1 Mose stieg aus den Steppen von Moab hinauf auf den Nebo, den Gipfel des Pisga gegenüber Jericho, und der HERR zeigte ihm das ganze Land. Er zeigte ihm Gilead bis nach Dan hin, 2 ganz Naftali, das Gebiet von Efraim und Manasse, ganz Juda bis zum Mittelmeer, 3 den Negeb und die Jordangegend, den Talgraben von Jericho, der Palmenstadt, bis Zoar. 4 Der HERR sagte zu ihm: Das ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob versprochen habe mit dem Schwur: Deinen Nachkommen werde ich es geben. Ich habe es dich mit deinen Augen schauen lassen. Hinüberziehen wirst du nicht. 5 Danach starb Mose, der Knecht des HERRN, dort in Moab, wie es der HERR bestimmt hatte.
5.Mose 34,1-5
Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages einen meiner Reiseberichte mit einem Absatz aus der Bibel eröffnen werde. Aber, wie ich gestern schon realisiert habe, ich bin im Heiligen Land. Ich bin dort, wo die Bibel stattfand. An den Orten aus jenem Buch, was Millionen, ja Milliarden Menschen zumindest zum Teil gelesen haben. Heute bin ich allerdings im Gegensatz zu gestern im Alten Testament unterwegs.
Moses. Wo fange ich da an? Selbst Atheisten, Hinduisten oder Buddhisten kennen diesen Mann. Jenen Mann, der sowohl im Christentum, Judentum und Islam eine entscheidende Rolle spielt. Ich will jetzt keine Religionsvorlesung halten, aber dieses Wissen im Hinterkopf muss man haben, damit verstanden werden kann, was ich hier fühle. Ich stehe auf dem Berg Nebo. Hier sah Moses das Heilige Land zum ersten Mal. Ob die Geschichte jetzt wahr oder doch nur eine Geschichte ist, weiß niemand sicher. Ich weiß aber sicher, ich bin beeindruckt. Erschlagen von der Bedeutung dieses Ortes.


Aber es ist nicht nur die Bedeutung des Ortes, die mich überwältigt. Es ist auch die Aussicht. Denn die ist vom Berg Nebo atemberaubend schön. Das Beige der Ferne hat etwas für mich ganz Fesselndes und Faszinierendes. Es ist so rau. So natürlich. So ursprünglich. Ich liebe es. Vereinzelt kommen olivfarbenes Grün und das Blau des Sees Genezareth durch den beigen Horizont. Aber am Ende bleibt die große Masse wilde, unberührte Erde.



Auf dem Berg steht heute eine kleine Kirche, die an die große Bedeutung des Ortes für das Christentum erinnern soll und für christliche Pilger ein Ort des Gebets ist. Die Kirche ist von außen unspektakulär, dafür ist der Boden umso spannender!

Passend zur Mosaikkirche am Berg Nebo besucht unsere Reisegruppe jetzt eine Produktionsstätte von Mosaiken. Es ist faszinierend und erstaunlich, wie viele Stunden Handarbeit mit unermesslicher Geduld in ein Mosaik fließen. Ich finde es nahezu lächerlich, wenn ich dann die Preise der Werke sehe. Da gehen Tage, fast Wochen Arbeit in so ein Bild und dann kostet es nicht einmal 100 Euro. Davon abgesehen, dass natürlich kein einziger Arbeiter so etwas wie eine Maske trägt und den ganzen Tag Feinstaub hochkonzentriert einatmet. Es ist faszinierend, mit anzusehen, aber irgendwie für mich doch frustrierend. Am schönsten finde ich die Mosaike, die eine Hommage an meinen Lieblingskünstler Vincent van Gogh darstellen.



Unser nächstes Ziel heißt Madaba. Auch dieser Ort wird mehrfach im Alten Testament erwähnt. Bekannt ist Madaba für seine vielen frühchristlichen Kirchen, die im Laufe der Zeit zerstört, aber wieder aufgebaut wurden. Das Besondere an Ihnen sind die Mosaike am Boden der Kirche, die über Jahrhunderte verschüttet waren und dann wiederentdeckt wurden. Das bekannteste ist die Mosaikkarte Palästinas aus dem 6. Jahrhundert. Wahrscheinlich dauerte es über ein halbes Jahr, die Karte zu erschaffen, und über eine Million Teile. EINE MILLION. Das lässt sich kaum vorstellen. Die Bedeutung der Karte für Archäologie und Theologie ist dazu unbeschreiblich. Die Detailtreue einzelner Städte überwältigt mich. Ich frage mich, wie man so etwas ohne Satellitenaufnahmen und digitale Vernetzung so genau erschaffen konnte. Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpfung. Ich bin wirklich sprachlos!



Den krönenden Abschluss des Tages bildet Umm-Er Rasas. Ein weiteres jordanisches UNESCO-Welterbe und auch wieder ein Ort des Alten Testaments. Die Überreste einer römischen und christlichen Siedlung stammen aus dem 3. bis 9. Jahrhundert. Für viele sind es alte Steine wie viele andere. Aber für mich ist es ein besonderer Ort. Ein Ort der Geschichte. Ein Ort der Archäologie. Ich vermisse meine braune Lederjacke und meinen Fedora. Die Schönheit dieser Steine lässt sich nicht in Worte fassen. Zumindest nicht für mich. Ich scheitere an der Schönheit der jordanischen Geschichte. Aber damit kann ich leben.



Das Besondere an dem Ort sind auch wieder die Mosaike. In der Kirche ist der ganze Boden Mosaik, aber auch in den Hausruinen finden sich immer wieder vereinzelte Fragmente. Das Mosaik der Kirche erzählt mir über die Kirche und die Bibel mehr als manche Predigt. Zusammen mit dem beeindruckenden Wissen Mohammeds ist es eine Lehrveranstaltung höchster Güte.


Der Tag mit einer langen Busfahrt Richtung Süden. Das genaue Ziel: Aqaba.
Die Reise erfolgte im September 2023

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