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Die Pracht von Bayreuth: Schlösser, Gärten und Musik von Wagner

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Nass und grau. Die letzten Stunden hat es nur geregnet. Aber in dem Moment, in dem wir die Füße aus dem Auto setzen, hört es auf zu regnen. Das erste Ziel ist die Eremitage in Bayreuth. Den Anfang macht der Kanalgarten. Ein großer Garten mit viel Grün, Bäumen und Wasser. Aber es ist kein freier Garten. Er ist symmetrisch und durchgeplant – so wie es für den Barock typisch ist. Durch lange grüne Gänge kann ich endlos geradeaus laufen, aber eben nur geradeaus. Ich befinde mich zwar in der Natur, aber die Freiheit fehlt noch.

Ein schmaler, von Bäumen gesäumter Weg, der in die Ferne führt, umgeben von grünem Laub und fallenden Blättern, mit einem klaren sandigen Boden.
Die endlosen Gänge im Kanalgarten

Es geht weiter zum Neuen Schloss in der Eremitage. Zahlreiche Säulen und goldene Statuen untermauern den monumentalen Charakter des Gebäudes und die Zuspitzung des Prunks. Es ist schön anzusehen, aber die nähere Umgebung besteht ausschließlich aus Wald. Es fühlt sich falsch und deplatziert an. Es ist ein starker Kontrast, auf den die ganze Stadt noch aufbauen wird.

Ansicht des barocken Gebäudes mit goldenen Verzierungen und buntem Mosaik, umgeben von Bäumen und unter einem grauen Himmel.
Das neue Schloss in der Eremitage

So wie es sich für den Barock gehört, gibt es zahlreiche Brunnen und Statuen im künstlichen See. Das vergrünte Wasser verstärkt den Kontrast. Das Beeindruckende an dem Schloss ist der Blick auf das genaue Detail. Die Säulen bestehen aus zahlreichen kleinen bunten Steinen, die mosaikartig dem Himmel emporsteigen. Es ist ein kleines Kunstwerk und eine Leistung, die unzählige Arbeitsstunden beinhaltete. Das Spiel mit den vielen bunten Steinen ist ein absolut sehenswerter und wunderschöner Anblick und zaubert mir ein kleines Lächeln auf die Lippen.

Ein barockes Gebäude mit goldenen Akzenten umgeben von einem grünen Garten und einem Teich mit einer Statue in der Mitte.
Grüne Freude
Detailaufnahme der kunstvoll dekorierten Fassade mit bunten Steinen und goldenen Skulpturen in einem Garten.
Liebe zum Detail

Es geht weiter zum Alten Schloss, das weniger prunkvoll ist. Den Barock erkenne ich aber auch hier. Der Garten ist groß und mit vielen schönen Blumen verschönert, aber das Symmetrische stört die Schönheit der Freiheit.

Das Gebäude der Eremitage in Bayreuth mit einem roten Dach, großen Fenstern und symmetrischer Gartenlandschaft im Vordergrund.
Das Alte Schloss

Das viel Schönere an diesem Ort ist die Aussicht in die Umgebung. Die Schlösser sind auf einem kleineren Hügel gelegen. Beim Blick in die Ferne kommt die Romantik der Stadt so langsam zum Vorschein.

Symmetrischer Garten mit grünen Alleen, einem Wasserlauf und Bäumen, umgeben von Wald, an einem bewölkten Tag.
Der Blick in die Ferne

Die Eremitage ist von viel Wald umgeben. Und durch mittlerweile strömenden Regen laufen wir durch die Stille des Waldes. Das Areal ist unglaublich weitläufig. Mitten im Wald kommt die untere Grotte zum Vorschein. Die Natur hat diese Stelle übernommen. Der barocke Bau wird in den Hintergrund verdrängt und es wirkt eher wie ein zutiefst romantischer Bau. Die Verbindung zwischen dem Vergangenen und der Natur ist ein herzerwärmender Anblick.

Blick auf ein ruhiges Wasserbecken mit einer Statue im Zentrum, umgeben von Bäumen und Grünanlagen in einem parkähnlichen Gebiet.
Die untere Grotte im Umfeld der Natur

Nach einiger Zeit und zahlreichen zurückgelegten Metern im Wald verlassen wir schließlich die Eremitage. Es geht weiter zu meinem persönlichen Höhepunkt der Reise.

Man muss als Disclaimer vielleicht dazu sagen, dass ich ein großer Verehrer der Musik Richard Wagners bin. Die folgenden Eindrücke sind daher noch subjektiver, als sie es ohnehin schon sind.

Der Grüne Hügel ist ein märchenhaftes Paradies. Der romantische Bau und die bunten Blumen und der Gedanke an die herrliche Musik, die dort gespielt wird, machen den Ort perfekt. Nach der starren Symmetrie wird hier die Seele befreit.

