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Es geht los! – Interrail Tag 1

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Deutschland

Pünktlich um 7 Uhr stehe ich auf. Ganz ohne Wecker. Die Vorfreude weckt mich. Ganz leise und behutsam verlasse ich die Wohnung, um meine 2 Gastgeber nicht zu wecken. Bei Schlaf hört die Freundschaft auf.

8 Uhr. Frankfurt Hauptbahnhof. Ein Junkie setzt sich den nächsten Schuss, ein anderer rempelt jeden Zweiten an und noch ein anderer schläft am Boden. Mein geliebtes Frankfurt verabschiedet sich standesgemäß. Ich werde den Frankfurter Hauptbahnhof nicht vermissen.

Mein Zug geht ohne Umsteigen nach Slowenien. Ich bin verwirrt, denn überall steht, dass der Zug nach Klagenfurt fährt. Was ich wissen muss, ist, dass der Zug in Villach in Österreich geteilt wird und dort als EC 213 nach Zagreb weiterfährt. Aber wie gesagt, das muss ich wissen. Es steht nirgends. Ein jeder Eurocity muss einen landestypischen Namen haben. Und so heißt der EC 113 nach Klagenfurt noch Blauer Enzian und ab Villach Mimara – benannt nach dem kroatischen Maler.

Der Zug soll laut der DB App eine sehr hohe Auslastung haben. Zum Glück kann ich einen Sitzplatz in einem 6er-Abteil ergattern. Bei 9,5 Stunden Zugfahrt auch eine absolute Notwendigkeit. Selbst wenn ein 6er-Abteil auch nicht ideal ist. In Stuttgart kommt die Ernüchterung. Mein Sitzplatz ist ab hier reserviert. Ich stehe in einem mittlerweile überfüllten und verspäteten Zug. Wenigstens stehe ich am Fenster und kann die schöne Natur des Schwabenlandes genießen. Für solche Blicke liebe ich das Reisen mit dem Zug.

Seit dem letzten Halt echauffiert sich durchgehend ein junger Mannheimer über die Bahn. Die typischen Floskeln über die Deutsche Bahn fallen rücksichtslos. Der Schaffner ist die Ruhe selbst und antwortet freundlich und ruhig auf alle seine Punkte. Wenn man keine Sitzplatzreservierung hat, darf man auch nicht erwarten, dass man einen Sitzplatz bekommt. Der Grund, warum der Zug so voll ist, ist ganz einfach. Er hält in München. Massen an betrunkenen Lederhosen und betrunkenen Dirndls sind auf dem Weg zum Oktoberfest. Ab München kann ich wieder in einem 6er-Abteil sitzen. Wieder am Fenster. Jetzt wird die Landschaft erst so richtig schön.

Meine Mitreisenden sind ein älterer deutscher Herr, der standesgemäß sein Leberkäsbrötchen und sein Dosenbier auspackt, und ein asiatisches Ehepaar, das das Konzept deutscher Züge anscheinend nicht ganz so verstanden hat. Der Rest des Abteils schaut hinab auf das Handy und ich klebe an der Scheibe und genieße die wunderschöne Aussicht.

Österreich

Mitten in den mystisch grau vernebelten Alpen fühle ich mich klein, so imposant ist dieser Anblick. Aber das mystische Grau wird immer wieder durch die bunte Natur durchbrochen.

Allein für diese Fahrt hat sich alles gelohnt. Das ist das, wofür ich lebe. Hier gehöre ich hin. Mitten in die Natur, auf einer Reise, dessen Ziel niemand kennt. Nicht einmal ich! Der Gedanke allein, bald selbst in der Natur zu stehen und nicht nur durch sie zu fahren, ist ein so unendlich schöner Gedanke. Aber vielleicht bin ich auch nur so fasziniert, weil ich noch nie wirklich eine Alpenreise hatte. Ich werde es bald nachholen!

Während der Zugfahrt erlebe ich die wunderschöne Metamorphose der Wiesenlandschaft hin zur Waldlandschaft. Ich sehe regelmäßig Kühe und Esel in der freien Natur. Ich rausche zwar an ihnen vorbei, aber trotzdem glaube ich, dass sie mich anlächeln.

