baden-Baden zu einer der wohlhabendsten Städte Deutschlands gemacht. Spielbank, Oper und Kurbadehaus. Das perfekte Trikolon des sinnlosen Überflusses.
Der Bahnhof der ehemaligen badischen Residenzstadt liegt etwas außerhalb vom adeligen Zentrum. Daher geht es für mich erst einmal mit dem Bus (die Privatkutsche kann ich mir leider nicht leisten) zum kulturellen (und kapitalistischen) Zentrum der Stadt.
Der Adel und die Wohlhabenden brauchen für einen Luxusurlaub – äh, Pardon, eine Kur – genau zwei Dinge. Ein Casino und ein Theater bzw. eine Oper. Sowohl das Theater als auch das Casino der Stadt sind weltbekannt und äußerst renommiert. Man soll ja während der „Therapie“ auch Spaß haben.


Und natürlich gibt es in einer Kurstadt auch wieder Heilwasser. Schmecken tut auch dieses wieder nicht. Warum kann Heilwasser nicht einfach mal schmecken? Oder warum kann es nicht überhaupt auch mal eine Wirkung haben?


Im Übrigen ist nicht nur die Kurstadt Baden-Baden schön. Das Geld der ganzen Luxusauszeiten hat auch dafür gesorgt, dass die Stadt insgesamt sehr schön ist. Sie ist etwas hügelig, aber Rom ist das schließlich auch.

Bei den ganzen Touristen hat Baden-Baden zwar viel Geld und Ruhm gewonnen. In der Therme wurde zwar wahrscheinlich mehr Politik betrieben als in der Residenz des badischen Großherzogs, aber (vielleicht genau deshalb) war Baden-Baden auch mal badische Residenzstadt. Allerdings, bevor Baden-Baden weltbekannt wurde. Nach einem Brand im 17. Jahrhundert wechselte die Hauptstadt nach Rastatt. Die wichtigen Entscheidungen wurden aber wahrscheinlich in der Therme der Kurstadt gefällt. Die Überreste des alten Schlosses kann man aber auch noch heute begutachten.

Ich möchte nicht schlecht über das Baden reden. Aus medizinischer Sicht ist eine gute Hygiene eine der wichtigsten und effektivsten medizinischen Maßnahmen. Eine Kur in Baden-Baden (und auch in den anderen Kurstädten) sollte aber mehr dem Urlaub dienen und weniger der Heilbehandlung. Meine Begeisterung für diese Heilkultur hält sich daher in Grenzen. Denn Hygiene kann zwar Krankheiten verhindern. Eine Wunderheilung kann sie aber nicht bringen. Aber immerhin bringt Hygiene immer noch mehr als das schlecht schmeckende Heilwasser.

Den positiven Effekt der Badehygiene kannten bereits die alten Römer. Daher hat Baden-Baden seinen Ursprung bei den Römern. Die ersten Steine dieser Siedlung sind nämlich römisch. Die Römer genossen natürlich auch die warmen Quellen im kalten und verregneten Germanien. Italien ist da doch etwas wärmer. Daher heißt die Therme übrigens auch Caracalla-Therme, benannt nach dem römischen Kaiser Caracalla.

Und so endet auch schon mein Zwischenhalt in Baden-Baden, ehe meine Reise durchs Ländle weitergeht.

Die Reise erfolgte im Oktober 2021

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