Die Sonne scheint. Ein paar Wolken bedecken zwar den Himmel, dennoch scheint die Sonne. Aber es ist nicht nur die Sonne, die scheint. Gold. Gold, soweit das Auge reicht. Gold in den Zimmern, an den Wänden, auf den Zäunen. Ich bin in Versailles. Dem Herz des französischen Absolutismus. Die in Stein und Gold gemeißelte Form der Dekadenz. Ein Meisterwerk der Kunst. Ein Mahnmal der Gerechtigkeit. Ein Ort, der mehr als nur ein Schloss mit UNESCO-Welterberang ist.
Auf dem Vorplatz des Schlosses begrüßt mich der Sonnenkönig Ludwig XIV. höchstpersönlich zu Ross. Eine Meter später stehe ich vor einem Zaun, der so unfassbar dekadent ist, dass sich das gar nicht in Worte fassen lässt.


Bevor ich die Innenanlagen des Schlosses besichtigen kann, ist der Schlosspark an der Reihe. Wobei Park eine wahnwitzige Untertreibung für die Größe des Areals ist und eine Beleidigung der Natur. Denn natürlich ist hier gar nichts. Alles ist symmetrisch, akkurat und im rechten Winkel. Alles ist langweilig. Die Osterglocken blühen, doch sie können die öde Langeweile des angeblichen Gartens nicht überdecken. So sind die Außenanlagen ein Sinnbild für den Absolutismus heute. Tot und ohne Leben. Ein Relikt vergangener Zeiten. Ein sehr großes Relikt.





Ich betrete jetzt den Schloss, wobei Palast die passendere Bezeichnung ist. Ein Zimmer ist protziger als das vorherige Gold im Überfluss. Selbstbeweihräucherung im Überfluss. Hochmut und Egoismus im Überfluss. Überall thront Ludwig XIV. mit seiner Gottesdarstellung des Apoll. Ein Gottkomplex, der seinesgleichen sucht. So viel Prunk und Protzerei habe ich noch nie so komprimiert an einem Ort gesehen. Das Schlafzimmer und der Spiegelsaal sind die Gipfel des großen barocken Prunkberges. Und die Steigerung des Größenwahns durch Napoleon Bonaparte ist auch einzigartig. Die Ruhmeshalle betreibt Geschichtsrevisionismus, der sich vom germanischen Nationalstolz der 30er nicht verstecken muss. Ein widerwärtiger Palast. Aber ein verdammt schöner!







Im Anschluss an das Hauptschloss wandle ich noch etwas über das Gelände. Es gibt ja noch ein paar künstliche Grotten und die kleinen Nebenschlösschen zu entdecken für mich.



Eine Zugfahrt später und ich bin wieder in Paris. Einiges habe ich gestern schon gesehen, aber noch nicht alles. Ich möchte jetzt noch einmal an die Seine. Die berühmte Insel auf der Seine ablaufen und natürlich das sagenumwobene Notre-Dame näher betrachten. Auch, wenn die Kirche 2023 noch im Baugerüst ist. Die Macht der Gotik auf der Insel wird dennoch auf jedem Quadratzentimeter deutlich.






Den Sonnenuntergang erlebe ich heute leider nicht. Es geht für mich jetzt nach unten. Es geht für mich in die Pariser Katakomben. Ein unterirdisches Gangkonstrukt in der Dunkelheit des Pariser Untergrunds. Das Besondere an den Katakomben? Die Gebeine von ca. 6 Millionen Toten liegen hier begraben. Wobei begraben das falsche Wort ist. Gestapelt und sortiert beschreibt es besser. Makaber und zeitgleich faszinierend.



Von der Dunkelheit der Unterwelt geht es für mich in die Dunkelheit des Pariser Nachtlebens. Eine letzte Kirche wartet auf mich. Die Basilika Sacré-Cœur erscheint in der Dunkelheit unfassbar schön und erhaben.



Zum Abschluss des Tages wandere ich durch das segenumwobene Viertel Monmartre. Es ist voll. Viel zu voll. Von Romantik keine Spur. Aber das ist eben Paris. Sagenumwoben, aber am Ende doch nur eine Großstadt wie viele andere.


Die Reise erfolgte im März 2023

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