Die Sonne strahlt am tiefblauen Himmel. Keine Wolke stört das Bild, nur ein paar Möwen fliegen durch die Luft. Der Schweiß läuft mir den Rücken hinunter. Es ist fast windstill und jeder Schritt wird anstrengender. Ein paar Höhenmeter werden zu einer Tortur. Schatten ist keiner in Sicht und meine Kappe verfärbt sich ins Dunkelgraue. Trotz der Anstrengungen lächle ich. Das kleine Dorf strahlt grün. Die Natur ist wie ein Paradies. Am Wegesrand stehen ein paar Steinbrocken. Ein paar Steinbrocken, die um die zweitausend Jahre alt sind. Natur trifft Geschichte und davon gibt es hier beides im Überfluss. Die Häuser sind weiß, die Gehwege eng und schief. Alles wirkt kleiner: die Straßen, die Autos und die Häuser. Kabel baumeln an den Häusern herab. Das ganze Dorf strotzt nur so vor Mittelmeerambiente. Ich lächle weiter und quäle mich durch die morgendliche Hitze.


Ich bin auf Lipari, der größten der Liparischen Inseln. Die Liparischen Inseln sind eine Gruppe von Vulkaninseln kurz vor der Küste Siziliens. Unser Ziel: ein Strand an der anderen Seite der Insel. Wir verlassen die mediterrane Kleinstadt und tauchen jetzt noch tiefer in die strahlende und blühende Landschaft der Insel ein. Ein paar Dörfer flankieren unseren Weg, doch die meiste Zeit verläuft der Weg durch das strahlende Grün. Verschönert wird die Landschaft durch bunte Zitronen und Orangen. Bienen summen friedlich um uns herum und unsere Nase erweitert sich beim wohltuenden Duft des blühenden Wegesrandes. Der Schweißgeruch weicht dem Duft der Blumen und die typisch sizilianischen Zitronenbäume spenden zumindest ein bisschen Schatten. Der Wegesrand bewegt sich in einer Tour. Neben Bienen flitzen noch zahlreiche Eidechsen umher. Sie genießen die heißen Steine und die unzähligen Verstecke.



Die letzten 200 Meter bis zum Strand geht es steil bergab. Der Weg wird zu einem kleinen Pfad, der mitten durch das Dickicht der Natur führt. Steil und schmal geht es für uns bergab. Begleitet von Farnen, Bäumen und anderen Pflanzen, die vor unserem Gesicht herumschwirren. Mit den Händen müssen wir uns teilweise unseren Weg freihalten. Ich liebe es! Ich fühle mich wie ein Abenteurer in der Neuen Welt und dabei bin ich doch nur in Italien. Der Weg ist anstrengend, doch mir graut es erst vor dem Rückweg. Die Strapazen lohnen sich. Die Aussicht auf die Steinklippen der Insel ist atemberaubend und auch das Abenteuergefühl überdeckt jeden Schmerz und jeden salzigen Schweißtropfen. Und der Strand erst! Das Wasser ist glasklar und so angenehm. Eine perfekte Abkühlung für die brodelnde Hitze am Himmel. Das Meer reinigt unsere Haut von den Flüssen aus Schweiß und bringt neue Kraft mit sich. Ich stehe bis zum Kopf im Wasser und kann trotzdem meine Füße sehen. Ein Traum! Und dann ist er auch noch menschenleer. Wir bleiben lange hier und genießen jede Sekunde. Wir haben schließlich Urlaub!




Die Wanderung zum Hotel zieht sich und ist noch anstrengender. Die Temperaturen sind jenseits der dreißig Grad und der UV-Index am Maximum. Zum Glück warten eine kalte Dusche und ein Pool auf uns.
Den Abend lassen wir typisch italienisch mit Pizza ausklingen. Was für ein Genuss! In der Innenstadt Liparis ist es laut. Italienisch schallt lautstark durch die Gassen. Italiener sind nun einmal kein ruhiges Völkchen. Was auffällig ist, ist, dass es zwar viele Touristen gibt, die aber nahezu alle aus Italien kommen. Wir hören ganz wenig Englisch oder gar Deutsch. So fühlt sich Urlaub an!
Buongiorno, heute ist unser zweiter Tag auf Lipari. Am heutigen Nachmittag führt uns unsere Rundreise zum sagenumwobenen Stromboli. Der Grund, warum wir überhaupt hier sind. Denn ich liebe Vulkane und ich will unbedingt echte Lava sehen. Ich freue mich schon drauf! Den Vormittag haben wir aber noch zur freien Verfügung. Wir liegen wieder am Strand bei glasklarem Wasser. Diesmal ohne Wanderung.

