Bologna
Sollen sie doch Kuchen essen! Schlemmen muss heute sein. Schließlich heißt Bologna nicht ohne Grund auch „la grassa“, zu deutsch „die Fette“. Die italienische Küche wird heute ausgekostet. Gestärkt geht es für mich in die Altstadt.
Bologna ist für seine Arkadenbogen-Architektur zum UNESCO-Welterbe ernannt worden. Einen Mangel an Bögen kann ich auf den ersten Metern auch nicht feststellen.

Die Bögen führen mich ohne Umwege zur Piazza Maggiore. Dort finden sich das Rathaus der Stadt, eine riesige gotische Kirche, zahlreiche historische Gebäude und der Neptunbrunnen. Ganz wichtig ist die Gruppe von Straßenmusikern, die mit feinsten Saxophon- und Tubaklängen die Musik meines Lieblingshelden* über den Platz verteilen.


Die Basilica San Petronio ist ein monumentales und imposantes Gebäude. So ist sie äußerlich nicht nur wahnsinnig groß, sondern innerlich auch riesig und atemberaubend. Die Kirche wird nicht ohne Grund vom Militär bewacht.


Wofür ist Bologna bekannt? Wahre Nerds wissen das natürlich. Bologna ist die Heimat der ältesten Universität Europas. Fast eintausend Jahre ist die Universität alt. Ich liebe alte Universitäten. Jede gute Universität hat eine schöne Bibliothek. Bücher sind der Weg zur Freiheit und Freiheit ist der Weg zum Glück. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, dass neben der Bibliothek der historische Anatomiehörsaal ist. Der geschichtsinteressierte Pharmazeut in mir ist vollkommen begeistert. Glück und Freiheit wollte ich auf dieser Reise finden und hier finde ich beides.


Natürlich gibt es in Bologna auch mehr Kirchen als Bücher. Ich sehe nicht alle, aber an den wichtigsten Kirchen führt mein Weg vorbei. Geleitet werde ich von den Arkaden. Die berühmten 2 Türme der Stadt (mitsamt Kirche natürlich) liegen auch noch auf meinem Weg.


Und dann geht es für mich in das direkte Herz Bolognas – die Alma Mater Studiorum – Università di Bologna. Die Universität ist über die ganze Stadt verteilt. Nach knapp tausend Jahren ist dieser elitäre Ort jetzt eine Ansammlung grüner Kräuter, die noch mehr stinken als in Amsterdam und eine Ansammlung kubanischer Flaggen. Kaum hat das Land eine rechte Regierung, rufen die Studierenden hier die Revolution aus. So muss das sein. Ich will jetzt nicht über Politik reden. In eine Kampfrede bin ich trotzdem reingestolpert. Ich schleiche mich an den Kuba-Flaggen vorbei und mache mich heimlich auf den Weg zu den historischen Gängen der Universität und spüre die Weisheit von 1000 Jahren akademischer Bildung. Das und den Duft von Cannabis.

Der Pharmazeut in mir möchte zur pharmazeutischen Fakultät. Ein Haufen Totenköpfe begrüßt mich. Die Pharmazie teilt sich das Haus mit der Anatomie. Das hat auch was als Eingangsdekoration. Weiter oben im Haus befindet sich die anatomische Sammlung, wo mit Wachsfiguren alles dargestellt ist, was man sich anatomisch vorstellen kann. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Ist sicher nichts für schwache Nerven, aber für mich genau das Richtige und Interessante.

Mein Weg führt mich noch durch den botanischen Garten der Universität, ehe ich mich im Zug in die nächste Stadt mache. Glück und Freiheit habe ich in Bologna gefunden. Aber finde ich jetzt noch die Liebe?
Verona
Verona. Das bedeutet Oper oder Romeo & Julia*. Viel mehr verbinde ich mit dieser Stadt gar nicht. Aber brauche ich eigentlich noch unbedingt mehr? Oder langt das nicht?
Der Bahnhof von Verona liegt etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Im Zug haben sich meine Schultern ohne Rucksack so frei und leicht angefühlt. Das ist jetzt wieder zu Ende. So schön diese Reise auch ist, so anstrengend ist sie auch.
Den Anfang der Stadt macht die Piazza Bra. Groß und weiträumig. Italienisch und Herz der Stadt. Das andere Herz steht direkt daneben. Das antike römische Amphitheater ist noch fast komplett erhalten und so noch heute das kulturelle Zentrum der Stadt. Die Opernaufführungen in Verona sind weltbekannt und der Grund, warum Verona ein Tourismus-Hotspot in Italien ist. Und auch ich werde eines Tages wieder zurück nach Verona fahren, um dieses kulturelle Meisterwerk genießen zu können.


In Verona befindet sich der berühmteste Balkon der Literaturgeschichte. Hier spielt das bekannteste Liebesdrama der Literaturgeschichte*. In Verona haben sich einst Romeo und Julia gefunden und ineinander verliebt. Der berühmte Balkon der Julia ist komplett voll. Meine Julia finde ich trotzdem nicht.

Das Interessanteste an der norditalienischen Stadt ist aber, dass sie fast nur aus Touristen besteht und ich stellenweise mehr Deutsch als Italienisch höre. Das finde ich sehr bedauerlich, so ist Italienisch doch eine so wundervolle Sprache. Trotz der nordischen Einflüsse ist die Pasta köstlich. Wer nach Italien fährt, der findet die Liebe (zum Essen).

Neben der Pasta darf die Kirche nicht vernachlässigt werden. So hat Verona davon auch einen Überschuss. Mittlerweile habe ich mich fast an die Imposanz der italienischen Kirchen gewöhnt. Das ist surreal, denn wie kann ein Mensch sich an das Atemberaubende gewöhnen? Ich hoffe, die Flamme wird in den nächsten Tagen noch einmal neu entfacht, sonst wäre es schade. Ich möchte schließlich so viele schöne Momente erleben wie nur möglich. Aber rentiert hat sich die Reise jetzt schon tausendfach.
Verona hat mehr als Liebe, Oper und Kirche. So fließt auch die Etsch durch das kleine norditalienische Städtchen und verfeinert das Stadtbild. Viel schöner als der Fluss ist die Aussicht auf das, was hinter dem Fluss in sehnsüchtiger Ferne liegt.


Beim Gang durch die Gassen Veronas liegt der schöne Duft der italienischen Küche in der Luft. Ich bin zwar nicht mit den größten Kochkünsten gesegnet, aber bei diesem aromatischen Duft habe ich große Lust, meine Kochkünste zu verbessern und zu verfeinern.

Den vorletzten Punkt der Reise bildet der Arco dei Gavi. Natürlich hat Verona auch einen Triumphbogen. Irgendwie ist es schade, dass wir das heutzutage nicht mehr machen.

Den krönenden Abschluss bildet die kleine Burg Veronas mitsamt der schönen Ponte Scaligero. Im Licht der untergehenden Sonne glühen die roten Ziegel vor Temperament, Leidenschaft und Schönheit. Das rote Feuerwerk passt zur Stadt der Oper und Julias. Rot wie die Liebe – Rot wie Verona.



Da alle Hostels bereits ausgebucht waren, schlafe ich in einem Motel außerhalb der Stadt. Meine Füße tun zwar schon weh, aber mit einem schönen Sonnenuntergang vor Augen läuft sich die Stunde fast ganz von alleine. Und dafür habe ich heute Nacht ein Zimmer ganz für mich alleine.

The sun for sorrow will not show his head.
Go hence, to have more talk of these sad things;
Some shall be pardon’d, and some punished:
For never was a story of more woe
Than this of Juliet and her Romeo.
Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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