So schön Italien auch ist, es geht für mich zurück auf den Balkan. Slowenien wartet auf mich. Den Zug finde ich am Bahnhof sehr leicht. Wobei ich das Prinzip der gesonderten Einstiegs- und Ausstiegstüren faszinierend und verwirrend finde, wenn sich niemand daran hält. Ich fahre ein letztes Mal entlang der wunderschönen Küste, die am Morgen noch so ruhig und verborgen erscheint. Ich fühle mich im Zug pudelwohl. Ich habe mich an dieses Leben gewöhnt. Die Reise könnte noch ewig und drei Tage gehen.
Kurz vor der Grenze kommt der Zugbegleiter und erzählt kurz etwas. Mein Italienisch ist noch zu begrenzt. Das Englische verstehe ich aufgrund seines Akzentes kaum, aber anscheinend muss ich an der Grenze den Zug wechseln und mit der slowenischen Bahn weiterfahren. Beide Züge sind pünktlich.
Postojna
Etwas später und ich bin in Postojna. Die Straßen sind leer und ruhig. Ich habe Zweifel, dass hier ein Tourismusmagnet sein soll. Ich beginne loszulaufen.

Bei den ganzen vernebelten Bergen in Slowenien bekomme ich immer wieder Lust auf einen Herr der Ringe* Marathon. Die vernebelten Berge in der Ferne erinnern mich zu stark an Mittelerde.

Bei den Höhlen angekommen, entdecke ich das asiatische Ehepaar von Tag 1 aus dem Zug wieder. Wie klein diese Welt ist. Die Führungen durch die Höhle werden nach den verschiedenen Sprachen aufgeteilt. Die Schlange für die deutsche Führung ist die längste. Und ich weiß selbst, dass ich ein deutscher Tourist bin, aber die deutschen Touristen sind immer die Schlimmsten. Ich überlege kurz, ob ich in die englische Schlange gehen soll, stelle mich aber der Herausforderung.
Zunächst fahren wir mit dem Zug durch die Höhle. Das erinnert mich an meinen Lieblingsfilmhelden Indiana Jones und seine Abenteuer im zweiten Teil*. Schnell fährt die Bahn zwar nicht, aber ich fühle mich trotzdem wie ein echter Abenteurer.
Nach der Fahrt gibt es eine kleine Wanderung durch die Höhle. Der Begriff Naturspektakel ist bei Weitem eine Untertreibung für diese Schönheit der Natur. Ich bin immer wieder fasziniert, welche Schönheit unsere Erde produzieren kann. Ich könnte jetzt versuchen, diese Schönheit in Worte zu fassen, ich würde scheitern. Ich lasse die Bilder für sich sprechen.




Die Höhle ist auch die Heimat der Grottenolme. Diese Tiere leben natürlich in den dunklen Höhlen Sloweniens. Früher dachten die Menschen, es sind Drachenbabys. Leider hat sich diese These nie beweisen lassen. Die Tiere sind ein absolutes Kuriosum, so können sie bis zu 10 Jahre ohne Essen auskommen. Das schaffe ich leider noch nicht.
Die Tour durch die Höhle endet, so wie es sich gehört, im Souvenirshop. Ich kaufe mir keinen überteuerten Plüschgrottenolm und mache mich direkt auf den Weg. Wobei ich draußen noch kurz etwas esse. Das Brot vom Montag ist leider auch nicht mehr das frischeste. Auf dem Weg zum Adelsberg, der auch der deutsche Name von Postojna ist, wird mir erst so richtig bewusst, wie versatil Slowenien ist: Berge, Seen, Wälder, Höhlen und Adria und das alles in einem so kleinen Land. Beim Weg auf die Spitze des Hügels wird mir aber auch klar, dass ich nach dem Urlaub wieder mehr Sport treiben sollte. Die Aussicht lohnt sich trotzdem!


Auf dem Weg zum Supermarkt gehe ich durch ein Viertel, das so musterhaft für Ostblock-Architektur steht, wie etwas für Ostblock-Architektur stehen kann. Das ist auch Slowenien.
Und dann der nächste Zug. Das Ziel: die kroatische Hauptstadt. Im Zug sitze ich etwas erschöpft, aber die Landschaft ist so schön wie immer. Aber da muss man einmal im Zug niesen und dann wird man vom Sitznachbarn auf slowenisch zugetextet. Mein „Ich kann aber nur deutsch und englisch“ wird ignoriert. Irgendwann gibt er auf. Die nette Geste bleibt bestehen.
Die Fahrt geht an einem rauen Fluss entlang durch die beginnende Dunkelheit. Der Himmel färbt sich rötlich und teilt sich. Der Aprikosenhimmel über der Schlucht des Dunkeln ist ein Sinnbild zwischen Gut und Böse. Bis das Schwarz der Berge obsiegt und nur ein violetter Schimmer der Hoffnung am Himmel verbleibt.
Zidani
In Zidani muss eine halbe Stunde am Bahnhof warten. Mittlerweile ist es auf dem Balkan auch fast ganz dunkel. Gruselig ist es nicht, ich fühle mich wohl und heimisch. Selbst wenn die durchrasenden Güterzüge extrem laut sind.

Weniger schnell ist ein Baustellenzug unterwegs. Der fährt Schritttempo, damit aus dem Stellwerk ein Zettel für den Zug herabgeworfen werden kann. Nach einer Weile kommt mein Zug. Es ist der Mimara vom ersten Tag!
Im Zug fällt mir auf, wie schön der Mond reflektiert. Mit einem leichten Schimmer. Das Mondlicht ist so klar, weiß und hell und doch so dunkel. Den Rest der Fahrt düse ich durch die Dunkelheit und denke einfach mal an gar nichts. Ein schönes Gefühl.
An der Grenze nach Kroatien gibt es Grenzkontrollen im Zug. Das kenne ich schon von meiner Zugfahrt nach Belarus vor fünf Jahren.
Zagreb

Das Hostel in der Nähe des Zagreber Hauptbahnhofs macht einen guten ersten Eindruck. Das Bad könnte sauberer sein, aber es ist immer noch ein Hostel. Und der Name des Zimmers ist Maksimir. Damit kann ein Maximilian zumindest gut leben.
Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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