Der Vorteil am Jetlag ist, dass ich früh aufstehe. Der viel größere Vorteil ist, dass unser Hotel Richtung Osten ausgerichtet ist. So werde ich durch einen wundervollen Sonnenaufgang begrüßt.

Am Frühstückstisch wird schnell wieder das Motto von gestern Abend deutlich. Ressourcen sind unbegrenzt. Es gibt Plastikbesteck, das in Einwegplastik eingepackt ist. Das Frühstück heute Morgen hat schon mehr Plastik produziert als ich im gesamten letzten Monat. Diese Plastikverschwendung und Müllansammlung widert mich an. Aber so ist Amerika. Und jetzt gerade führt für mich kein Weg daran vorbei.
Wir verlassen das Hotel und werden von einer Duftwolke erschlagen. Es gibt nicht einen Fleck auf der Straße, der nicht nach Marihuana riecht. Und das Ganze um kurz nach 9 Uhr am Morgen. Zum Glück sind es bis zur U-Bahn nur einige Meter.
Während in Frankfurt eine unterirdische U-Bahn-Fahrt nicht mehr als 15 Minuten dauert, haben wir in New York in der Zeit 3 Stationen geschafft. Die gigantischen Dimensionen dieser Stadt sind unvorstellbar. Noch unvorstellbarer wird es, wenn wir aus der U-Bahn aussteigen. In der Downtown Manhattans fühle ich mich als Mensch winzig. Beim Blick nach oben sehe ich einen Wolkenkratzer nach dem anderen. In den USA sagt man ganz gerne, the sky is the limit. Das Blöde ist nur, dass der Himmel durch die ganzen Bauwerke verdeckt ist.

Der Grund, warum wir gerade hier anfangen, ist ganz einfach. Wir wollen hoch hinaus. Hier im Süden Manhattans steht das höchste Gebäude der Stadt. Es geht um kein geringeres Gebäude als das One World Trade Center. 541,3 Meter Höhe, 104 Etagen oder 3,8 Milliarden US-Dollar Baukosten zeigen: Ressourcen sind unbegrenzt.

Viel schöner, als von unten auf Gebäude zu schauen, ist es, von oben auf die anderen Gebäude zu schauen. So gibt es auf ca. 400 Metern Höhe eine wunderbare Panorama-Etage. Die Fahrstuhlfahrt nach oben dauert ca. 1 Minute. Allein für die Fahrt ist die Reise es wert. Die Geschwindigkeit des Aufzuges ist atemberaubend. Und parallel gibt es dazu eine Zeitrafferprojektion auf den Bildschirmen im Fahrstuhl. Es ist ein Erlebnis für alle Sinne. Das Schönste ist am Ende aber natürlich nicht der Aufzug, sondern die Aussicht. Die ist atemberaubend. Von hier oben wird die enorme Dimension der Stadt einerseits zwar komplett deutlich, andererseits wirkt von hier oben alles so klein und winzig.



Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das trifft für diesen Ort leider auch zu. Denn wo jetzt das blühende Leben Amerika stattfindet, fand eine der größten Tragödien der amerikanischen Geschichte statt. Vor 21 Jahren hat hier die islamistische Terrororganisation al-Qaida der freiheitlichen demokratischen Welt den Krieg erklärt. 2977 unschuldige Menschen haben am 11. September 2001 ihr Leben verloren. 2977 ist nicht nur eine Zahl. Es sind 2977 Schicksale, Geschichten und Menschen, die geliebt wurden. Wie geht man mit so einer Tragödie um? Ich glaube, eine richtige Antwort kann man auf diese Frage nicht geben. Ich denke, dass das 9/11 Memorial am Ground Zero den richtigen Weg geht. Das Museum schafft es, das Unvorstellbare vorstellbar zu machen, besonders für jemanden, der damals 1 Jahr alt war und keine Erinnerungen an jenen elften September besitzt. Die imposantesten Räume sind die, die an die Helferinnen und Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei erinnern. Diese Heldinnen und Helden haben unter Lebensgefahr Menschenleben gerettet und sich den größten Respekt verdient, den ein Mensch bekommen kann. Unter den Opfern sind 343 Feuerwehrmänner und 23 Polizisten, die beim Versuch, zu helfen, ihr Leben verloren. Ihre Namen werden in New York nie mehr in Vergessenheit geraten.

Come on up, lay your hands in mine
Come on up for the rising
Come on up for the rising tonight
Es fühlt sich fast falsch an, jetzt weiterzumachen. Aber wie hat es George W. Bush einst so passend formuliert: Now, the American people have got to go about their business. We cannot let the terrorists achieve the objective of frightening our nation to the point where we don’t conduct business, where people don’t shop.
Wofür ist New York wohl am meisten bekannt? Ist es der Times Square, die Hochhäuser oder ist es doch die Freiheitsstatue? Ich kann es nicht beantworten. Was ich aber weiß, ist, dass die Freiheitsstatue winzig ist und es wenig Sinn macht, nach Liberty Island zu fahren, nur um dann eine Genickstarre zu bekommen. Wir fahren nach Staten Island. Die Fähre fährt direkt an der Freiheitsstatue vorbei, mitsamt fantastischem Ausblick auf die Statue. Und das Beste ist, dass die Fähre gratis ist. Die Wartezeit auf die Fähre nutzen wir sinnvoll mit Essen vom typischen Hot-Dog-Wagen oder Donuts. Staten Island hat außer einem Shopping Center und einer schönen Aussicht nicht viel zu bieten. Es geht schnell für uns wieder zurück. Vorbei natürlich auch dieses Mal wieder am UNESCO-Welterbe der Lady Liberty.




