Eine Kombination aus Mücken und einem krähenden Hahn gab es auch in dieser Nacht. Mückenstiche bedecken meinen ganzen Arm. Mein Schlaf war zum Glück wenigstens ruhig und fest. Einen Wecker brauche ich auch heute Morgen nicht. Als ich um zwanzig vor acht das Zimmer verlasse, fühle ich mich fast etwas schlecht. Ich bin zwar so leise wie möglich unterwegs, aber ein paar Geräusche entstehen leider immer.
Im Bus sitze ich fast alleine. Wer ist bitte auch schon so früh unterwegs? Der Bus wird übrigens von einer der zahlreichen Unterfirmen der Deutschen Bahn betrieben. Pünktlich ist er trotzdem.
Die Natur Sloweniens ist so schön, so einzigartig, so rustikal und so natürlich. Die Dörfer sind etwas älter, eins mit der Natur, bestehen ja fast nur aus Holz und Zäune gibt es hier nicht. Die Sonne strahlt auf das vom Morgentau leicht feuchte, saftig grüne Gras. An einem Fluss wird die Natur atemberaubend mystisch. Es wird nebliger. Und die grauen Schleier verdecken die Sonne. Ein paar Spitzen des Lichts durchbrechen den düsteren Dunst und erhellen diese Zauberwelten.
Bohinj
In Bohinj endet meine Abenteuerreise durch diese schöne Gegend. Aber das heißt nicht, dass es jetzt weniger schön wird. Schon aus der Ferne kann ich erahnen, wie schön die nächste Zeit wird. Ich sehe wieder einen See. Heute nicht strahlend blau, sondern mystisch schleierhaft. Ich spüre den anstehenden Herbst. Der See ist menschenleer und ich entdecke eine wunderschöne Bank.




Und dann geht es für mich zurück nach Bled. Diesmal direkt zum Bahnhof. Die Fahrt ist eine wunderschöne Reise, die sich kaum in Worte fassen lässt. Der Busfahrer findet dennoch genügend Wörter. Er telefoniert. Das gehört sich so auf dem Balkan.
Am Bahnsteig finde ich keinerlei Info, von welchem Gleis mein Zug demnächst fährt. Aber zum Glück hat der Bahnhof nur 2 Bahnsteige und auf dem Balkan gehen die Menschen grundsätzlich so über die Gleise. Der Zugverkehr hält sich sehr in Grenzen. Bis der Zug kommt, sitze ich in der Sonne und genieße mein Mittagessen – trockenes Brot.
Wo will ich eigentlich hin? Die Reise soll eine Balkan– und Osteuropareise werden, einen kleinen Abstecher in mein Sehnsuchtsland Italien kann ich mir aber nicht nehmen lassen. Selbst wenn dieser kleine Abstecher nur nach Triest geht.
Ljubljana
Im Zug nach Ljubljana, wo ich umsteigen muss, genieße ich die Schönheit Sloweniens. Alles ist so schön grün und so natürlich. Und wir haben zwar Oktober, aber in der Sonne am Fenster komme ich fast ins Schwitzen. Im Zug sehe ich wieder viele junge Menschen mit ganz großen Rücksäcken. Interrail ist eine fantastische Erfindung! Meine Liebe für den Balkan entflammt sich immer weiter. So liebe ich es einfach, dass die Menschen an Bahnhöfen wie Skofja Loka direkt auf den Gleisen aussteigen.