Im Hotel angekommen, klingelt das Telefon. Die Rezeption ruft uns aufgeregt an. Unsere Reiseleiterin hat uns gesucht. Wir waren heute Morgen nicht am Treffpunkt. Die Verwirrung steht mir ins Gesicht geschrieben. Ich verstehe die Welt nicht mehr und das liegt nicht am schlechten Englisch der Italiener. Nach einem kurzen und heftigen Hin-und-Her kommt Klarheit auf. Das Programm wurde vom Reiseleiter verschoben, wir wurden nur nicht informiert. Warum auch? Während wir am Strand lagen, gab es für den Rest der Gruppe einen Stadtrundgang. Jetzt steht eine Rundfahrt über die kleine Insel an. Das Hotel fährt uns netterweise zum Hafen, wo die Busrundfahrt beginnt. Dort können wir in den Bus einsteigen. Natürlich sind nur die Plätze in der letzten Reihe noch frei und so gibt es einen Gang der Schande mit Dutzenden vorwurfsvollen und verächtlichen Blicken. Wenn die doch nur wüssten, dass wir einfach nicht informiert wurden. Ich hasse es, zu spät zu kommen. Erst recht, wenn ich unschuldig bin und nichts dafür kann. Und ich hasse diesen Moment. Am Platz angekommen endet der Gang der Schande und die Inselrundfahrt kann beginnen. Tief durchatmen und die Insel genießen. Das nächste Mal reise ich einfach wieder alleine und verzichte auf inkompetente Reiseveranstalter. Ich lasse mir nicht dieses Naturparadies durch die Unfähigkeit anderer zerstören, schwöre ich mir. Ein paar tiefe Atemzüge später und ich hänge an der Scheibe und kann das Naturparadies genießen. Diese Insel ist nicht ohne Grund UNESCO-Naturwelterbe. Die Insel ist nicht sehr groß und so steht schnell der erste Halt an. Die Aussicht ist atemberaubend und lässt jeden Ärger im strahlend blauen Ozean versinken.

Die Insel ist wirklich nicht groß und so folgt nach 5 Minuten schon der nächste Stopp. Diesmal mit Blick auf Salina, die zweitgrößte Insel der Liparischen Inseln.

Mit der Gefahr der Wiederholung im Hinterkopf schreibe ich erneut: Die Insel ist nicht groß. Keine zehn Minuten später und wir sind an der Nordseite der Insel angekommen. Der letzte Halt unserer Inseltour. Ein Gleichnis aus Weiß und Türkis begrüßt uns. Das Meer funkelt türkisblau und die Steine sind weiß geprägt vom Bimssteinbruch. Neben Vulkanen gibt es hier noch zahlreiche andere Highlights für Geologen. Während meine Freundin fasziniert auf das Meer schaut, blicke ich fasziniert ein paar weiße Steine an. Wenn ich mir überlege, über wie viele Tausende von Jahren diese Steinlandschaft entstanden ist, übermannt mich ein Gefühl der Begeisterung. Ich liebe die Natur. In jeder ihrer Facetten und jede einzelne Facette, von Tieren über Pflanzen bis hin zu Steinen, fasziniert mich. Ein wahrlich paradiesischer Ort für mich. Meine Vulkanliebe muss ich zwar auf morgen vertrösten, aber auch dieser Anblick erfüllt mein Herz.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Stadtrundgang. Den haben wir schließlich noch nachzuholen. Die Gassen sind eng und bunt. Der Duft einer Vespa liegt in der Luft. Italienisch ist im Hintergrund lautstark zu hören. Auf den Gassen fahren und laufen nur Italiener und zwei deutsche Reisende. Das letzte Mal so wenig ausländische Touristen habe ich in Weißrussland erlebt. Ich liebe es! Trotz enger Gassen sind sie trotzdem bepflanzt und bunt. Die italienische Lebensfreude spüre ich in jedem Pflasterstein.

Den Beginn unseres Spaziergangs durch die Altstadt, wobei Altdorf passender wäre, macht ein kleiner Hafen. Möwen bevölkern die Plätze, während die Italiener überall sitzen, reden und telefonieren. Die italienischen Telefone und die Möwen sind im energischen Sängerkampf, wer am lautesten sein kann. Auch dieser kleine Hafen strotzt nur so vor mediterranem Ambiente.



Das große Highlight der Stadt ist das Kastell aus dem 16. Jahrhundert. Gebaut ist es nicht nur auf den Ruinen der Römer, sondern die ersten Bauten reichen zurück bis in die Steinzeit. Heute finden sich hier noch ein paar umgefallene Steine aus der Vergangenheit, alte Kastellmauern und ein Amphitheater. Mein Geschichtsherz darf jetzt auch glücklich sein. Die Krönung bildet die Kathedrale San Bartolomeo mit einem wunderschönen Deckenfresko. Angeblich soll hier sogar für viele Jahre der Heilige Apostel Bartholomäus gelegen haben. Ob das stimmt, kann wohl nur der Papst oder Gott sagen. Schön und historisch ist der Ort allemal.





Wir schlendern noch etwas durch die kleine Stadt, ehe wir uns zum Essen niederlassen. Es gibt Pizza. Was auch sonst.
Die Reise erfolgte im Juni 2025

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