Guiding like a lighthouse
It’s a place where you’ll be safe to feel our grace
Cause we’ve all made mistakes
If you’ve lost your way
New York liegt direkt am Atlantik. Das bedeutet, dass es im November einen sehr kalten Küstenwind gibt. In der Stadt merken wir die 0 Grad nicht. Je mehr wir uns dem Wasser nähern, umso mehr spüren wir die eiskalten Winde des Atlantiks. So fühlt sich Freiheit an. Leider strapaziert die Freiheit meine Lippen. Als angehender Apotheker wollte ich sowieso schon immer in eine amerikanische pharmacy. Jetzt will ich das nicht mehr. Es ist halb Drogerie und halb Supermarkt. Und ein ganz klein bisschen Apotheke. Medikamente werden zum Nebenprodukt und zur Trivialität. Die Tatsache, dass die kleinen Pillen Leben retten können und wirklich wichtig sind, kommt hier nicht zur Geltung. Und auch die Tatsache, dass man mit den kleinen Pillen viel Schaden anrichten kann, bleibt unerwähnt. Ich bin sehr stolz darauf, wie unser Apothekenwesen aufgebaut ist. Mein Lippenbalsam finde ich trotzdem. Das und eine TAUSEND! Stück Packung Ibuprofen. Ja, es sind nur 200 mg Tabletten und keine 400 mg, aber trotzdem muss man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. TAUSEND Tabletten. Wofür brauch ich denn bitte tausend Ibuprofentabletten. Ich hatte in der Apotheke zumindest noch niemanden, der 1000 Tabletten bei mir bestellt hat. Aber es gibt Gründe, warum in den USA mehr Menschen an Schmerzmittelüberdosen sterben als an Schusswaffen. Das ist einer der vielen Gründe.
Die Reise geht weiter zur berühmtesten Straße in ganz New York. Seit dem Wolf of Wall Street* ist die Straße der feuchte Traum mancher junger Männer. Bei aller Kritik an der Wall Street darf man aber auch nie vergessen, dass sie einer der Gründe ist, warum New York heute so ist, wie es ist. Daher auch mal ein kleines Danke an alle Banker der Welt.

Es geht weiter Richtung Osten. Die Nachmittagssonne schwindet langsam und die goldene Stunde bricht über New York herein. Die ganze Stadt erstrahlt im güldenen Schimmer. Der East River wird zu einem Fluss aus purem Gold.

Wir folgen der Sonne Richtung Brooklyn Bridge. Wobei wir bei den Lichtverhältnissen auch von der Golden Gate Bridge sprechen könnten. Das Problem der Brücke ist, dass alle Menschen ihr Selfie auf der Brooklyn Bridge haben wollen. Und am Anfang der Brücke gibt es noch mobile Verkaufsstände. Kurz und knapp. Die Brücke ist komplett überfüllt. Nach hundert oder zweihundert Metern ist der Ansturm vorbei. Die meisten wollen nur ihr Selfie. Auf der Mitte der 1,8 Kilometer langen Brücke sind wir fast alleine. Das ist perfekt, denn die Aussicht in der goldenen Stunde ist traumhaft schön. Hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich Sonnenuntergänge liebe?
Die wunderbare Aussicht hat einen hohen Preis. Auf der Brücke über dem East River sind wir dem eiskalten Wind schonungslos ausgesetzt. Aber der Anblick auf die wärmenden Strahlen der Sonne ist den Preis wert.




Am anderen Ufer in Brooklyn werden wir noch mehr belohnt. Eine wunderschöne Aussicht auf die New Yorker Skyline im magischen Licht des frühen Abends. Womit habe ich das alles verdient?


Während der Rest meiner Gefährten sich auf einer Bank niederlässt, eile ich an die Spitze der Plattform und starre auf die Weiten des Meeres. Ich versinke in meinen Traumwelten und genieße die Schönheit dieses Naturzaubers.



So ein schöner Sonnenuntergang macht natürlich auch hungrig. Wir wollen schön amerikanisch essen. Es geht nach China Town. Denn asiatisches Essen ist fast so amerikanisch wie der Hamburger von gestern. Man sollte nur meinen, dass in einem Land, wo 20 Prozent Trinkgeld obligatorisch sind, die Kellner nett zu einem sind. Aber wie konnte ich das auch nur erwarten?

Gestärkt geht es weiter nach Italien. Mein großes Sehnsuchtsland ist momentan weihnachtliches Winterwunderland und kein Sonnenparadies. Ob man in Italien auch so kitschig Weihnachten feiert? Aber trotz Lichterflut fühlt sich mein kleines Italien gleich wunderschön warm in meinem Herzen an.


Zu Fuß geht es in das Herz der Stadt. Wobei ich mich wirklich fragen kann, ob diese Stadt, wirklich ein Zentrum hat. Auf dem Weg ins Zentrum haben wir einen wunderschönen Blick auf das schönste Gebäude der Welt. Das Empire State Building strahlt mich an. Für mich ist es das Empi. Ich sehe es und muss an meine absolute Lieblingsserie (HIMYM*) denken. Ich sehe es und ich weiß, dass alles schon werden wird. Ich sehe es und weiß, dass ich meinen Weg schon gehen werde.

Den Abschied des Tages verbringen wir in bester amerikanischer Tradition in einem Shopping Center. Das Macy’s ist weltbekannt und wahrscheinlich auch so groß wie die Welt.
Die Reise erfolgte im November 2022

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