Ja, ich bin schuldig. Ich gehöre zu den Menschen, die nach Jordanien gefahren sind, weil sie Petra sehen wollen. Ja, ich bin sogar noch schuldiger. Weltwunder hin oder her. Ich bin wegen Indiana Jones hier. Den dritten Teil der Reihe* habe ich so oft gesehen, ich kann gar nicht sagen, wie oft. Es ist der Film, den ich am meisten in meinem Leben gesehen habe. Meine Suche nach dem Heiligen Gral begleitet mich schon mein ganzes Leben. Hier soll er nun angeblich sein… Zumindest dem Film nach.
Ich wache mit einem riesigen strahlenden Lächeln auf. Heute ist es soweit! Endlich komme ich nach Petra. Heute hole ich mir den Heiligen Gral! Heute wird der beste Tag meines Lebens. Wobei nach Wadi Rum gestern die Messlatte weit oben liegt!
Vor mir liegt eine weite Felslandschaft. Ich sehe Steine. Wie sehr ich Steine liebe! Noch etwas Geduld und ich bin am Ziel meiner Träume angelangt.

Nun etwas Kurzes zur Geschichte. Die ersten Felsbauten entstanden im 3. Jahrhundert vor Christus und im 1. Jahrhundert vor Christus hatte die Hauptstadt der Nabatäer ihren Höhepunkt. Ab dem 1. Jahrhundert übernahmen die Römer den Ort und hinterließen in der Kernstadt ihren Sandalenabdruck.

Nun beginnen die schönsten 1,5 Kilometer meines Lebens. Die Siq. Eine Felsschlucht von bis zu 70 m Tiefe. Der Weg zum Paradies. Links und rechts sind Steine, die Kunstwerke sein könnten. Steine so schön, sie könnten im Louvre in Paris als Gemälde hängen. Die Siq ist mehr als nur ein Gang zum Paradies. Sie ist bereits Teil des Paradieses. So schön ist sie. Die Menschenmassen verdränge ich. Die Schönheit des Ortes – unserer Mutter Erde – übermannt mich.



Und dann ist es soweit. Mohammed hält die Gruppe an. Er zeigt uns etwas an der oberen Kante der Schlucht. Er lässt unsere Augen seinem Finger folgen. Wir drehen uns und dann sehen wir es. Den Anblick, den jeder aus Petra kennt. Der Anblick, der Petra berühmt gemacht hat. Der berühmte Blick auf das Schatzhaus Khazne al-Firaun durch die Schlucht Siq. Die letzte Ruhestätte des Heiligen Grals zum Greifen nah. Der Moment ist wunderschön. Mohammed hat das geschickt gemacht. Durch seine Führung wurde der Moment magisch und bis heute bin ich ihm dafür dankbar. Ein magischer Moment, der sich gar nicht in Worte fassen lässt.



Nach meinem Fanmoment beginnt jetzt das wahre archäologische Abenteuer. Das Weltwunder und Welterbe Petra ist schließlich eine Felsenstadt, die mehrere tausend Jahre alt ist. Mein archäologisches Herz beginnt höher zu schlagen. Tempel, Gräber, ein Theater der Römer und Wohnhäuser – all das gibt es, was mein Herz begehrt.





Und so endet einer meiner schönsten Tage. Den Heiligen Gral habe ich nicht gefunden, dafür die immer stärker werdende Liebe zu Jordanien. Ich werde wiederkommen!

Die Reise erfolgte im September 2023

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