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Der schönste See Europas – Interrail Tag 2

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Bled

Schlaf, wo bist du gewesen? Erst gab es einen nicht endenden Kampf zwischen ein paar Mücken und mir und dann kamen meine drei Zimmergenossen um halb vier von ihrer Partynacht zurück. Um 6 Uhr kräht der Hahn des Nachbarn. Bin ich müde? Nein! Ich strotze nur so vor morgendlicher Motivation. Jetzt geht es los!

Am Morgen sind die Straßen leergefegt. Der Teil des Ortes ist ein Dorf und nicht eine der touristischsten Städte Sloweniens. Es dauert nicht lange und ich sehe ihn. Ein strahlend funkelndes Blau. So kräftig und doch so sanft. Schöner als der Ozean nach einem Sturm. Schöner als die schönsten blauen Augen, in die sich ein Mensch verlieben könnte. Es ist das schönste Blau, das ich seit Langem gesehen habe. Das strahlende Blau des Bleder Sees ist der Grund, warum dieser kleine Ort zu einem Anziehungspunkt für Touristen wurde. Und der Tag hat gerade erst angefangen.

Eine Panoramaansicht eines klaren blauen Sees, umgeben von grünen Hügeln und Bergen, mit einer kleinen Kirche am Ufer.
Schöner als das Blau der Augen deiner ersten großen Liebe

Das besonders Schöne ist dieser Kontrast aus strahlend blauem See, mystischen Bergen in der Ferne und Wald in direkter Nähe. Mit jedem Schritt, den ich mehr um den See laufe, verliebe ich mich mehr in Slowenien.

Blick auf einen blauen See, umgeben von Bäumen und Bergen, im Herbstlicht.
Kontrastreiche Schönheit

Nach einer Weile lichtet sich der kleine Wald um den See und ich stehe direkt am Ufer des Sees. Der See ist so ruhig, wie ein See sein kann. Das Wasser scheint stillzustehen. So wie die Zeit an dieser Oase der Ruhe. Ein paar kleine Boote stehen am Ufer, doch ich bleibe an Land.

Ruhiger See mit mehreren Booten am Ufer und malerischer Berglandschaft im Hintergrund unter blauem Himmel.
Blau machen

Die Ruhe wird ein wenig gestört. Eine kleine Rudermeisterschaft findet heute auf dem See statt. Ich schaue mir das Spektakel kurz an, ehe ich mir das schönste Spektakel ansehe – die Natur.

Ruderer auf einem See mit Bergen im Hintergrund und bewölktem Himmel.
Menschliches Spektakel

Um dieses Spektakel genießen zu können, geht es hoch hinaus. Von unten ist es schon wunderschön. Wie schön wird es von oben sein? Der Weg ist lang und steil. Der Weg geht durch den Wald. Er ist entweder steinig oder vermatscht. Ich stolpere, bleibe fast stecken und werde dreckig. Bei jedem Schritt muss ich aufpassen, nicht hinzufallen und mich zu verletzen. Belohnt werde ich dennoch. Das Risiko ist es wert.

Eine grüne Wiese mit einem kleinen Holzhaus und einem weißen Haus im Hintergrund, umgeben von Bäumen und einem Wandweg unter blauem Himmel.
Natürliche Schönheit
Panoramablick auf den Bleder See mit der kleinen Insel und der Kirche im Vordergrund, umgeben von Bergen und Wäldern.
Schönes Risiko

Mittlerweile bin ich erschöpft. Doch die Freude und Motivation über meine Reise beflügeln mich so sehr, dass ich ganz leicht nach oben schwebe – egal, wie viele Treppenstufen es sein mögen.

Holztreppe, die durch einen bewaldeten Bereich führt, umgeben von Bäumen und Felsen.
Zum Glück bin ich schwindelfrei

Freiheit. Das ist es, was ich spüre. Der Ausblick ist so schön, das schaffe ich gar nicht, in Worte zu fassen. Der Blick streift in die unendliche Ferne. Hier oben fühle ich mich frei. Und Freiheit ist das Schönste aller Gefühle.

Luftaufnahme des Bleder Sees mit einer malerischen Insel im Vordergrund, von Bergen umgeben und unter blauem Himmel.
Freiheit

Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur*

Ich bleibe lange hier oben. Sehr lange, denn warum sollte ich diesen schönen Ort verlassen? Aber wer weiß, was für schöne Orte ich noch in den nächsten Wochen sehen werde.

