Rimini
Trotz Mehrbettzimmer konnte ich diese Nacht perfekt schlafen. Ob das an Italien oder doch an meinen Ohropax* liegt, muss noch abschließend geklärt werden. Meine Beine melden sich nach den ganzen Kilometern vom gestrigen Tag und sind spürbar schwer geworden. Aber Vorfreude und Reisefieber können Berge versetzen. Das ist auch nötig. Denn heute geht es in das vierte Land meiner Reise. In den bergigen Zwergstaat San Marino, mitten in den italienischen Weiten.
Beim Kauf der Bustickets in Rimini spüre ich wieder die italienische Mentalität. So wird bei meinem Ticketkauf alles getätigt, außer der Kauf der Tickets. Wann soll man denn auch sonst telefonieren?
San Marino
Heute Morgen breitet sich ein seichter Nieselregen über Rimini aus. Zum Glück sitze ich im Bus. Wobei diese Fahrt auch mehr als abenteuerlich ist. So ist in Italien ein Kreisverkehr per se zweispurig, egal wie klein er ist, und eine Vespa macht auch immer genau das, was sie gerade will. Und dann ist San Marino noch ein sehr bergiger Staat.
Oben angekommen kann ich mich darüber freuen, dass auf meiner Länderliste ein Kreuz mehr ist. Auf meiner Weltkarte zum Freirubbeln* macht San Marino keinen großen Unterschied aus. Groß ist übrigens auch nicht die Sichtweite. Es ist neblig. Aber Nebel und Zwerge gehören irgendwie auch zusammen.

Das historische Zentrum der ältesten Republik der Welt ist steil und verwinkelt. Es ist winzig. Natürlich ist die Republik San Marino mehr als nur San Marino Città, aber das Zentrum dieses Zwergstaates macht dem Namen alle Ehre. Im Zentrum steht die Basilika des Heiligen Marino. Nach ihm ist dieses Land benannt.

Der eigentliche Mittelpunkt San Marinos ist aber keine Kirche, sondern ein Netz aus kleinen Gassen. Sie laden zum Schlendern und Verlaufen ein. Zum Glück können Besucher sich im Zwergstaat nicht allzu sehr verlaufen.

Das Schöne an dem leichten morgendlichen Nebel ist, dass die mittelalterlichen Burganlagen der Stadt so viel mystischer und romantischer aussehen.


Die Burganlagen aus hellem Sandstein spielen in San Marino ein wunderbares Spiel mit der grünen Natur. So verdecken Bäume immer wieder die massiven Mauern der Stadt und ich finde selten etwas, was gar kein Grün in der Nähe hat.


Und dann endet meine Exkursion durch die kleinen Gassen San Marinos. Die wunderschöne Aussicht und die kleinen Gassen werde ich so schnell nicht vergessen.

Die Busfahrt zurück nach Rimini ist nicht weniger abenteuerlich als die Hinfahrt. Mit dem Zug geht es weiter nach Bologna. Eigentlich wollte ich nach Ravenna, aber laut meiner Interrail-App gibt es keinen Zug mehr nach Ravenna. Laut den Anzeigen am Bahnhof hält aber nahezu jeder Zug nach Bologna auch in Ravenna. Also kann ich zum Glück doch noch nach Ravenna. Manchmal ist eine Anzeigetafel besser als jede App.
Ravenna
Schon wenige Meter neben dem Bahnhof ist die erste Kirche der Stadt. Die erste Kirche von vielen. Ravenna war lange Bischofssitz und ist die Musterstadt für frühchristliche Kirchen, Taufkapellen und Bauwerke. Dafür ist es auch UNESCO-Welterbe. Neben der Kirche ist Ravenna aber auch noch anderweitig historisch bekannt. Hier residierten lange die weströmischen Kaiser. Odoaker und Theoderich sind die wichtigsten Bewohner der Stadt. Allem in allem ist Ravenna eine echte Wucht in Sachen Kirche, Kultur und Geschichte.

Das Schöne an frühchristlichen Kirchen ist nicht ihre Außenarchitektur, sondern die vielen schönen bunten Mosaike im Inneren. Die Sant’Apollinare Nuovo, die von Theoderich erbaut wurde, bildet den Anfang meiner Kulturreise durch Ravenna. Bei den Kirchen in Ravenna steht die Geschichte im Vordergrund und nicht das Gotteshaus als Ort der Besinnung.

Neben Kaisern und Kirchen sitzt in Ravenna noch etwas anderes. Hier liegt der italienische Nationaldichter Dante Alighieri begraben. Seine göttliche Komödie* ist ein Meisterwerk der Literatur. Das Ehrengrab hat er daher mehr als nur verdient. Im Vergleich zu Goethe ist es auch wesentlich imposanter.

che ricordarsi del tempo felice
ne la miseria
Neben der ganzen Kultur darf die wundervolle italienische Lebensweise mit ihren einzigartigen Gassen natürlich nicht zu kurz kommen! Ich könnte ewig in diesem Land bleiben.

Ich lande wieder in einer Bibliothek. So wie gestern ist der historische Raum mit all den wundervollen Büchern und Kunstwerken eigentlich zu, aber ich werde wieder hereingelassen. Erneut ein ganz großes Danke an all die italienischen Bibliotheksmitarbeitenden! Es gibt in der Bibliothek eine gesonderte Ausstellung für den Begründer der italienischen Sprache mit ganz vielen wunderschönen Ausgaben seines Meisterwerks.


Nach der Bibliothek geht es für mich in den Dom von Ravenna mitsamt Kirchenmuseum und Baptisterium. Die Mosaike sind wie immer faszinierend.



So und was kommt jetzt? Richtig – wieder eine Kirche! Jetzt ist die Basilika San Vitale an der Reihe. Meinen üblichen Vortrag erspare ich dir. Dafür darfst du dir anhören, wie amüsant ich es doch finde, wenn in der Kirche steht, dass man leise sein soll, da es ein Haus der Andacht sei. Prinzipiell stimme ich dem vollkommen zu. Ich finde es nur ironisch, da ich für dieses Andachtshaus 8,50 Euro Eintritt bezahlt habe.



Den Abschluss in Rimini bildet das Grab Theoderichs. Sein rundes Mausoleum ist etwas außerhalb vom Stadtkern. Aber ich laufe gerne. Es ist die goldene Stunde. Und für mich ist diese Stunde das schönste Gold auf der Erde.



Im Zug durch die Dunkelheit melden sich meine Schultern. Ich glaube, die nächsten Tage muss ich langsamer angehen. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Und ich habe noch fast 3 Wochen vor mir.
Das Hostel in Bologna ist eine faustdicke Überraschung. Im Bahnhofsviertel der Stadt steht dieses Premium-Hostel. Es ist das beste Hostel der gesamten Reise. Es ist perfekt sauber. Die Zimmer sind riesig. Und im Preis ist auch noch Frühstück mit dabei! Alles ist ordentlich und modern. Es ist perfekt. Bis 23 Uhr bin ich sogar alleine im Zimmer und auch die Nacht verläuft ruhig. Gut, die Mücken sind da. Das Leitmotiv der Reise.
Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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