Calm turquoise sea with rocky shore in the foreground and low mountains under a cloudy sky
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Geschichten, die das Leben schreibt – Interrail Tag 8 und 9

Geschrieben vom

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Tag 8 – Split

Die Nacht in einem richtigen Bett war wieder ein wunderschönes Erlebnis, selbst wenn ich heute Nacht wieder mit Mücken kämpfen musste. Die verfolgen mich diesen Monat. Aber dafür gibt es Pancakes am Morgen. Am Vormittag widme ich mich einer meiner Lieblingsaktivitäten: Bewerbungen schreiben. Geplant war das ja eigentlich anders. Nach der Arbeit kommt das Vergnügen und ich kann mich wirklich meinem Herzensprojekt – dem Schreiben – widmen.

Pakostane

Nach dem Mittagessen geht es nach Pakostane. Ein kleiner Ort mitten an der kroatischen Adria und Ziel von Dutzenden Urlauben meines besten Freundes. Als alter Nostalgiker möchte er nochmal dorthin. Da schließe ich mich gerne an. Unser bester Freund ist noch mit dabei und so machen wir zu dritt die Welt unsicher.

Der Weg nach Pakostane geht durch die eigenschöne Landschaft Kroatiens. Im Auto läuft Countrymusik und ich fühle mich inmitten der Winnetou-Landschaft.

Bevor es in den Ort Pakostane geht, geht es für uns in das abgelegene Fledermaus-Hotel. Ein wirkliches Hotel ist es nicht. Es ist ein Abstellplatz für Camper und andere Autos, die auf Reisen sind. Aber Reisende können dort sehr gut essen und trinken Der Wein ist sehr zu empfehlen! Zu Wein und Essen bekommen wir Grappa geschenkt. Vor diesem werden wir zeitgleich vom Besitzer gewarnt. Gerade der Kirsch-Grappa schmeckt süß und auf gar keinen Fall nach 40 % Alkohol. Grappa ist immer ein gefährliches Spiel. Und meistens enden Tage, bei denen es Grappa gibt, anders als ursprünglich geplant. Das Fledermaus-Hotel ist übrigens in deutscher Leitung.

Rusty old car covered with plants parked next to a stone wall with a wooden sign reading 'Fledermaus Hotel'
Urlaub Tag II

Das Schönste an diesem Ort ist – neben der Gesellschaft natürlich – der Ausblick auf den Vrana See. Dieser ist elysisch! Obwohl es Oktober ist, erfrischen wir unsere Füße im See.

Calm turquoise sea with rocky shore in the foreground and low mountains under a cloudy sky
Wer hat hier seinen Stuhl vergessen?

Da der Platz von Deutschen betrieben wird, gibt es natürlich einen Platz zum Boulespielen. Während wir uns anfangs noch darüber lustig gemacht haben, dass wir ja noch keine Rentner seien, enden wir wenig später in einem heftigen Boule-Wettkampf.

Outdoor pétanque court with metal balls scattered on sandy surface surrounded by trees and buildings
Ein Herz für Almans

Wir sind übrigens nicht ganz alleine im Fledermaus-Hotel. Deutsche Touristen beherrschen den Ort. Während anfangs unser Angebot, mitzuspielen, mit großem Lachen abgelehnt wurde, bekommen wir wenig später eine neue Mitspielerin. Und so treffen wir auf Anja, die gerade frisch Ärztin geworden ist und jetzt einen letzten Urlaub mit ihrer Mutter unternimmt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Wir spielen Boule, reden, essen und trinken fleißig und vergessen die Zeit. Die Warnung vor Kirschgrappa wird hier nur noch pro forma wiederholt.

Sunset colors reflecting over a calm lake with dark hills in the background
Wer muss schon nach Pakosatne, wenn man das hier sehen kann

Und während die Zeit vergeht und es dunkel wird, wird uns allen klar, dass wir nicht gedacht hätten, dass der Tag so endet, aber er besser endet als gedacht. Und während die Dunkelheit aufzieht, werden die ersten Teelichter angemacht. Anjas Mutter hatte die letzten Tage eine grandiose Idee, um Geld zu sparen. Grabkerzen sind viel günstiger als die meisten Kerzen und halten ewig. Und auf dem Deckel der Grabkerze kann man sogar noch die Reste des Schinkens anbraten. Und während wir bei Mondschein die ersten Fledermäuse sehen und so schöne Momente erleben, die man gar nicht festhalten kann, wird die Stimmung nur durch den Duft von verbranntem Speck und Autan getrübt. Denn bei dieser Mückenplage ist Autan* unser neues Deo geworden.