Unten angekommen merke ich, dass dieser See auch hier wunderschön ist. Mittlerweile werden die Menschen auf den Straßen immer mehr und Unruhe kommt in die Stadt. Der See bleibt weiter wie ein Fels in der Brandung ruhig.

Blick auf den Bleder See mit der Kirche auf der Insel und bewaldeten Hügeln im Hintergrund.
Ruhe.
Eine Person sitzt auf einer Bank am Ufer eines ruhigen Sees, umgeben von Bergen und Bäumen. Es ist eine schwarz-weiß Aufnahme.
Gelassenheit.
Ein Blick auf den bleder See mit sanften Bergen im Hintergrund und einer Burg auf einem Felsen.
Zufriedenheit.

Am frühen Nachmittag habe ich es geschafft. Der See ist umrundet. In Bled schlendere ich etwas an der „Promenade“. Ich genieße die Sonne, die leicht auf mich hinabstrahlt. Ich genieße den See. Die Ruhe und die Hektik der Bootsfahrenden. Ich denke ein bisschen zu viel über die nächsten Tage nach und ehe noch mehr Zweifel kommen, versuche ich, meine vielen Gedanken im See zu ertränken.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ursprünglich wollte ich mit dem Bus nach Bohinj zu einem weiteren See fahren. Ich entdecke aber die Werbung von einem kleinen Ausflugsunternehmen mit Touren zur Vintgar-Schlucht. Die Plakate wirken so schön, dass ich meine Pläne komplett ändere und jetzt dorthin fahre. Den See kann ich auch morgen sehen. Ich reise allein. Ich kann spontan sein. Und das ist gut so.

Vintgar Klamm

Die Busfahrt zur Schlucht dauert wenige Minuten. Beim Fahrstil des Busfahrers ist das Abenteuer genug. Die Geschwindigkeit ist immer mehr als das, was die kleinen kurvigen Straßen Sloweniens erlauben.

Das wahre Abenteuer beginnt in der Schlucht. Das Wasser strömt rasant durch diese Perle der Natur. Der Extra-Ausflug hat sich schon nach wenigen Metern gelohnt. Die Frische, die die feinen Wassertropfen in der Schlucht verteilen, ist eine ganz besondere. Und selbst wenn ich auf künstlichen Holzwegen wandere, so fühlt sich die Natur doch so rau und unberührt an.

Ein malerisches Tal mit einem klaren, fließenden Wasserlauf und einer Holzbrücke, umgeben von grünen Bäumen und steilen Felsen.
Abenteuerurlaub

Ein Wasserfall jagt den nächsten Die Wege sind nass und ich versuche, nicht auszurutschen. Das Profil meiner Schuhe könnte etwas schärfer sein. Das Spiel vom Vormittag wiederholt sich und meine Angst auch.

Das Ende des Weges liegt im Wald. Ich bin ganz alleine und außer ein paar Vögeln und der Ruhe der Natur höre ich nichts. Es ist einfach ein schöner Anblick, zu sehen, wie die Sonnenstrahlen versuchen, ihren Weg durch die Bäume zu finden. Slowenien ist eine Oase der Ruhe und der Natur. Ein Traum!

Ein sonnendurchfluteter Wald mit hohen Bäumen und dichtem grünem Laub.
Slowenische Träume

Mein Weg endet auf einer „Alm“. Kuhglocken und ein lautes Muhen begrüßen meine Ankunft. Die Aussicht ist herrlich! Alles ist grün und friedlich. Die Kühe grasen ein wenig und scheinen komplett unbeeindruckt von mir zu sein.

Kühe grasen auf einer Weide mit Blick auf die Landschaft und Berge im Hintergrund.
Muh!
Panoramablick auf grüne Wiesen und Berge unter einem blauen Himmel mit Wolken.
Bergfreiheit

Nach einer abenteuerlichen Busfahrt lande ich wieder in Bled. Die drei Franzosen haben das Hostel verlassen. Ich dusche im Licht der Taschenlampe und ziehe mich in mein Bett zurück. Es ist an der Zeit, den Montag (ja, übermorgen) und den Dienstag zu planen. Wobei ich eine Sache schon auf dieser Reise gelernt habe: Planen ist wichtig und zugleich überbewertet. Meine Zimmernachbarn sind heute wesentlich ruhiger als gestern. Um halb 9 herrscht Stille und um 9 Uhr brennt nur noch meine kleine Lampe am Bett. Ich fühle mich etwas schlecht, dass ich noch tippe.

Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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