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Vincent van Gogh und das Idyll Amsterdams

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Es gibt wenige Dinge, die ich so sehr liebe wie den ESC. Die europäische Idee liebe ich aber noch mehr. Das Wochenende kann eigentlich nicht noch europäischer werden. Vor 2 Stunden hat die Ukraine den diesjährigen ESC mehr als verdient gewonnen und jetzt sitze ich in einem ICE auf dem Weg zu unseren europäischen Nachbarn. Um die grandiose europäische Idee zu ehren, hat dieser europäische ICE auch keine roten oder grünen Streifen, sondern blaue. Der 50-Jahre-Interrail-Aufkleber am Triebwagen darf natürlich auch nicht fehlen! Glücksgefühle kommen bei den Gedanken an meine erste Interrailreise vor zwei Monaten hoch! Und die Vorfreude auf die nächste Interrailreise im Herbst wird immer größer. Aber diese Reise soll erst mal unter den (europäischen) Sternen Amsterdams stehen.

Es ist irgendwas zwischen 5 und 6 Uhr morgens, als ich aufwache. Ich kann meinen verschlafenen Augen kaum trauen. Ich bin bis jetzt schon ein bisschen herumgekommen. Ich habe viele schöne Orte gesehen. Von allen Orten ist das Mittelrheintal für mich einer der schönsten Orte gewesen. Und so werden meine verschlafenen Augen mit einem elysischen Sonnenaufgang über dem Rhein belohnt. Allein für diesen Anblick hat sich die Reise gelohnt.

Gegen 9 Uhr bin ich in Amsterdam. Wenigstens muss ich in dieser Stadt keine Angst haben, dass ich von Autos angefahren werde. Amsterdam ist natürlich weltbekannt für seinen Grachtengürtel. Deutschland denkt natürlich, es sei besser als die Welt. Amsterdam ist daher in Deutschland fürs Kiffen bekannt. Den Duft der Freiheit kann ich aber auch schnell bemerken. Mein Augenmerk gilt der Welt und nicht Deutschland. Und so stehe ich vor den ersten Grachten. Die Morgensonne, die Ruhe, das funkelnde Wasser des Kanals und die vielen Bäume bilden eine wunderschöne Symbiose. Es ist richtig schön idyllisch.

Ein malerischer Kanal in Amsterdam, umgeben von grünen Bäumen und historischen Gebäuden, mit Booten am Ufer und klarem Himmel.
Idylle

2 Brücken, später kommt dann die Ernüchterung. Ja, es sieht sehr schön aus, aber es sieht auch alles gleich aus. Dutzende Bilder und doch sehen alle gleich aus. Das Besondere wird so schnell zum Normalen, dass es seinen Zauber direkt verliert. Und mit jeder Brücke wird der Zauber noch kleiner.

Ein ruhiger Kanal in Amsterdam mit historischen Gebäuden, Bäumen und Booten am Ufer bei klarem Himmel.
Finde den Unterschied

Die schöne Stimmung erleidet leider wenig später einen Dämpfer. Denn auch Amsterdam wurde nicht vom größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte verschont. Und so steht an der Prinsengracht das Anne-Frank-Haus zum Gedenken, zur Mahnung und zum Appell des niemals Vergessens. Es ist auch historisches Zeugnis für das bekannteste Tagebuch der Literaturgeschichte*.

Blick auf historische Gebäude in Amsterdam mit modernen Geschäften und Fußgängern auf der Straße.
Nie wieder!

Während die Grachten immer noch alle gleich aussehen, sind die Straßen immer abwechslungsreicher und schöner. Ein Mangel an Cafés hat diese Stadt definitiv auch nicht. Die Eleganz und Schönheit mancher Straßen lässt die Stadt erst so richtig aufblühen.

Ein schönes Gebäude mit einem grünen Baum davor, umgeben von lebhaftem Laub und einer einladenden Straßenszene.
Holländische Eleganz

Amsterdam ist nicht nur die grüne Stadt aufgrund seiner liberalen Drogenpolitik oder seiner gelungenen Verkehrswende, sondern auch, weil es die Heimat eines traumhaft schönen Parks ist. Der Vondelpark ist ein grünes Feuerwerk, verschönert mit zahlreichen Seen und ganz viel Ruhe. Die Sonne strahlt und es ist einfach traumhaft. Ich lege mich ins sanfte Gras und genieße einfach den Moment.

