Essen Hauptbahnhof – die erste Überraschung der Reise. Ich habe natürlich mit meinem Heimatbahnhof, dem Frankfurter Hauptbahnhof, nicht gerade die größte ästhetische Schönheit als Referenz, aber ein Hauptbahnhof kann tatsächlich schön sein. Die unterirdischen Bahnsteige der Straßenbahn sind unglaublich schön gestaltet. Es wird mit vielen bunten Lichtern gespielt und wo es nur geht, wird auf den traditionsreichen Bergbau verwiesen. Der erste Eindruck ist eine sehr positive Überraschung. Auch die längere Straßenbahnfahrt durch die Essener Innenstadt ist eine positive Überraschung. Die Stadt ist doch recht ansehnlich. Vielleicht keine Perle der Schönheit, aber das muss ja auch nicht jede Stadt sein.
Ich habe das große Glück, dass das Wetter heute traumhaft ist. Und so lächelt mich die große UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein bei strahlendem Sonnenschein direkt an.

Das Areal ist groß und außerordentlich schön. Das ganze Grün verdeckt ein bisschen den Industriecharakter des Geländes und sorgt für perfekte Harmonie. Das Industriedenkmal ist außerordentlich modern gestaltet und auch sehr informativ. Im Ruhr-Museum lerne ich, wie wenig ich doch über den Bergbau und das Ruhrgebiet weiß. Diese „Epoche“ der deutschen Geschichte gehört zwar mittlerweile komplett der Vergangenheit an, aber es ist doch irgendwie traurig, dass ich darüber sehr wenig weiß. Ohne persönlichen Bezug aber auch relativ schwer.

Danach geht es weiter über das weitläufige Areal. Je weiter ich mich vom Eingang entferne, umso stärker kommt der Industriecharakter durch. Der Charme der Industrialisierung wird immer deutlicher. Die Anlagen der Technik werden immer imposanter und die Überreste der Industrialisierung werden immer mehr als Überreste deutlich.


Es ist insgesamt ein sehr schön aufbereitetes und informatives Gelände. Und vor allem ist es mittlerweile nicht mehr dreckig und verstaubt. Der schlechte Ruf des Ruhrgebiets verblasst.
Die Zeche Zollverein liegt im höchsten Norden der Stadt, das nächste Ziel im tiefsten Süden der Stadt. Wo Kohle ist, da ist auch Kohle. Die harte Arbeit der Bergleute hat viel Profit gebracht und so eine Familiendynastie geschaffen, die als eine der reichsten und einflussreichsten Familien in die deutsche Geschichte eingeht. Es ist die sagenumwobene Familie Krupp. Die hat ihre Villa im Essener Südwald errichtet. Die S-Bahn hält direkt vor dem Außengelände der Villa Hügel. Kleiner historischer Fun Fact am Rande: Diese Haltestelle wurde von der Familie persönlich bezahlt und gebaut, damit sie ihre Gäste besser empfangen konnten und sie nicht auf die deutsche Bürokratie warten wollten. Ich bin ja mal gespannt, wann Elon Musk in Grünheide einfach mal einen Bahnhof baut… Aber nun zurück zu den Krupps.

Deren Villa ist besonders eins – imposant. Die Innenarchitektur lebt von einer lebhaften und kunstvollen Holzarchitektur. Es ist wirklich eine schöne Villa und nicht unbedingt übertrieben luxuriös. Natürlich ist es eine Villa, aber Gold und Marmor lassen sich nirgends finden. Die Holzoptik sorgt für eine fast naturvolle Atmosphäre.

Auch die Umgebung der Villa ist sehr natürlich. Sie ist umgeben von vielen Bäumen, Blumen und Wiesen. Es ist irgendwie ironisch, dass der Familiensitz der Industrialisierungsfamilie ganz natürlich und grün ist. Aber ich finde es hier ehrlicherweise auch viel schöner.
Der kleine Wald hat einen unfassbaren Charme. Man fühlt sich fast so, als sei man im Schwarzwald. Man kann einfach den Gedanken freien Lauf lassen und abschalten. Beim Sehnsuchtsbummeln durch den Wald vergesse ich glatt, dass ich im Herzstück der Industrialisierung stehe.

Beim Rückweg erkenne ich dann auch, warum die Villa Hügel so heißt. Sie steht auf einem kleinen grünen Hügel. Bei dem Anblick muss ich instinktiv an den Grünen Hügel in Bayreuth denken. Die beiden Hügel sind sich nämlich sehr viel ähnlicher, als man glauben mag.

Ein weiterer Vorteil des Hügels ist, dass ich eine fantastische Aussicht auf die Ruhr habe. Es ist ein unglaublich schöner Anblick. Es ist vielleicht nicht so schön wie das Mittelrheintal, aber es ist trotzdem ein traumhafter Fluss. Und so geht der Weg vom Hügel nach unten an das Ufer. Es ist kein langer Weg. Die Aussicht dabei verschönert aber jeden kurzen Meter. Unten angekommen, kann ich dann bei strahlendem Sonnenschein einfach am Fluss spazieren und etwas sehnsuchtsbummeln. Ich hätte nie gedacht, dass ich das Ruhrgebiet so schön natürlich finden würde.

Und dann geht es für mich auch wieder zurück in die Essener Innenstadt. Es ist keine traumhaft schöne Stadt, aber welche Großstadt ist das auch schon. Ein paar Geschäfte, ein paar Restaurants und ein paar Kirchen und sonst nicht viel Besonderes. Und das Essener Münster ist für NRW-Verhältnisse noch relativ schlicht.

Ein kleines Highlight gibt es dann aber doch noch: die alte Synagoge in der Innenstadt. Diese ist nämlich erstaunlicherweise noch von außen vollständig erhalten. Das Innere ist auch sehr sehenswert. Denn dort wird über das jahrhundertealte jüdische Leben in Deutschland erzählt.


Die Reise erfolgte im März 2021

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