Galway ist viel kleiner als Dublin. Galway ist aber auch wesentlich jünger, moderner und offener als Dublin. Als Studierendenstadt ist es zur Kultur- und Partymetropole Irlands geworden. Für Ersteres war sie 2020 sogar eine der Kulturhauptstädte Europas. Die Stadt strahlt eine einzigartige Leichtigkeit aus und ist für junge Menschen ein absolutes Muss in Irland. Es ist keine klassische Touristenstadt wie viele andere irische Städte. Galway ist ein Symbol für die jugendliche Freiheit und Leichtigkeit und macht ehrlich gesagt einfach Spaß. Man läuft morgens durch die Straßen und bekommt direkt gute Laune. Die Stadt ist einzigartig und macht Lust auf ein Wiedersehen.

Galways Hedonismus
Wusstet ihr, dass es die beste Take-Away-Pizza Europas in Galway gibt? Jetzt wisst ihr es. Das ist übrigens nicht meine Meinung, sondern ein offizieller Preis, den die „The Dough Bros“ erhalten haben. Da ich bis jetzt noch nicht Italien war und dort keine Pizza gegessen habe, kann ich mit bestem Gewissen sagen, dass es die beste Pizza war, die ich jemals gegessen habe. Wir mussten zwar ein bisschen anstehen. Aber das war es definitiv wert!

Wer das dynamische Partyleben Galways so richtig genießen will, der muss in die High Street oder in die Quay Street. Ganz wichtig ist hier, sich auf gar keinen Fall in einen Pub reinzusetzen, sondern sich einen Platz im Außenbereich zu suchen. Wenn man Glück hat, ist die eine Reisebegleitung so penetrant darin, den Kellner zu nerven, dass er noch irgendwie draußen einen freien Platz organisieren kann. Dass die Iren superfreundlich sind, muss ich nicht mehr extra erwähnen. Und wenn Du Pluspunkte bei den Iren sammeln willst, einfach über die Engländer lästern. Eine Pubempfehlung habe ich natürlich auch: das Quay in der Quay Street. Und grüß mir James, wenn du da bist! Und eine Hotelempfehlung mitsamt Hotelpub gibt’s noch gratis dazu: das Skeffington Arms.

Anyway here’s wonderwall
Die Iren lieben Musik und fast noch mehr lieben sie Straßenmusik. Die Grafton Street in Dublin ist eine der weltweit bekanntesten Straßen für Straßenmusik. Aber unsere Kulturhauptstadt des Jahres ist, was Straßenmusik angeht, das Sahnehäubchen. Die Stadt hat international einen phänomenalen Ruf, dem sie auch gerecht wird. Wir hören immer Musik. Und während wir Deutschen bei Straßenmusik meist an semi-talentierte Künstler oder irgendwelche komischen Menschen auf der Zeil denken, so ist die Straßenmusik in Irland eine komplett andere Welt. Alle Künstler sind extrem gut und professionell in dem, was sie da tun. Es hört sich wirklich immer gut an und macht immer Spaß. So wie die ganze Stadt jünger und moderner ist, so ist auch die Musik moderner. Gerade in den Abendstunden kommt absolute Partystimmung auf. Es ist immer wieder faszinierend, wie Iren und allgemein Briten zu „Mr. Brightside“ von den Killers abgehen. Eine Sache ist für den Besuch in Galway aber unabdingbar: fundierte Oasis-Textkenntnisse. Aber seien wir mal ehrlich, wer den Text zu „Wonderwall“ nicht kann und noch dazu die Zeit seines Lebens hatte, hat sein Leben nicht wirklich gelebt.
Galways Versatilität
Galway kann aber nicht nur Party. Galway hat auch viele kleine schöne Ecken. Die Mündung des Corrib in den großen weiten Atlantik ist nur unweit des großen Trubels und eine der schönsten Ecken Galways. Die vielen kleinen Boote und die kleinen bunten Häuser sind eine Idylle, die ich fast nicht für möglich gehalten hätte. Aber das macht die Stadt gleich nochmal liebenswerter.



Und selbst die Stromkästen sind hier einfach schön!

Mein persönliches Highlight in Galway ist Mutton Island. Die kleine Insel ist ca. 500 Meter vom Festland entfernt, aber eigentlich keine richtige Insel mehr, da sie per Pier mit der Stadt verbunden ist. Ich liebe Sonnenuntergänge. Das habe ich hier schon ein paar Mal erwähnt, aber es ist einfach wahr. Es gibt nichts Schöneres als einen Sonnenuntergang. Aber der Sonnenuntergang kann noch so schön sein, perfekt wird er erst dann, wenn du ihn mit den richtigen Menschen erlebst. Und so saßen wir drei da auf ein paar Steinen und sahen uns den schönsten Sonnenuntergang an, den ich jemals gesehen habe.
Galways Philosophie
Was hat denn jetzt eigentlich Philosophie mit dem Reisen zu tun? Sehr viel! Denn Philosophie ist dem Namen nach die Liebe zur Weisheit. Und wenn es eine Sache gibt, die Reisen produziert, dann ist das definitiv Weisheit. Denn wie hat mein ach so geschätzter Alexander von Humboldt einst so schön gesagt: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“. Wer die Welt gesehen hat, der kann sie auch verstehen. Ob das Zitat jetzt wirklich von Humboldt kommt, ist nicht ganz sicher. Aber das sind Fragen, mit denen sich unser Bundespräsident beschäftigt und nicht ich. Denn die Botschaft hinter der Aussage ist das, was zählt.
Der Vorteil an Galway ist, dass es viele kleine, schöne und ruhige Ecken gibt. So kann man sich perfekt in der Dämmerung an die Galway Docks setzen und seine Beine und Seele einfach baumeln lassen. Also setzen wir uns zu zweit an die Klippe und genießen einfach mal den Moment. Nach stressigen Wochen zuvor tut es einfach gut, mal zu entspannen. Ich genieße die Stille, bis plötzlich der folgende Satz fällt: „Ich weiß nicht, wann ich dich das letzte mal so lächeln sehen habe.“. Das Ganze hier macht mich einfach glücklich. Ja, es ist manchmal anstrengend, aber das ist es wert. Denn meine und die Philosophie Galways ist einfach: Hedonismus. Wenn es dich glücklich macht, dann ist es das Richtige für dich, egal wie sinnvoll das andere finden mögen. Glück ist die Antwort auf die große Frage nach the life, the universe and everything. Das klingt zu einfach und an sich ist die Theorie auch einfach. Praktisch sieht die Welt aber leider wieder anders aus. Aber wer sich seines Glückes bewusst ist und es gefunden hat, der hat den ersten Schritt zur Erfüllung geleistet.

Die Reise erfolgte im September 2021

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