Ein ruhiger Park mit einem Teich, umgeben von grasbewachsenen Flächen und verschiedenen Bäumen, darunter ein trockener Baum mit wenigen Blättern und mehrere grüne Bäume unter strahlend blauem Himmel.
Carpe diem
Ein sonniger Park mit vielen grünen Bäumen und einem ruhigen Teich im Vordergrund.
Die Schönheit der Ruhe

Nichts tun und im Grün liegen, ist schon ganz schön anstrengend. Zum Glück gibt es in Amsterdam so viele Cafés und es gibt kaum etwas Besseres als Waffeln mit Vanilleeis zum Frühstück.

Ich habe es ja eigentlich nicht so mit der Kunst. Aber ich liebe van Gogh. Ich könnte mir seine Bilder stundenlang ansehen. Die Sternennacht hängt an meiner Wand*, existiert als Lego-Modell im Schrank und ist sogar Motiv einer meiner Fliegen*. Das van-Gogh-Museum ist daher der eigentliche Grund, warum ich nach Amsterdam wollte. Bevor ich aber in das Museum gehe, ist noch Zeit, sich auf den Museumsplein zu legen und eines der schönsten Lieder der Menschheitsgeschichte anzuhören.

Schwarz-Weiß-Bild eines Parks mit mehreren Bäumen und Menschen, die im Schatten sitzen und sich entspannen.
Starry, starry night

Es sind nur Felder. Einfache Felder, von denen ich schon unendlich viele in der Natur gesehen habe. Ich habe schon die schönsten Felder in der Natur gesehen und das sind jetzt ein paar Bilder. Aber es sind nicht nur Bilder. Es ist so viel mehr. Ich weiß nicht, was es ist. Ich habe keine Ahnung von Kunst. Ich weiß nicht, ob es die Farben sind oder die Pinselführung. Ich weiß aber eine Sache. Ich weiß, wie ich mich beim Anblick dieser Bilder fühle. Glücklich. Ich bin ganz fasziniert von diesen Bildern, die eine solche Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen. Ich könnte stundenlang mir ein paar Weizenfelder ansehen. Es klingt so surreal, aber es ist doch so einfach. Ich muss keine Ahnung von Kunst haben, um zu erkennen, was die Bilder mit mir machen. Sie befördern mich in neue Sphären des Glücks.

Gemälde einer ländlichen Landschaft mit Feldern, einem Heuhaufen und einem Bauern, der arbeitet, umgeben von Zäunen und Gebäuden unter einem klaren Himmel.
Colors changing hue
Morning fields of amber grain
Weathered faces lined in pain
Are soothed beneath the artist’s loving hand

Van Gogh hoffte, dass seine Bilder den Menschen Geborgenheit geben. Ein Gefühl, das er selbst selten spürte. Er suchte seinen Frieden und die Geborgenheit in der Natur. Eine Suche, der ich mich schon oft angeschlossen habe.  Seine Briefe an seinen jüngeren Bruder Theo* sind einfach nur herzzerreißend. Je mehr man sich mit van Goghs Leben befasst, umso tragischer werden die Bilder und umso mehr versteht man, was er uns damit sagen wollte. Aber man versteht sich auch besser und die Gefühle, die Bilder in einem hervorrufen. Er hat sein Ziel aber erreicht. Seine Bilder geben noch heute das Gefühl der Geborgenheit.

Ölgemälde von Olivenbäumen mit lebendigen Farben, Rahmen in Gold. Die Landschaft zeigt sanfte Wellen und eine vielfältige Farbpalette.
Now, I understand, what you tried to say to me
How you suffered for your sanity
How you tried to set them free
They would not listen, they did not know how
Perhaps they’ll listen now

„This world was never meant for one as beautiful as you“, so ist das Tragische an seiner Lebensgeschichte, dass van Gogh die Liebe und Zuneigung nie bekommen hat, die er verdient hätte. Mit seinen Bildern hat er so viel Glück und Liebe in der Welt verteilt. Und alles, was er bekommen hat, war Undankbarkeit oder einfach gar keine Aufmerksamkeit. Heute gilt er als einer der größten Künstler des Planeten. Zu seiner Zeit war er arm, wurde verspottet und seine Liebe blieb unerwidert. Seine Lebensgeschichte ist so tragisch, dass seine Bilder besonders bittersüß werden. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber ich will meine Dankbarkeit für seine Kunst und seine Wirkung trotzdem hier festhalten.

