Riverfront with trees and buildings at the base of a green hill topped by a round structure
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Bologna und Verona – Interrail Tag 12

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Bologna

Sollen sie doch Kuchen essen! Schlemmen muss heute sein. Schließlich heißt Bologna nicht ohne Grund auch „la grassa“, zu deutsch „die Fette“. Die italienische Küche wird heute ausgekostet. Gestärkt geht es für mich in die Altstadt.

Bologna ist für seine Arkadenbogen-Architektur zum UNESCO-Welterbe ernannt worden. Einen Mangel an Bögen kann ich auf den ersten Metern auch nicht feststellen.

A person walking through a long covered walkway with arches and columns, graffiti on the left wall
Rundungen in schwarz-weiß

Die Bögen führen mich ohne Umwege zur Piazza Maggiore. Dort finden sich das Rathaus der Stadt, eine riesige gotische Kirche, zahlreiche historische Gebäude und der Neptunbrunnen. Ganz wichtig ist die Gruppe von Straßenmusikern, die mit feinsten Saxophon- und Tubaklängen die Musik meines Lieblingshelden* über den Platz verteilen.

Historic brick building with clock tower in a public square with people walking
Das fette Rathaus
People walking in a historic Italian city square with medieval buildings
Warum steht bei La Grassa eigentlich Neptun und nicht Bacchus?

Die Basilica San Petronio ist ein monumentales und imposantes Gebäude. So ist sie äußerlich nicht nur wahnsinnig groß, sondern innerlich auch riesig und atemberaubend. Die Kirche wird nicht ohne Grund vom Militär bewacht.

Facade of Basilica di San Petronio with tourists in front
Alles nur Fassade?
Baroque-style church interior with ornate altar, statues, and painted dome ceiling
Natürlich nicht!

Wofür ist Bologna bekannt? Wahre Nerds wissen das natürlich. Bologna ist die Heimat der ältesten Universität Europas. Fast eintausend Jahre ist die Universität alt. Ich liebe alte Universitäten. Jede gute Universität hat eine schöne Bibliothek. Bücher sind der Weg zur Freiheit und Freiheit ist der Weg zum Glück. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, dass neben der Bibliothek der historische Anatomiehörsaal ist. Der geschichtsinteressierte Pharmazeut in mir ist vollkommen begeistert. Glück und Freiheit wollte ich auf dieser Reise finden und hier finde ich beides.

Interior of a historic wooden panelled room with carved statues, a white harpsichord, and visitors observing displays
Für’s Protokoll sei mal erwähnt, dass ich das Fach „Anatomie und Physiologie“ im Studium mit 1,0 bestanden habe
Interior of Sala Rusconi library with rows of wooden bookshelves filled with books and decorated walls featuring framed artworks and inscriptions
Warum war der Campus Riedberg nur so langweilig?

Natürlich gibt es in Bologna auch mehr Kirchen als Bücher. Ich sehe nicht alle, aber an den wichtigsten Kirchen führt mein Weg vorbei. Geleitet werde ich von den Arkaden. Die berühmten 2 Türme der Stadt (mitsamt Kirche natürlich) liegen auch noch auf meinem Weg.

Arched corridor with yellow walls and sunlight casting long shadows on the floor
Alles hat seine Ecken und Kanten – alles außer Bologna
Two tall medieval brick towers with a church tower in the background under a blue sky
Le due Torri: Garisenda e degli Asinelli

Und dann geht es für mich in das direkte Herz Bolognas – die Alma Mater Studiorum – Università di Bologna. Die Universität ist über die ganze Stadt verteilt. Nach knapp tausend Jahren ist dieser elitäre Ort jetzt eine Ansammlung grüner Kräuter, die noch mehr stinken als in Amsterdam und eine Ansammlung kubanischer Flaggen. Kaum hat das Land eine rechte Regierung, rufen die Studierenden hier die Revolution aus. So muss das sein. Ich will jetzt nicht über Politik reden. In eine Kampfrede bin ich trotzdem reingestolpert. Ich schleiche mich an den Kuba-Flaggen vorbei und mache mich heimlich auf den Weg zu den historischen Gängen der Universität und spüre die Weisheit von 1000 Jahren akademischer Bildung. Das und den Duft von Cannabis.

Street with arched colonnades, European Union flag, and people walking and biking
Ein hoch auf die freien Künste

Der Pharmazeut in mir möchte zur pharmazeutischen Fakultät. Ein Haufen Totenköpfe begrüßt mich. Die Pharmazie teilt sich das Haus mit der Anatomie. Das hat auch was als Eingangsdekoration. Weiter oben im Haus befindet sich die anatomische Sammlung, wo mit Wachsfiguren alles dargestellt ist, was man sich anatomisch vorstellen kann. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Ist sicher nichts für schwache Nerven, aber für mich genau das Richtige und Interessante.

Statue in front of historic brick building with arched windows surrounded by trees and palm plants
Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage*

Mein Weg führt mich noch durch den botanischen Garten der Universität, ehe ich mich im Zug in die nächste Stadt mache. Glück und Freiheit habe ich in Bologna gefunden. Aber finde ich jetzt noch die Liebe?

Verona

Verona. Das bedeutet Oper oder Romeo & Julia*. Viel mehr verbinde ich mit dieser Stadt gar nicht. Aber brauche ich eigentlich noch unbedingt mehr? Oder langt das nicht?