Das Bayreuther Festspielhaus, umgeben von bunten Blumenbeeten und Bäumen.
Der Grüne Hügel

Beim Besichtigen des Areals wächst die große Sehnsucht, eines Tages hier auch als Gast zu sitzen. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Dieser Ort hatte auch schon wesentlich düstere Tage gesehen, aber das ist mir in diesem Moment egal. Manchmal muss man die Dinge genießen, ohne sich dabei zu viele Gedanken zu machen. Hier ist es traumhaft und das genieße ich!

Fassade des Bayreuther Festspielhauses, ein prächtiges Gebäude mit rot-weißen Ziegeln und klassischen architektonischen Elementen, unter einem bewölkten Himmel.
Das Bayreuther Festspielhaus

Es geht weiter in die Bayreuther Innenstadt. Wir befinden uns wieder im Zentrum des Barocks. Das Ambiente ist monumental, imposant und nahezu erschlagend. Die Atmosphäre der Stadt ist durch die hellen Sandsteine geprägt.

Bronze-Wasserspiel mit Figuren und Tieren in einem Garten, umgeben von gepflanzten Blumen und einem historischen Gebäude im Hintergrund.
Ein Symbolbild für Bayreuth

Jetzt geht es zum Markgräflichen Opernhaus, welches UNESCO-Welterbe ist. Von außen scheint es gar nicht so imposant. Das ändert sich aber, sobald ich das Gebäude betrete.

Fassade des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth mit lauter Statuen und Besuchern davor.
Das Markgräfliche Opernhaus

Der Innenraum ist wahnsinnig pompös. Diese Abgehobenheit lässt sich schwer in Worte fassen. Kunstvolle Gemälde und Verzierungen stehen im Mittelpunkt. Es geht hier nicht um die Musik, hier geht es um den Prunk. Es ist leicht zu verstehen, warum Wagner hier nicht gerne spielte. Ihm ging es um seine Musik und was sie mit dem Menschen macht. In diesem Opernhaus geht es nicht darum, hier geht es um Prunk und die damit verbundene Darstellung von Macht. Das Opernhaus ist eine architektonische und künstlerische Meisterleistung und zu Recht Welterbe. Aber es ist ein Opernhaus, hier geht es um musikalische Meisterleistungen. Im Festspielhaus sitzt man zwar auf Holzbänken, dafür kann man eine weltberühmte Akustik erleben.

Detailaufnahme des prunkvollen Inneren des Markgräflichen Opernhauses mit kunstvollen Deckenmalereien, reich verzierten Balkonen und goldenen Ornamenten.
Geht es hier noch um Musik?

Das Opernhaus gibt es übrigens nur dank Wilhelmine von Preußen. Die Lieblingsschwester des preußischen Königs Friedrich II. wurde mit dem Bayreuther Fürsten verheiratet. Da sie Preußen aber ungern verlassen wollte, bekam sie von ihrem Bruder und ihrem Ehemann als quasi Wiedergutmachung dieses Opernhaus geschenkt, dessen künstlerische Leiterin sie war.

Und so geht mein Weg jetzt weiter durch Bayreuth. Die ganze Altstadt ist im barocken monumentalen Charme. Sie strahlt eine beschwerende Aura aus.

Historisches Gebäude mit kunstvoller Fassade und Skulptur vor dem Eingang, umgeben von Flaggen und einem gepflasterten Platz.
Monumente der Imposanz – das neue Schloss
Blick auf eine historische Straße mit Statuen an den Gebäuden und einem grauen Himmel im Hintergrund.
Barockes Stadtbild

Diese erdrückende Imposanz, die einen ganz eigenen Charme hat, wird schlussendlich befreit. Denn hinter dem Neuen Schloss beginnt ein traumhaftes Paradies – der Hofgarten. Das viele Grün lässt die Freiheit wieder einziehen und erweckt die Sehnsucht zu neuem Leben. Mein Herz geht wieder auf. Der Park strahlt eine so wunderschöne Leichtigkeit aus, dass die vorherige Schwere verfliegt.

Ein malerischer Park mit grünem Laub, Bäumen und einem ruhigen Kanal, an dem eine kleine Brücke zu sehen ist.
Jede Freude füllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht – Jean Paul

Am Ende des Parks findet sich der Weg zum endgültigen Paradies. Das Festspielhaus hat mich befreit, aber die Erlösung findet sich hier. Hier steht das Haus Wahnfried. Das ehemalige Wohnhaus Wagners ist jetzt ein Museum. In dem Haus findet sich der Weg zur Erlösung.

Das Haus Wahnfried, ehemaliges Wohnhaus von Richard Wagner, mit einer Statue und einem blumengeschmückten Vorplatz, unter einem klaren Himmel.
Das Haus Wahnfried

Im Haus kann man das Leben Wagners auf interessante Art und Weise nachempfinden. Es gibt zahlreiche spannende Exponate und auch die Innenräume an sich sind schön gestaltet. Und ich mag es kaum glauben, neben dem privaten Flügel von Wagner zu stehen.

