Die Vögel zwitschern. Das Gras ist grün und duftet nach dem letzten Regenschauer. Es ist Frühling. Am späten Vormittag steige ich aus dem Zug und betrete eine der schönsten Städte Belgiens. Ich bin wieder beim kleinen – viel zu oft unterschätzten – Nachbarn unterwegs. Vor mir liegt das saftige Grün des Minnewaterparks.

Über die Minnewaterbrücke überquere ich einen kleinen Kanal und blicke auf das Wasser und eine Kirche. Brügge ist erstaunlich nah am Wasser gebaut und das, obwohl wir uns im Inland Belgiens befinden.

Mein erstes Ziel ist der Beginenhof, der wie jener in Leuven zum UNESCO-Welterbe Belgiens gehört. Der Hof in Brügge ist grüner und offener als jener in Leuven, aber nicht weniger schön. Leuven war gemütlicher. Brügge ist stärker in der Wirkung. Ich interessiere mich heute aber mehr für die kleine Dohle, die durch die Blumen im Innenhof der Anlage schleicht.


Im Anschluss beginnt mein Spaziergang durch die Stadt. Ich laufe ohne Plan durch die Stadt. Ich lasse mich ganz bewusst treiben. Ich schaue mal da, biege hier mal ab und setze mich dort auf die Bank. Ich schlendere von Park zu Park. Von kleiner Kirche zu kleiner Kirche. Durch kleine Gassen bis hin zu großen Windmühlen. Die meiste Zeit treffe ich dabei Wasser. Ständig treffe ich auf einen Kanal. Es ist nicht so wie in Venedig, allerdings auch öfter, als ich erwartet habe. Brügge ist ein Traum zum ziellosen schönen Schlendern.







Die nächste Parallele zu meinem geliebten Venedig entdecke ich in der Kirche St. Walburga. Venedig bleibt für mich immer mit dem Heiligen Gral verbunden. Und hier in Belgien finde ich ihn!


Nach dem intensiven und schönen Seiten-Geplänkel widme ich mich nun dem Zentrum Brügges. Jener historische Stadtkern, der einen UNESCO-Welterbe-Titel zur Folge hatte. Am Groten Markt befand sich der Markt. Heute ist der Ort die Ansammlung für die Waterhalle, den Belfried, die Stadthalle, das Rathaus, das Postamt, den Provinciaalhof und eine ganz, ganz besondere Basilika. Während der Rest noch gotisch-mittelalterlicher Standard für Belgien ist. So schöne gotische Städte produziert das wunderschöne Belgien schließlich wie am Fließband. So ist die Basilika besonders. Auch der Belfried oder das Rathaus sind zwar umwerfend schön, aber trotzdem typisch belgisch. Die Basilika ist leicht zu übersehen, aber der finale Beweis, warum Brügge das belgische Venedig ist. Die Basilika ist von außen zu vernachlässigen, aber die Schlange bis nach draußen zeigt die Bedeutung ihrer inneren Werte. Jene Basilika beherbergt eine der heiligsten Reliquien des Christentums. Die kleine Kirche beherbergt die Heilige-Blut-Reliquie. Hier in Brügge in einer kleinen Basilika liegt das Blut Jesu. Das Blut Jesu. Jesus Christus. Ja, dieser Jesus. Sein Blut liegt hier. Sein Blut, was im Heiligen Gral aufgefangen wurde, liegt hier in Brügge. Heerscharen katholischer Pilger besuchen diese Kirche. Gläubige aus aller Welt beten hier. Diese Basilika ist mehr als nur eine Basilika. Sie ist ein symbolischer Dom des Christentums und meiner Gralssuche.





Die eigentliche Kathedrale der Stadt ist zwar größer, doch geht sie nach diesem Eindruck vollkommen unter. Mittlerweile regnet es. Ich spaziere weiter an den belgisch-venezianischen Kanälen entlang und genieße trotz Regen diese wundervolle Stadt. Zum Abendessen gibt es standesgemäß belgische Pommes. Die müssen bei einer Reise nach Belgien einfach sein!


Die Reise erfolgte im März 2024

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