Coburg
Ein einsames Mufflon begrüßt mich. Es trottet durch einen kleinen Wald vor sich hin. Uns trennt nur ein Zaun. Nach und nach kommen mehr Tiere dazu. Etwas Damwild ist jetzt auch dabei. Der Wald grenzt an das Jagdschloss Callenberg. Das Schloss ist nicht groß und auch nicht wirklich besonders. Ein kleines Jagdschloss, so wie Dutzende in Deutschland. Das Besondere ist die Flagge des Schlosses. Sachsen-Coburg und Gotha. Jenes Adelsgeschlecht, was es bis an den belgischen Thron und durch die Hochzeit von Prince Albert und Königin Victoria auf den britischen Thron schaffte. Zumindest solange, bis es 1917 zum Haus Windsor wurde.



Etwas später stehen wir vor der nächsten Mauer. Die dicke Mauer der Veste Coburg begrüßt uns. Diese Mauern sind dicker. Wesentlich dicker. Es handelt sich hierbei auch um eine mittelalterliche Burg. Das ist kein kleines Jagdschloss mehr. Diese Burg war ein Zweckbau. Ein schöner Zweckbau aber! Auch wieder mit Bezügen zur großen Geschichte. So lebte Martin Luther einst in der Veste für ein halbes Jahr und hat in dieser Zeit Dutzende Werke verfasst und Teile des Alten Testaments übersetzt.



Wenig später und wir stehen am Schlossplatz in Coburg. Uns hält es nicht lange unten. Denn neben dem Schlossplatz ist ein kleiner Park, der etwas höher liegt. Die Treppenstufen nehmen wir gerne in Kauf. Dafür werden wir mit einer schönen Aussicht auf den Schlossplatz belohnt. Zur Linken thront Schloss Ehrenburg. Der Herrschaftssitz der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Königin Victorias Mann und seine Mutter sind dort groß geworden. Und auch die von mir so verehrte Königin Victoria besuchte öfters das Schloss. Zur Rechten thront das Landestheater und der Palais Edinburgh. Den schottischen Einfluss sehe ich nur nicht.


Weiter geht es in die Altstadt von Coburg, die sich auch auf keinen Fall verstecken muss. Es ist eine wunderschöne kleine, aber feine historische Altstadt. Sie gibt ein harmonisches und ruhiges Stadtbild ab. Sie wirkt fast schon etwas britisch. Aber vielleicht interpretiere ich da auch nur zu viel hinein und es ist nur Wunschdenken meinerseits.



Kronach
Es geht weiter für uns nach Mödlareuth. Zumindest solange, bis wir ein braunes Schild am Rande der Autobahn entdecken. Kronach steht dort drauf. Das Bild auf dem Schild überzeugt uns. Wir sind gut in der Zeit und lassen uns spontan inspirieren. Bei der Einfahrt in die Stadt merken wir, dass wir nicht enttäuscht werden. Es ist die richtige Entscheidung. Oben über der Stadt thront wieder eine Festung. Die Festung Rosenberg. Auch die ist eine schöne mittelalterliche Festung. Viel schöner ist der Ausblick von der Festung hinab auf den Ort und fränkische Weite.



Kronach selbst ist ein unfassbar schöner Ort. Kleine Gassen, viel Fachwerk, ein schöner Marktplatz und ganz viele alte Steinbauten, so wie die Kirche des Ortes. Und das Schönste ist, dass es nicht überlaufen ist. Trotz braunem Schild ist der Ort kein Tourismusmagnet. Einen Abstecher ist der Ort, der auch Geburtsort von Lukas Cranach dem Älteren ist, auf jeden Fall wert!


Mödlareuth (Tannbach)
Mit freudiger Verzögerung erreichen wir Mödlareuth. Ein kleines Dorf mit 50 Einwohnern am Rande Bayerns. Ehrlicherweise sogar fast am gefühlten Ende der Welt. Was verschlägt uns in diesen kleinen Ort? Viele Menschen kennen den Ort unter dem Namen Tannbach. Denn so lautet der Name eines ZDF-Dreiteilers*, der die Geschichte des Ortes widerspiegelt. Der kleine Ort liegt in zwei Bundesländern. Bayern und Thüringen. Getrennt wird Mödlareuth durch den Tannbach. Ein kleines Rinnsal, nicht viel breiter als mein Fuß. Was heute kein Problem mehr ist, war vor 60 Jahren ein sehr großes. Damals war der Tannbach nicht nur Grenze zwischen Bayern und Thüringen, sondern zwischen BRD und DDR. Zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus. Zwischen Freiheit und Unrechtsstaat. Das Konzept der innerdeutschen Teilung ist schon absurd genug, besonders für mich mit Jahrgang 2000. Aber umso absurder ist es, wenn man sich dieses kleine Rinnsal ansieht. Mittlerweile ist Mödlareuth wieder zusammengewachsen. Die Felder sind bundesdeutsche Felder und die Bäume bundesdeutsche Bäume. Keine Westfelder und Ostbäume mehr. Mödlareuth ist ein kleines Dorf mit großer Geschichte. Ein Besuch des Ortes sollte verpflichtend sein, denn in diesem Ort wird die Absurdität der innerdeutschen Teilung so sichtbar wie nirgendwo anders.






Wir verlassen den Ort und fahren nach Hof (Saale), wo wir übernachten. Morgen setzen wir unsere Reise durch Oberfranken in Bayreuth fort.

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Die Reise erfolgte im September 2020
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