Für manche Menschen ist van Gogh einfach nur ein verrückter Maler gewesen. Manche Menschen sagen, er sei nicht verrückt gewesen, sondern einfach ein Genie. Für mich ist er ein Genie, das unter seinen psychischen Problemen gelitten hat. Kaum vorstellbar, was er alles hätte malen können, wenn er die Therapieoptionen der heutigen Zeit gehabt hätte. Das Entscheidende beim Thema „Mental Health“ ist aber viel mehr die gesellschaftliche Akzeptanz und das Verständnis Und selbst wenn wir diesbezüglich als Gesellschaft schon viel erreichen konnten, so ist da noch ein langer Weg zu gehen, bis das Schicksal von Vincent verhinderbar ist.

Ein Gemälde eines Zimmerinterieurs mit einem gelben Bett, einem Tisch und mehreren Stühlen, umgeben von an der Wand hängenden Bildern.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte
La tristesse durera toujours.

Das eigentliche künstlerische Highlight in Amsterdam ist aber das Rijksmuseum. Zumindest sagen und schreiben das immer alle. Aber meine Zeit (und mein Geldbeutel) sind begrenzt. Und wie gesagt, ich habe es nicht so mit der Kunst. Bis auf die wenigen Ausnahmen, die dafür umso intensiver sind. Ich genieße das Museum daher nur von außen. Dieser Anblick ist aber so schön genug!

Fassade eines historischen, detailreich gestalteten Gebäudes mit großen Fenstern und Statuen, von unten fotografiert, während die Sonne im Hintergrund scheint.
Manchmal sind auch die äußeren Werte entscheidend

Verschönert wird dann der Moment durch eine Straßenmusikerin, die den Platz mit engelsgleicher Stimme mit der Musik Puccinis verschönert.

Bronze-Skulptur eines sitzenden Mannes mit einem Werkzeug in der Hand, umgeben von grünen Bäumen und einem gepflegten Garten.
Un bel di vedremo

Wenige Meter später kann ich dann wieder die Schönheit der Amsterdamer Grachten genießen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir so manche Gracht bekannt vorkommt. Oder sie sehen vielleicht einfach wirklich alle gleich aus.

Ein malerischer Blick auf historische Gebäude entlang eines Kanals in Amsterdam, umgeben von Bäumen und Fahrrädern, mit einem kleinen Boot im Vordergrund.
Entschuldigung, kennen wir uns?

Jetzt wird es aber mir aber doch etwas zu bunt hier. Also im positiven Sinne. Denn die Niederlande sind natürlich auch weltbekannt für ihre Tulpen. Und auf dem lokalen Markt erstrahlt ein farbenfrohes florales Feuerwerk. Es scheint Tulpen wirklich in allen Farben zu geben. Die bunten Farben strahlen eine besondere Lebensfreude und Energie aus.

Nahaufnahme von orangefarbenen Tulpen vor einem Hintergrund aus gelben und pinken Tulpen.
Bunte Freude

Über viele kleinere Straßen versuche ich, mir einen Weg zum königlichen Palast zu ebnen. Denn die Hauptstraßen sind voll. Und dann gibt es noch die guten holländischen Pommes und die Kirchen schlagen zur Mittagszeit. Der Weg dauert daher etwas länger als ursprünglich geplant. Lecker war es trotzdem!

Eine ruhige Straßenansicht mit Reihenhäusern auf beiden Seiten, belebten Fahrradparkplätzen und Spaziergängern unter einem klaren blauen Himmel.
Die Nebenstraßen sind leer, mein Magen nicht

Von außen sieht der königliche Palast recht schlicht aus. Aber das ist auch ganz logisch, denn er wurde ursprünglich nicht als Palast gebaut. Die Eleganz und Imposanz werden dafür im Interieur umso kräftiger ausgelebt. Wobei das im Vergleich zu anderen Schlössern noch sehr mild ist. Umso beeindruckender ist dafür die große Eingangshalle aus Marmor mit all ihren Statuen, Bodenverzierungen und einem überdimensionierten Atlas, der unsere Mutter Erde auf den Schultern trägt.

