
Die Menschen
Die Iren sind das freundlichste Volk auf diesem Planeten. Punkt. Mehr muss ich nicht über diese Menschen sagen. Sie sind immer freundlich und hilfsbereit. Verstehen tue ich sie allerdings nicht immer. Um den irischen Akzent zu verstehen, müssen Reisende entweder oft in Irland gewesen sein oder viel Guinness intus haben. Idealerweise natürlich beides. Wir müssen die Iren trotzdem einfach lieben. Der Taxifahrer am Dubliner Flughafen bestätigt dies auch schon wieder in den ersten Minuten. Wenn er von seiner großen Familie erzählt und davon, was sie immer unternehmen, damit die ganze Familie zusammen ist, ist das einfach süß. Aber zur Wahrheit gehören auch andere Seiten dazu. Die immer stärker steigenden Preise führen bei der schwachen wirtschaftlichen Lage zu immer größeren sozialen Problemen. Aber auch wenn er erzählt, dass er seltener mit seiner Frau zu zweit essen gehen kann, weil es so teuer wird, so ist der liebe Paddy trotzdem noch optimistisch und lebensfroh. Die Iren sind bewundernswert.

Guinness und die Irish Pubs
Woher kommt eigentlich der Begriff Pub? Erspar dir das googeln, dafür bin ich da. Der Begriff Pub kommt von „Public House“. „Public“ beschreibt es ganz gut, denn es gibt nichts, was die irische Bevölkerung besser beschreibt als ein Pub. Und nein damit will ich nicht sagen, dass alle Iren Alkoholiker sind. Naja vielleicht schon manchmal, aber auch nur ein kleines bisschen. Die irische Freundlichkeit ist omnipräsent, aber in einem Pub mögen dich alle gleich nochmal mehr. Und auch die Liebe zur Musik wird hier ganz groß zelebriert. Wer Irland erleben will, der muss in einen Pub.
Das Altsachsenhausen Dublins ist das sagenumwobene Temple Bar Viertel. Allerdings steht da nicht der beste Pub Dublins. Der steht nördlich des Liffey. Der beste Pub Dublins ist das Celt in der Talbot Street. Freundliche Menschen vor und hinter der Theke, schönes und echt-irisches Ambiente und wunderbare traditionelle Livemusik sind die Markenzeichen des Celts. Es gibt nichts Schöneres, als im Pub mit seinen Freunden zu sitzen, mit einem guten Pint in der Hand und „Dirty old town“ im Hintergrund. Das Bier, der Cider und der Whiskey sind natürlich auch fantastisch. Und für die weiblichen Reisenden sei gesagt, dass sie sich hier besonders sicher fühlen können und von den Angestellten immer ein extra wachsames Auge auf sie geworfen wird.
Kommen wir nun zum legendären Temple Bar Viertel. Ja, Temple Bar ist der bekannteste Pub Irlands. Es ist daher auch der touristischste Pub Irlands und wahrscheinlich der teuerste. Während der Saison finden sich kaum Dubliner dort und dafür ganz viele Touristen. Wer also die richtige irische Erfahrung haben will, sollte Temple Bar vermeiden. Aber natürlich gehört ein Abend im Tempel Bar Viertel zu einem Urlaub in Dublin dazu. Es gibt aber ein paar Dinge, die zu beachten sind: Es sind viele junge Iren auf den Straßen, die „to fond of a pint“ sind. Das berühmte irische Glück wird durch die Aussage „Scherben bringen Glück“ ins Unendliche potenziert und es ist sehr voll und laut. Wer einen gemütlichen Pub Abend haben will, sollte daher doch lieber ins Celt gehen. Wer Action haben will, muss nach Temple Bar. Dort empfehle ich das Quays. Empfehlenswert ist es aber definitiv, wenn man hier mit Begleitung ist. Angst müssen Reisende in Irland aber nie haben. Die Garda ist immer in der Nähe und auch wenn Iren betrunken sind, sind sie immer noch freundlich, nur vielleicht etwas anstrengender. Und Baby Guinness schmeckt in Gesellschaft ohnehin besser! Für etwas poppigere und rockigere und weniger traditionelle Livemusik ist auf den Straßen gesorgt.