Landschaft mit grünen Wiesen und Bergen im Nebel, in der Nähe von Gebäuden.
Kleiner Sehnsuchtsbummler
Blick auf einen Fluss, der durch eine grüne Landschaft mit bewaldeten Hügeln und Bergen fließt. Der Himmel ist bewölkt und die Umgebung wirkt herbstlich.
Meine Bestimmung
Blick auf eine grüne Landschaft mit Bergen im Hintergrund und bewolktem Himmel.
Die Sicht, wenn man nicht auf sein Smartphone schauen würde

Slowenien

In Jesenice wird zwischen Zuggleisen und Fußwegen nicht mehr unterschieden. Die Architektur ist härter, kantiger und grauer. Ich bin auf dem Balkan. Die Region Europas, die am häufigsten unterschätzt wird. Ich liebe ihn.

In Lesce angekommen, habe ich zwei Möglichkeiten, um zu meinem Hostel zu gelangen. Ich könnte mit dem Bus fahren, so wie die anderen 20 Backpacker, oder eine Stunde laufen. Natürlich laufe ich.

Bahngleise mit Signal und Berglandschaft im Hintergrund unter blauem Himmel.
Balkanliebe

Nach dem ganzen langen Sitzen tut das Laufen gut. Die phänomenale Landschaft hilft auch. Ich bin eingekesselt von Bergen. Nicht auf eine schlechte Art und Weise. Es ist eine majestätische Schönheit, die mich umgibt. Ich fühle mich frei. Die Laune geht aufwärts. Meine Kondition geht bei Steigung abwärts. Die Berge sind so majestätisch schön, dass ich fast meinen könnte, ich stehe vor dem Olymp.

Ein ruhiger Fluss, der durch einen von Bäumen gesäumten Wald fließt, mit herbstlichen Farben und einem klaren Himmel im Hintergrund.
Weggeschichten
Blick auf einen hohen Berg mit bewaldeten Hängen und einem klaren Himmel im Hintergrund.
Mein Olymp

In der Dämmerung setze ich mich auf eine Bank, esse zu Abend und genieße die Schönheit der Berge. Den Bleder See meide ich bewusst, damit ich morgen überrascht werden kann. Dafür laufe ich auf einer unbeleuchteten Straße in kompletter Dunkelheit. Das einzige Licht: die Scheinwerfer der passierenden Autos und die Lichter der Grabeskerzen vom Friedhof auf der anderen Straßenseite.

Ein nächtlicher Blick auf einen Friedhof mit leuchtenden Grablichtern, umgeben von einer Steinmauer und Bäumen im Vordergrund.
Ja, ist denn schon Halloween?

Ich erreiche mein Hostel. Es wirkt unfassbar dubios. An einem Tor hängt ein Zettel aus Papier mit dem Namen des Hostels. In einem Hinterhof sitzen zwei rauchende Menschen, die den Check-in darstellen. Durch einen kleinen Gang komme ich in einen anderen Hinterhof, wo das Haus der Zimmer ist. Das Bett muss erst noch bezogen werden. Das Personal ist sich nur unsicher, welches Bett ich bekomme, und entscheidet sich einfach für das nächste freie Bett. Meine Zimmergenossen sind drei junge Herren aus Frankreich, die sogar Englisch können. Sie verlassen mich schnell und genießen das Nachtleben der Stadt, die zur Hälfte aus Backpackern besteht.

Ich will duschen gehen. Es gibt zwei Duschen für die Etage. Die eine ist belegt und bei der anderen funktioniert das Licht nicht. Ich bin müde. Ich dusche im Dunkeln. Die Handytaschenlampe sorgt für etwas Dämmerung.

Im Bett plane ich die nächsten 2 Tage und stelle fest, dass ich nicht viel vorher geplant habe, aber das, was ich geplant habe, sich auch schon wieder erledigt hat.

Kurz vorm Schlafen fange ich an nachzudenken, eine alte üble Gewohnheit von mir. Ich frage mich, ob ich es wirklich schaffe, alleine einen Monat durch Osteuropa zu reisen. Ob die Zweifel verschwinden werden? Ob ich es schaffen werde? Ich weiß es nicht.

Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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