Menschenmenge vor einem historischen Gebäude bei Sonnenschein, mit Flaggen verschiedener Länder.
Schlichte Royalität
Eine monumentale Skulptur, die einen männlichen Akt zeigt, der einen globusartigen Planeten über seinem Kopf hält, umgeben von weiteren figürlichen Darstellungen, die in einem prunkvollen, marmornen Innenraum angeordnet sind.
Ein ganz normaler Eingangsflur

Es ist mittlerweile Nachmittag. Über die De Oude Kerk und natürlich ein paar Grachten möchte ich mich auf dem Weg zum Hafen machen. Der Weg führt mich dann durch das weltberühmte Rotlichtviertel Amsterdams. Am Sonntag um 15 Uhr hält sich der Betrieb allerdings in Grenzen. Dafür findet man sie. Den Albtraum aller Menschen. Betrunkene deutsche Junggesellenabschiede. Ich kann jetzt wirklich verstehen, warum jeder in Europa die Deutschen hasst. Diese Herren tun gerade auf jeden Fall sehr viel für unser Ansehen in Europa.

Blick auf eine historische Kirche mit markanter Fassade und hohen Türmen, umgeben von Bäumen und einer belebten Straße.
Der letzte Platz beim ESC war definitiv verdient

Bevor ich es dann aber zum Hafen schaffe, setze ich mich unter ein paar Bäume und genieße die Ruhe Amsterdams.

Schwarz-weißes Bild eines Parks mit großen Bäumen und einer Wiese. Eine Gruppe von Menschen sitzt im Gras am Ufer eines Gewässers.
Ruhe

Über eine Brücke durch den Hafen erreiche ich dann den Hauptbahnhof und bin am Ende meiner Reise.

Ein idyllischer Kanal mit Booten und grünen Bäumen entlang der Ufer, im Hintergrund ein Windmühlen-Silhouette und moderne Gebäude.
Die Windmühle durfte natürlich nicht fehlen
Blick auf einen Stadtfluss mit modernen Gebäuden und Bäumen am Ufer unter einem blauen Himmel.
Maritime Schönheiten

Das Klientel, das einen Zug an einem Sonntagabend von Amsterdam nach Deutschland nimmt, könnte natürlich besser sein. Und während ich im Zug noch eine Videokonferenz wegen einer wichtigen Präsentation habe, öffnet mein Nachbar nicht das letzte Dosenbier des Tages. Er hat Zeit, denn unser Zug hat knapp eine Stunde Verspätung. Aber das Kurioseste passiert kurz bevor ich es dann endlich nach Frankfurt geschafft habe. Nach dem Frankfurter Flughafen steht der Zug im Nirgendwo und eine Durchsage kommt auch nicht. Nach einer Stunde kommt die Erlösung. Wir hatten uns verfahren, machen uns aber gleich auf den Weg nach Frankfurt. Ja, wir hatten uns verfahren. Du liest richtig. Der Zug hat sich verfahren. Das habe ich vorher auch noch nie erlebt. Aber mit 2 Stunden Verspätung erreiche ich total übermüdet mein Bett.

Am Ende des Tages sind aber auch drei Stunden Schlaf nicht schlimm. Denn wenn mich Vincent und Amsterdam eins gelehrt haben, dann dass man alle Momente des Glücks und der Zufriedenheit, so kurz sie auch sein mögen, genießen soll. Das Positive und Bunte muss immer im Vordergrund stehen. Verdränge das Negative und fokussiere dich voll und ganz auf dein Glück!

Die Reise erfolgte im Mai 2022

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3 Antworten zu „Vincent van Gogh und das Idyll Amsterdams“

  1. Avatar von Gisela Benseler

    Ich hab’s wieder bei mir angezeigt.

    Gefällt 1 Person

  2. Avatar von Dresden Entdecken: Barock, Kunst und Wiederaufbau – Sehnsuchtsbummler

    […] Ausnahmen brennen dafür umso heftiger. Das Inferno meiner Leidenschaft für van Gogh lässt sich kaum in Worte fassen. Aber für die Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts brennt wenig in mir. Dresden ist allerdings […]

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