Und dann gibt es noch eine Sache, die alle Touristen machen. Sie besuchen Guinness Storehouse. Da Guinness so sehr zu Irland gehört, haben Touristen das zwanghafte Bedürfnis, dort einzukehren. Ehrlicherweise können Reisende ihre Zeit in Dublin besser investieren. Das Museum über die Guinness Geschichte ist für die meisten Menschen ohnehin uninteressant. Touristen können zwar mit dem Ticket in die Gravity Bar und haben einen schönen Ausblick auf Dublin und bekommen sogar ein Pint dazu, aber es ist nach Temple Bar der 2. touristischste Ort Irlands. Für 22 Euro würde ich lieber in einem kleinen Pub mehr als ein Guinness trinken und so Irland besser genießen. Außer ihr seid absolute Bier Nerds und ihr interessiert euch für die Geschichte des Guinness‘, dann rentiert sich der Besuch des Storehouse.
Das Wichtigste kommt zum Schluss: Egal wie legendär ein Pub ist, es wird erst legendär, wenn du mit den Menschen, die dir am Herzen liegen, dort bist. Und wie eine weise Dame einst so schön über Dublin sagte: „Dublin is the best place for the best memories“.
Whatever you do in this life, it’s not legendary unless your friends are there to see it.
Barney Stinson

Sine Metu
Sollte dir Whiskey nicht gefallen, kannst du den Absatz überspringen. Wobei nein, eigentlich nicht. Denn wir kommen jetzt zum Highlight von Dublin – die Bow Street.
Hier steht die ehemalige Jameson Distillery. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert. In einer 40-Minuten-Führung erfahren wir alles Wichtige über Jameson und Whiskey allgemein. Das klingt vielleicht langweilig, aber das ist es definitiv nicht. Unsere Tourguide hat das unfassbar witzig gemacht und sie war definitiv die freundlichste Irin, die ich jemals erlebt habe! Achso und ganz wichtig man verkostet auch 4 Whiskeys. Und im Preis (25 €) ist sogar noch ein Jameson Getränk an der JJ’s Bar im Anschluss an die Verkostung inklusive. Ach, was würde ich jetzt für einen guten Jameson Ginger Ale tun… Ich schweife ab. Wieder zur Bar. Neben Jameson Ginger Ale gibt es auch Irish Coffee. Glücklicherweise hat eine meiner Reisebegleitungen seine Passion darin gefunden, jeder Person zu erzählen, wie der Drink „angeblich“ entstanden ist. Der Legende nach ist der Drink an einem irischen Provinzflughafen entstanden, damit die Passagiere, deren Flugzeuge für den Weiterflug nach Übersee aufgetankt wurden, eine Beschäftigung hatten. Und so ist der legendäre Irish Coffee entstanden. Alles in allem ist die Bow Street von ganzem Herzen empfehlenswert. Wer mit den richtigen Menschen da ist, wird den Besuch nie wieder vergessen.
Das Motto von Jameson lautet übrigens „sine metu“ also ohne Furcht. Falls ihr euch das Motto in Dublin tätowieren wollt, so wie meine Reisecompagnons, dann ist Pins n Needles zu empfehlen. Fürs Protokoll sei erwähnt, dass – entgegen manchen Behauptungen – meine Routenführung dorthin exzellent war!



Die zweitschönste Bibliothek der Welt
I have always imagined that Paradise will be a kind of library.
Jorge Luis Borges
Mehr kann ich zum Long Room im Trinity College nicht sagen. Ich liebe Bibliotheken und finde sie geradezu paradiesisch. Daher lasse ich diese Schönheit einfach unkommentiert und lasse die Schönheit auf mich und euch wirken.




Eine Sache muss ich als Nerd loswerden: Die Bibliothek diente als Vorlage zur Bibliothek im Jeditempel in Star Wars.
Zwischen Lego, Elefanten und Büchern
Wie bereits erwähnt: Ich liebe Bibliotheken. Von dieser Bibliothek habe ich aber noch nie etwas gehört. Es ist ein wundervoller Zufall, dass wir sie gefunden haben. Wir laufen an St. Patrick’s Cathedral vorbei und wollen zum Trinity College. Dank meiner (grandiosen) Routenführung laufen wir durch eine kleinere Seitenstraße. Da sehen wir einen Aufsteller mit einem Elefantenbild. Da eine von uns großer Dumbo-Fan ist, halten wir kurz an und sehen uns den Aufsteller an. Wir merken schnell, dass es eine alte Bibliothek ist. Ich werde gefragt, ob ich da reinwolle, da ich Bibliotheken doch ganz cool fände. Welch Untertreibung! Darüber muss ich nicht zweimal nachdenken. Die Bibliothek ist eher klein, dafür sehr historisch mit einem wundervollen Charme. Warum da jetzt überall Elefanten stehen, wurde zwar erklärt, aber das habe ich mittlerweile wieder vergessen. Dafür weiß ich, dass 12 kleine Legofiguren in der Bibliothek versteckt sind und wir wie kleine Kinder absolut übermotiviert enthusiastisch diese Figuren gesucht haben.