Mountain lake at twilight with cloudy sky reflected in calm water
Die schönsten Geschichten sind die, die das Leben schreibt und nicht man selbst

Tag 9 – Split

Es gibt keine Nacht auf dieser Reise, in der ich nicht von Mücken tyrannisiert werde. Trotz der Mücken habe ich bis jetzt eine wundervolle Zeit. Nur selbst wenn ich meine Freunde noch so sehr liebe, so sind es mir momentan doch ein paar Menschen zu viel auf einem Haufen. Ich freue mich schon darauf, wenn ich wieder alleine reise. Allzu verwunderlich sind diese Gefühle nicht, da ich sie bereits von unserer Irlandreise 2021 kenne. Da waren mir teilweise schon zwei weitere Menschen zwei zu viel.

Nach dem Frühstück plane ich, wie es für mich weitergeht. Italien ist dann doch wirklich etwas teurer als Rumänien. Für das, wofür ich in Rom ein Bett im 12-Bett-Zimmer bekomme, bekomme ich in Bukarest ein eigenes Zimmer. Aber ich halte an meinem neuen Plan fest!

Während ich in der Sonne liege und die nächste Zeit plane, merke ich, wie leid ich es bin, Dinge zu planen, aber wie schön Sicherheit doch auch ist. Städtetrips und so Kurzreisen wie England am Anfang des Jahres nur so grob geplant zu haben, funktioniert super, aber eine Monatsreise spontan und ungeplant zu machen, ist zu viel für mich. Ich habe geplante Reisen immer verteufelt, aber der Komfort erscheint jetzt verführerisch. Man muss nicht immer alles bis ins letzte Detail planen, aber zu wissen, wo ich in 2 Tagen schlafe, sollte schon drin sein. Aber ich lerne noch für meine nächsten Reisen. Spontanität ja, aber auch ein gesichertes Bett muss drin sein!

Beim Planen fällt mir auf, dass ich am Montag gar nicht nach Italien fahren kann. Die Fähre fährt heute oder Dienstag. Die Zeit des Urlaubs endet heute. Ich fahre noch heute Abend nach Italien.

Aber Italien hat so viel und ich so wenig Zeit, wie soll das nur was werden? Und eigentlich war das einzig feste Ziel Admont in der Steiermark. Denn dieser Ort steht seit Jahren auf meiner Liste und das aus ganz besonderen und wichtigen Gründen. Schauen wir mal, wann ich wo lande. Bei dieser Reise weiß ich das leider (oder zum Glück) noch nicht.

Und dann heißt es, Abschied von meinen Freunden zu nehmen. Und ich verweise wieder auf mein Lieblingszitat von Tag 0.

It’s time to say goodbye, but I think goodbyes are sad and I’d much rather say hello. Hello to a new adventure.

Ernie Harwell

Im Zug zur Fähre realisiere ich erst, was das für ein Abschied war. Nicht nur ein Lebewohl zu Freunden und Kommilitonen, sondern auch ein Abschied von meiner Unizeit. Das Studentenleben ist vorbei. Meine besten Freunde, die ich zum Teil öfter als meine Familie gesehen habe, werde ich nur noch unregelmäßig sehen und egal, wie viel Mühe wir uns geben, manche Bände – egal, wie stark sie scheinen – zerbrechen an der Zeit, dem Wandel und der Distanz. Aber in der Melancholie kommt mir die Konversation aus Galway mit meinem besten Freund wieder in den Sinn: „Max, ich bin mir sicher, du wirst deinen Weg gehen und du wirst zufrieden sein.“

In Split wird der bittersüße Abschied durch einen traumschönen Sonnenuntergang perfekt gemacht. Ich habe schon viele schöne gesehen, dieser wird mir aber lange in Erinnerung bleiben.

Sunset over water with boat moored on right and distant shoreline
„Kurz ist der Abschied für die lange Freundschaft.“ – Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orleans*

Der Fährhafen ist zum Glück touristensicherer als die irischen Fähren und so lande ich auf der richtigen Fähre. Die ist fast leer und ich liege auf einer Reihe von Stühlen. Bequem ist es nicht, aber die Zeit der Einzelzimmer und großen Betten endet jetzt wieder. Pünktlich um 19 Uhr legt das Schiff ab. Keine Viertelstunde später schlafe ich auf wunderbarem Hartplastik, während der Schimmer des Mondes die nächtliche See erhellt und meine Träume bewacht.

Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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