In Ljubljana habe ich zwar eine halbe Stunde Umsteigezeit, aber ich verlasse bewusst den Bahnhof nicht, damit ich mir nichts von dieser Stadt vorwegnehme. Die ist in ein paar Tagen an der Reihe. Außerdem bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich eine halbe Stunde Umsteigezeit habe. Meine Interrail-App sagt zwar, dass die Abfahrt um 14:20 Uhr ist, die Anzeigetafel sagt, dass die Abfahrtszeit um 14:12 Uhr ist. Die schiere Menge an großen Rucksäcken sagt aber zumindest, dass ich am richtigen Gleis bin.
Im Zug sitze ich wieder in einem 6er-Abteil. Meine Mitreisenden tragen nur leider den Duft eines ganzen Bauernhofes in sich. Aber auch das gehört zu so einer Reise.
Die Landschaft ist immer noch wunderschön. Es wird grüner und flacher. Diese Wandlungsfähigkeit macht alles schöner. Mittlerweile existiert nur noch die Natur und ab und an ein Bauernhof. Eigentlich wollte ich nach meinem Staatsexamen wieder mehr lesen. Aber bei einer so schönen Aussicht kann ich meine Augen vom Fenster gar nicht lösen.
Italien – Triest
Mittlerweile wird die Landschaft wieder etwas gebirgiger und steiniger. Ich merke, wir nähern uns Italien. Am ersten italienischen Bahnhof wird der italienische Flair sofort sichtbar. Die Adria ist nah, ich höre das Meer rufen. Es ist warm und trocken. Die Menschen ändern sich. Es ist eine vollkommen neue Welt. Der italienische Schaffner hat direkt mehr Stil. Anzug und Sonnenbrille sind in Italien ein Muss.
Und dann schweift mein Blick ganz kurz nach links. Und dort sehe ich es. Das mare nostrum. Die Sonne steht hoch über dem Meer und strahlt so schön, dass das Meer wie ein Diamant schimmert. Immer wieder verdecken Bäume kurz das Schauspiel, doch die große weite Freiheit der Ferne findet immer wieder ihren Weg zu mir.
Ein Frachter ist auf der See. Ich frage mich, wohin er geht, woher er kommt, wie lange er unterwegs ist und wie lange er es noch sein wird. Für mich ist ein Monat schon eine lange Zeit, aber wer weiß, wie lange die Männer auf dem Schiff schon auf See sind?
Aber nicht nur der Blick nach links lohnt sich. So sind die Häuser zur Rechten am Hang so italienisch, wie es nur geht! Die Zugfahrt ist perfekt.
In Triest wollte ich ursprünglich extra schnell ins Hostel, um mir morgen nicht zu verderben. Aber irgendwie will ich das jetzt nicht mehr. Bei der Sonne über der Adria überlege ich es mir anders und gehe noch mal raus, um den Sonnenuntergang zu sehen. Ich liebe Sonnenuntergänge!
Bevor ich meine Erlösung suchen kann, will ich im Hostel einchecken. Der Weg dahin ist gewöhnungsbedürftig. Nach dem kleinen slowenischen Dorf bin ich jetzt in der italienischen Großstadt. Das Hostel ist groß, gut organisiert und nicht dubios. Da weiß ich, dass ich direkt besser schlafen werde. Die Tatsache, dass ich mir ein Schloss für die Schließfächer kaufen kann, was ich vergessen hatte, mitzunehmen, lässt mich auch etwas ruhiger schlafen. Wobei von Schlaf jetzt noch keine Rede ist. Das Duschen ist erneut schwierig. Bei der Dusche im Zimmer steht, dass sie ungeeignet ist (ebenerdig und Mini-Abfluss), man solle doch die Dusche im Bad der Etage nutzen. Diese ist aber gerade außer Betrieb, man solle daher doch bitte die Dusche im Zimmer nutzen. Ich gehe eine Etage nach unten zum Duschen. Erfrischt geht es endlich zu meiner großen Liebe. Es ist so schön, das kann selbst ich nicht in Worte fassen. Diese elysisch traumschöne Metamorphose von diamantweißen Strahlen der Sonne bis hin zum prunkvollen Gold des Abends. Wörter können das Glück in mir gar nicht beschreiben! Seht einfach selbst!





Nachdem ich eben den Weg ins Paradis gefunden habe, geht es für mich zurück ins Hostel. Meine Ruhe wird nur kurz gestört, als es unter mir zu einer kleinen Diskussion kommt. Die Person im Hochbett unter mir hat sich wohl in der Bettnummer geirrt und das führt zu Verwirrungen. Aber auch das kann sich klären und so kann der ältere Herr jetzt auch im richtigen Bett schlafen. Danach ist es recht ruhig in meinem Zimmer. Das Zimmer nebenan veranstaltet – zumindest akustisch – ein Wrestling-Turnier. Im 12-Bett-Zimmer werden zum ersten Mal meine Ohropax* genutzt. Essentiell für eine solche Reise.
Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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