Der Wecker klingelt heute keine Sekunde. Ich brauche keinen Wecker. Vorfreude ist die schönste Freude. Ich bin so glücklich, meinen Sehnsuchtsort endlich besuchen zu können. Die Sehnsucht brennt mit großer Flamme schon lange in meinem Herzen. Nachdem es am Sonntag nicht geklappt hat, wage ich heute einen neuen Versuch, nach Admont zu fahren – selbst wenn der Ort am Ende der Welt liegt.
Der Bahnhof ist am frühen Morgen menschenleer, einzig der wohlriechende Duft des Bäckers liegt in der Luft. Bis nach Linz fahre ich wieder in der gestern schätzen gelernten Westbahn. In Linz steige ich in eine winzige Bimmelbahn. Die frühe Zugfahrt belohnt mich mit einem Sonnenaufgang.
Neben der Sonne kommen die Berge des Landes hervor. Die vernebelten Berge sind ein wahres Schmankerl! Nach einer Weile, die sich in dieser Natur wie eine herrliche Ewigkeit anfühlt, erreiche ich Ardning. Ich bin in der Steiermark. Jetzt, wo ich die Natur nicht nur aus dem Zugfenster sehe, scheint die Zeit stillzustehen, so schön ist es hier. Der Ort ist – bis auf einige Kühe – komplett leergefegt. Ich kann kaum glauben, dass hier auch nur ein Tourist jemals seinen Fuß hingesetzt hat. Meine Odyssee wird ab hier mit dem Bus fortgesetzt, der Admonter Bahnhof wird nur am Wochenende befahren.

Es ist kurz nach elf, als ich in Admont ankomme. Admont ist ein kleines Dorf mitten in der Steiermark. Bekannt ist der Ort durch das Kloster, was aber mehr als nur „ein Kloster“ ist. Die Klosterkirche ist an sich nichts Besonderes, aber auch nicht unbedeutend.

Das Kloster Admont ist nicht nur ein Kloster, sondern ein normales Kloster mit der schönsten Bibliothek der Welt und einem Museumskomplex auf 4 Etagen. Bevor ich die Hallen meiner Sehnsucht betrete, erkunde ich das Museum. Ich möchte die leuchtend funkelnde Flamme der Vorfreude noch etwas länger am Leben halten. Wobei das Museum für moderne Kunst mich nicht wirklich abholt. Und die Formulierung „nicht wirklich“ ist noch schön ausgedrückt.

Viel mehr nimmt mich das Naturkundemuseum mit. Im Vergleich zum Wiener Naturkundemuseum wirkt das Admonter Museum etwas putzig. Schön und interessant ist es dennoch. Es zeigt auch, dass Naturwissenschaften und Klöster viel mehr gemeinsam haben, als man denkt. An der Stelle viele Grüße an den Begründer der Genetik und Brünner Priester Gregor Mendel.

Es gibt auch ein kirchenhistorisches Museum im Kloster und dort findet überraschenderweise meine venezianische Suche nach dem Heiligen Gral eine Fortsetzung. Aber bei so einem perfekten Tag mit Büchern und der Natur darf das Symbol der Sehnsucht natürlich nicht fehlen. Und wo, wenn nicht im Paradis auf Erden, kann ich sonst den Heiligen Gral finden?


Bei einem tausend Jahre alten Kloster und einer knapp 250 Jahre alten Bibliothek haben sich einige bedeutende historische, aber auch schöne Bücher angesammelt. Die schönsten Prachtstücke werden immer wechselnd ausgestellt. Die kleine Sonderausstellung ist ein fantastischer Anblick. Es liegt in dieser Bibliothek vielleicht kein „Book of Celts“ aber imposant ist diese Büchersammlung trotzdem. Es gab Zeiten, da lagen hier mehr Bücher als in der päpstlichen Bibliothek des Vatikans.

Bevor ich endlich in meinen Sehnsuchtsort eintreten kann, gibt es noch einen Ausstellungsraum über das Kloster an sich. Dieser Raum ist wirklich cool gemacht, da ich mithilfe einer Spiegel- und Lichtinstallation mitten ins Geschehen eintauchen kann.
Und dann betrete ich die Halle meiner Sehnsucht. Eine große schwere Tür geht auf und die Hallen strahlen mich an. Endlich bin ich hier! Meine Erwartungen waren hoch, aber dennoch zu niedrig für diese Schönheit. Ich bin im Paradis, im Elysium. Ein Traum ist wahr geworden. Ich spüre Ekstasen des Glücks und der Zufriedenheit. Ich kann mein Glück nicht in Worte fassen und auch die Schönheit der schönsten Bibliothek der Welt nicht. Zum Glück sagen Bilder mehr als tausend Worte.

Tochter aus Elisium,

Himmlische, dein Heiligthum.

Was die Mode streng getheilt,

Wo dein sanfter Flügel weilt.
Ich bleibe eine Ewigkeit im Paradis und staune vor mich hin. Besonders bekannt ist die Bibliothek für ihre Deckenfresken. Das Deckenfresko über die Naturwissenschaften hat mich seit Jahren in den Bann gezogen. Aber auch die anderen Fresken sind nicht nur schön, sondern auch interessant. Die ausgewählten Themen und Allegorien könnte ich stundenlang interpretieren. Oder man staunt einfach nur – so wie ich es jetzt tue. Wobei ich bei den Naturwissenschaften schon etwas länger hinschaue und mir Gedanken mache, warum und wie jetzt Chemie, Medizin oder mein Fach, die Pharmazie, so dargestellt werden, wie sie werden.






Bei strahlendem Sonnenschein und einem strahlenden Sehnsuchtsbummler verlasse ich Admont und die Steiermark. Die Steiermark ist ein echtes Schmankerl und hat einen ganz festen Platz in meinem Herzen.

Im Hostel angekommen ist mein australischer Zimmergenosse verwirrt, als ich ihm erzähle, dass ich fast 8 Stunden in Bus und Bahn verbracht habe, um eine Bibliothek zu sehen. Aber es ist nicht nur eine Bibliothek gewesen. Für mich ist es die schönste Bibliothek der Welt. Und die schöne Natur des Landes hat den Weg noch sehenswerter gemacht.
Die Reise erfolgte im Oktober 2022

Gefällt dir der Beitrag?
Dann unterstütze mich und meine Arbeit doch gerne in Form einer Kaffeespende. Ich würde mich wahnsinnig über deine Unterstützung freuen 🙂 Einfach hier klicken!
5,00 €
Bei den mit * gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Ihr über diesen Link das Produkt kauft, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten. Eine einfache Methode, um mich und meine Arbeit finanziell zu unterstützen. Danke 🙂




Gefällt dir der Beitrag? Dann kommentiere jetzt hier!