Der Bahnhof von Verona liegt etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Im Zug haben sich meine Schultern ohne Rucksack so frei und leicht angefühlt. Das ist jetzt wieder zu Ende. So schön diese Reise auch ist, so anstrengend ist sie auch.

Den Anfang der Stadt macht die Piazza Bra. Groß und weiträumig. Italienisch und Herz der Stadt. Das andere Herz steht direkt daneben. Das antike römische Amphitheater ist noch fast komplett erhalten und so noch heute das kulturelle Zentrum der Stadt. Die Opernaufführungen in Verona sind weltbekannt und der Grund, warum Verona ein Tourismus-Hotspot in Italien ist. Und auch ich werde eines Tages wieder zurück nach Verona fahren, um dieses kulturelle Meisterwerk genießen zu können.

Piazza with colorful historic buildings and outdoor dining under yellow awnings
„Love’s a mighty Lord, // And hath so humbled me, as I confesse // There is no woe to his correction, // Nor to his Seruice, no such ioy on earth.“ – William Shakespeare, The Two gentleman of Verona
Ancient Roman amphitheatre with multiple stone arches and visitors walking outside
„Home-keeping youth have ever homely wits.“ – William Shakespeare, The Two gentleman of Verona

In Verona befindet sich der berühmteste Balkon der Literaturgeschichte. Hier spielt das bekannteste Liebesdrama der Literaturgeschichte*. In Verona haben sich einst Romeo und Julia gefunden und ineinander verliebt. Der berühmte Balkon der Julia ist komplett voll. Meine Julia finde ich trotzdem nicht.

Historic brick building with small balcony and arched windows
„It was the Nightingale, and not the Larke“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Das Interessanteste an der norditalienischen Stadt ist aber, dass sie fast nur aus Touristen besteht und ich stellenweise mehr Deutsch als Italienisch höre. Das finde ich sehr bedauerlich, so ist Italienisch doch eine so wundervolle Sprache. Trotz der nordischen Einflüsse ist die Pasta köstlich. Wer nach Italien fährt, der findet die Liebe (zum Essen).

Balconies on old European-style buildings with weathered facades
„What light through yonder window breaks?“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Neben der Pasta darf die Kirche nicht vernachlässigt werden. So hat Verona davon auch einen Überschuss. Mittlerweile habe ich mich fast an die Imposanz der italienischen Kirchen gewöhnt. Das ist surreal, denn wie kann ein Mensch sich an das Atemberaubende gewöhnen? Ich hoffe, die Flamme wird in den nächsten Tagen noch einmal neu entfacht, sonst wäre es schade. Ich möchte schließlich so viele schöne Momente erleben wie nur möglich. Aber rentiert hat sich die Reise jetzt schon tausendfach.

Verona hat mehr als Liebe, Oper und Kirche. So fließt auch die Etsch durch das kleine norditalienische Städtchen und verfeinert das Stadtbild. Viel schöner als der Fluss ist die Aussicht auf das, was hinter dem Fluss in sehnsüchtiger Ferne liegt.

Riverfront with trees and buildings at the base of a green hill topped by a round structure
„Holy Saint Francis, what a change is here! Is Rosaline, whom thou didst love so dear, So soon forsaken? Young men’s love then lies – Not truly in their hearts, but in their eyes.“ – William Shakespeare, Romeo and Juleit

Beim Gang durch die Gassen Veronas liegt der schöne Duft der italienischen Küche in der Luft. Ich bin zwar nicht mit den größten Kochkünsten gesegnet, aber bei diesem aromatischen Duft habe ich große Lust, meine Kochkünste zu verbessern und zu verfeinern.

Narrow street with tall buildings on both sides and sunlight shining from above
„But, soft! what light through yonder window breaks? It is the east, and Juliet is the sun!“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Den vorletzten Punkt der Reise bildet der Arco dei Gavi. Natürlich hat Verona auch einen Triumphbogen. Irgendwie ist es schade, dass wir das heutzutage nicht mehr machen.

Stone triumphal arch with Corinthian columns in a city park
„If love be rough with you, be rough with love; Prick love for pricking, and you beat love down.“ William Shakespeare, Romeo and Juliet

Den krönenden Abschluss bildet die kleine Burg Veronas mitsamt der schönen Ponte Scaligero. Im Licht der untergehenden Sonne glühen die roten Ziegel vor Temperament, Leidenschaft und Schönheit. Das rote Feuerwerk passt zur Stadt der Oper und Julias. Rot wie die Liebe – Rot wie Verona.

Historic stone bridge leading to an arched tower with sunset behind
„My only love sprung from my only hate! Too early seen unknown, and known too late!“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet
Two tall historic brick towers with sunlight shining between them at sunset
„Did my heart love till now? Forswear it, sight! For I ne’er saw true beauty till this night.“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet
Brick medieval bridge with crenellated towers and a castle by the river
„Too early seen unknown, and known too late!“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Da alle Hostels bereits ausgebucht waren, schlafe ich in einem Motel außerhalb der Stadt. Meine Füße tun zwar schon weh, aber mit einem schönen Sonnenuntergang vor Augen läuft sich die Stunde fast ganz von alleine. Und dafür habe ich heute Nacht ein Zimmer ganz für mich alleine.

Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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