Ein großes Lob sei an der Stelle auch mal an die Mitarbeitenden gerichtet. Sie waren unfassbar freundlich und hatten vollkommene Leidenschaft für den Ort und haben jede Frage perfekt beantwortet.
Sehnsucht pur – der Greystone Cliff Walk
Wofür ist Irland bekannt? Whiskey, Guinness, Kobolde oder doch Dublin? Alles falsch, Irland heißt nicht umsonst die Grüne Insel. Irland hat die schönste Natur Europas. Selbst wenn Du nur für einen Städtetrip in Dublin ist, solltest Du die Stadt verlassen und die irische Natur genießen, erleben und vor allem eins: fühlen. Denn wie hat der große Genius Alexander von Humboldt einst so schön an Goethe geschrieben: „Die Natur muß gefühlt werden, wer nur sieht und abstrahirt, kann ein Menschenalter, im Lebensgedränge der glühenden Tropenwelt, Pflanzen und Thiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben glauben, ihr selbst aber ewig fremd sein.“ Es ist daher egal, wie ich diesen Teil der Reise beschreibe. Das Einzige, was zählt, ist, was ich gefühlt habe, und was du jetzt beim Lesen fühlst. Und wer weiß, vielleicht wirst du es auch irgendwann mal hautnah erfühlen.
In knapp 40 Minuten sind wir mit der Bahn von Dublin aus in Bray. Bray hat einen wunderschönen Strand, wo die Iren im Sommer auch wirklich schön im Atlantik baden können. Sie sind zum Glück nicht ganz so temperaturempfindlich. Temperaturempfindlichere Menschen können sich an die Strandpromenade setzen und einen Cocktail genießen. Oder man macht es so wie ich und läuft den Strand einmal ab, um dann vor dem Beginn des Greystone Cliff Walks zu stehen. Da die Bahn auf der Strecke von Bray nach Dublin auch am Fußballstadion hält und heute Irland ein Heimspiel hat, habe ich leider etwas weniger Zeit als erhofft. Aber alles besser, als in einer überfüllten Bahn voller irischer Fußballfans zu sitzen. Aber so sei es.


Schon auf den ersten Metern versiegt das Grau und der Himmel klärt auf. Das strahlende Grün lässt die Freude aufblühen. Der Blick auf den Atlantik wird immer besser und ich kann immer mehr in die Ferne sehen. Die Sehnsucht wird größer.

Parallel zum Cliff Walk verläuft der DART, der Zug, der von Dublin über Bray bis nach Greystones fährt. Zur Linken die Weiten des Atlantiks, umgeben von Grün, und zur Rechten die steilen Klippen Irlands. Es ist eine der schönsten Bahnstrecken. Ich bin fast traurig, dass ich sie nicht weitergefahren bin, bis ich realisiere, dass ich parallel dazu laufe und so eine viel schönere Aussicht habe und den Ort besser genießen kann.
Mit jedem Schritt, den ich mehr laufe, habe ich das Gefühl, dass es perfekt wird. Ich denke immer wieder, das ist der perfekte Ort. Hier ist die Aussicht perfekt. Ich mache kurz ein Foto. Und nach der nächsten Kurve dann das gleiche Spiel wieder von vorne und immer so weiter. Aber genau das ist das Schöne am Reisen. Ich erkenne immer wieder aufs Neue das Schöne in der Welt.
Ich weiß gar nicht, was ich schöner finden soll. Die Aussicht in die große, weite blaue Ferne oder die steilen grünen Hänge, wenn ich nach oben schaue. Es ist in Worte kaum auszudrücken, wie weit es nach oben geht. Ich fühle mich geradezu himmlisch bei dem Blick nach oben.
Obwohl es so schön ist, vergeht die Zeit nicht wie im Flug. Ich habe endlich mal etwas Zeit, um durchzuatmen und in mich zu gehen. Ich kann ganz in Ruhe einfach ich sein und mich frei fühlen. Apropos oben. Nach einer Weile finde ich eine alte Hausruine mitsamt Treppen bzw. kleinem Weg nach oben. Und so sind es vielleicht nur 10 Höhenmeter, die ich nach oben laufe, aber von hier oben ist die Aussicht gleich noch schöner. Das ferne Grün der Hänge ist auf einmal so nah und erlebbar. Ich kann es auf einmal anfassen und nicht nur vom Weg aus betrachten. Ich hätte stundenlang hier oben stehen können. Mit dem Wind entsteht die ultimative Symbiose aus dem Gefühl der Freiheit und der Sehnsucht nach noch mehr Freiheit. Aber ich fühle dort oben besonders eins: unfassbares Glück und eine innere Zufriedenheit, die ich lange nicht mehr gespürt habe.






So schön es auch ist, so muss ich leider doch wieder zurück zu den anderen. Ach, wenn sie doch nur wüssten, wie schön es hier oben ist… Ich weiß nicht wie, aber kaum bin ich am Weg wieder angekommen, da fühlt sich der Ozean gleich noch schöner, blauer und strahlender an.
Der Rückweg ist die identische Strecke wie der Hinweg. Durch die andere Perspektive und die neuen Erfahrungen fühlt er sich anders an. Es ist unfassbar komisch zu beschreiben, denn an sich ist es der gleiche Weg.



Und so endet die kurze Exkursion in die Freiheit.
Die Reise erfolgte im September 2021

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