Ein elegantes Musikzimmer mit einem historischen Klavier, umgeben von Bücherregalen und kunstvoll gestalteten Wänden.
Die Innenräume und Wagners Flügel

Im oberen Geschoss befinden sich einige Exponate aus der Festspielgeschichte. Dort findet sich auch der Heilige Gral der Uraufführung des Parsifal. Die Gralssuche ist seitdem ich meinen Lieblingsfilm (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug*) gesehen habe, mein kleines Hobby. Die Suche scheint fast am Ende zu sein. Wäre es nur der echte Gral und kein Exponat. So nah wie jetzt war ich dem Gral aber noch nie. Der Heilige Gral steht symbolisch für die Erlösung. Die Erlösung erlebe ich im Keller. Dort gibt es einen Raum, wo ich die göttliche und transzendente Musik Wagners in höchster Perfektion genießen kann.  „f-h-dis1-a1“ – die schönste musikalische Definition von Sehnsucht, die die Romantik jemals erschaffen hat: Der Tristan-Akkord. Diese vier Noten strahlen eine so bittersüße Sehnsucht aus, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Das muss man hören, besser fühlen! Neben der Sehnsucht, der schönsten aller Gefühle, die mein Herz einnimmt, kommt auch die Erlösung ins Spiel. Das Gralsmotiv der traumhaften Parsifal-Ouvertüre durchklingt etwas später die Luft. Es liegt eine Mystik in der Luft. Die Suche nach dem Heiligen Gral ist nicht die Suche nach der Erlösung, sondern die Suche nach einem selbst. In diesem Keller dieser ambivalenten, aber wunderschönen Stadt findet man die Ergebnisse der Suche.

Ein kunstvoller Hoheitspokal aus Metall, umgeben von einer Glaskuppel, steht auf einer weißen Oberfläche. Der Pokal hat eine rot gefärbte Innenfläche und ist auf einem verzierten Sockel mit bunten Steinen montiert.
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Die Reise erfolgte im Oktober 2020

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3 Antworten zu „Die Pracht von Bayreuth: Schlösser, Gärten und Musik von Wagner“

  1. Avatar von Bayreuther Festspiele: Ein musikalisches Erlebnis – Sehnsuchtsbummler

    […] Vor fünf Jahren habe ich mir geschworen, dass ich diesen Ort wieder betreten werde. Dieser Ort ist kein geringerer als der Grüne Hügel in Bayreuth. Eines Tages werde ich hier stehen und zwar dann, wenn die legendären Bayreuther Festspiele sind und ich den Großmeister Richard Wagner in der bestmöglichen Akustik hören werde. Fünf Jahre später und jetzt stehe ich hier. Am Premierenwochenende der Bayreuther Festspiele. Gestern eröffnete die Prominenz Bayreuth und heute eröffnet meine Lieblingsoper Richard Wagners mein Herz. Das Rheingold steht an. Wie ich mich freue! Eine Erhabenheit und göttliche Kraft liegt in der Luft. Die Bayreuther Aura ist einzigartig. Die Festspiele sind eine Institution für sich, die Wagnerianer, die sie besuchen, erst recht. Es gibt zwei Arten von Besuchern auf den Bayreuther Festspielen. Zum einen gibt es die Fraktion der Hardcore Wagnerianer, die für atemberaubende Musik kommen. Zum anderen gibt es die Fraktion der elitären Selbstdarstellung und des ultimativen Statussymbols. Du kannst raten, welcher Gruppe ich zugehöre. Ironischerweise wollte Wagner das Opernhaus bauen, um sich ganz der Musik widmen zu können, da im markgräflichen Opernhaus der Stadt es ihm zu viel Schnickschnack und arrogante Selbstdarstellung gab. Schick sind hier zwar nur die Kleider und nicht das Interieur, die Selbstdarstellung ist geblieben. Ein Besuch der Bayreuther Festspiele gehört in der High Society fast zum guten Ton. Der Ton ist hier aber auch wirklich gut! Früher war Bayreuth daher auch nur für die elitären Zirkel vorbehalten. Der Pöbel hatte nahezu keine Chance, diese Schönheit zu erleben. Böse Zungen würden jetzt behauptet, dass dank organisatorischer und zum Teil auch künstlerischer Misswirtschaft der vergangenen Jahre die Ticketnachfrage so zurückgegangen ist, dass auch Akademiker mit 1er Abschluss aus dem nicht-elitären Umfeld Einlass erhalten. […]

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  2. Avatar von Zeche Zollverein: Industriedenkmal und UNESCO-Weltkulturerbe – Sehnsuchtsbummler

    […] heißt. Sie steht auf einem kleinen grünen Hügel. Bei dem Anblick muss ich instinktiv an den Grünen Hügel in Bayreuth denken. Die beiden Hügel sind sich nämlich sehr viel ähnlicher, als man glauben […]

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  3. Avatar von Dresden Entdecken: Barock, Kunst und Wiederaufbau – Sehnsuchtsbummler

    […] soll seine Chance bekommen. Die zweite größere deutsche Barockstadt ist übrigens Bayreuth. Bei meiner Reise in die Wagnerstadt konnte ich aber auch den Spagat zur Romantik erkennen und mich in das romantische Bayreuth […]

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