Laut. Schnell. International. Das ist der erste Eindruck, den diese Stadt erweckt. Mit 125.000 Einwohnern ist die Stadt zwar vergleichsweise klein, aber es ist trotzdem eine Weltmetropole. Eine der Hauptstädte der EU und definitiv eine der Hauptstädte des globalen Finanzsystems. Dementsprechend ist es laut, schnell und international. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Altstadt und zur Burg, die der Stadt erst ihren Namen gegeben hat, verlangsamt sich allmählich das Tempo. Ich merke schnell, dass man für Luxemburg schwindelfrei sein muss. Brücken sind hier keine Mangelware und der Blick nach unten ist oft ein sehr tiefer. Am Eingang des historischen Zentrums, das zum UNESCO-Welterbe gehört, angekommen, merke ich, dass die Stadt versucht, möglichst viel Grün zu zeigen. In der trockenen Hitze des Julis verkommt das Grün aber leider.

Der Vorteil an den oben bereits genannten Höhenunterschieden ist, dass ich sehr häufig eine fantastische Aussicht habe. Der Nachteil sind die zahlreichen Höhenmeter, die ich zurücklege. Aber die Aussicht ist wirklich sehr schön.

Einige Treppenstufen später bin ich im Viertel Grund gelandet. Französisch. Der erste Eindruck beschreibt es perfekt. Das ganze Viertel erweckt bei mir den Eindruck, ich sei in Frankreich. Die geographische Nähe und die Tatsache, dass Französisch eine Amtssprache des Landes ist, sind natürlich ein Teil der Erklärung. Aber insgesamt wirkt das Viertel auch französisch. Vom Flair, von den Menschen und vom Aussehen.


Das Schönste in diesem Viertel ist aber nicht der französische Flair, sondern die Alzette. Ein kleiner Fluss, umgeben von einigen Bäumen und dem historischen Bockfelsen, die sich in der Sonne im Fluss spiegeln. Die großen hellen Steinkolosse wirken hier irgendwie so gemütlich. Schön ist auch, wie geschichtsträchtige Felsen jetzt neu genutzt werden. Aber das Schönste ist die Ruhe und die Gemütlichkeit.


Auf dem Weg nach oben komme ich auch an den Häusern vorbei, die erklären, warum Luxemburg ein Anker der Finanzwelt wurde, und die erklären, wie sich Luxemburg einen kostenlosen ÖPNV leisten kann. Neben der Dependance von Microsoft und vorbei an einigen Briefkästen geht es für mich weiter nach oben. Die Hitze wird so langsam wirklich unangenehm.

Der Weg zum Fort Thünges ist lang und es ist heiß. An sich geht der Weg, aber die Hitze macht mir leider doch schwer zu schaffen. Zum Glück gibt es immer wieder Orte, wo ich die Aussicht genießen kann und etwas verschnaufen kann. Und zum Teil verläuft auch ein großer Teil des Weges durch einen Ministadtwald, der wohlverdienten Schatten spendet.

Oben am Fort angekommen, erkenne ich die Folgen der wochenlangen Hitze. Alles ist verstaubt und wenig Grün ist erkennbar. Der Ort könnte so viel schöner sein, doch die Dürre raubt die Schönheit. Aber die Aussicht ist schön und der Blick auf die Oberstadt mit all ihren kleinen Mauern und Forts erinnert fast ein bisschen an Valletta. Nur gab es da mehr Meer im Hintergrund. Das Meer könnte ich jetzt aber zur Abkühlung gebrauchen!


Beim Weg nach unten möchte ich diesmal eine andere Route nehmen. Aber dann ist da eine Baustelle, dann ist da doch kein Weg, obwohl er auf der Karte steht und dann habe ich es bis zur Hälfte nach unten geschafft und der Weg endet im Nichts. Also wieder ab nach oben – ist ja auch nicht warm oder so – und über den Hinweg zurück.

Der Weg in die Oberstadt kostet wieder einige Höhenmeter. An sich kein Problem, aber in Kombination mit der Hitze keine gute Idee. Welches Genie dachte auch, es sei gut, im Hochsommer nach Luxemburg zu fahren? Dafür ist die Aussicht auf die bisherige Route wie immer grandios. Und wer Brücken mag, wird in Luxemburg nicht enttäuscht!

In der Innenstadt der Oberstadt zeigt Luxemburg dann auch noch eine andere Seite. Luxus und Eleganz. Gucci und Rolex ohne Ende. Anzüge im Schaufenster, die selbst mit 50-Prozent-Reduzierung deutlich oberhalb meiner Preisklasse liegen. Cafés wie Sand am Meer. Und ganz viel Flair. Es ist schließlich die Stadt, wo die Kugel Eis 3 (ja drei!) Euro kostet.

Luxemburg ist im Übrigen auch eine der wenigen Monarchien Europas. Den Palast des Großfürsten kann ich aber doch leichter übersehen, als man glaubt. Die Schönheit der Architektur der Altstadt beeinflusst das aber nicht.


Und so endet der Tag nach einer Anreise, die zum eigentlichen Highlight wurde, am ursprünglichen Ziel. Die Reise zurück geht wieder entlang der wunderschönen Mosel mit einem Sonnenuntergang am Mittelrheintal zum Abschied des Tages.
Die Reise erfolgte im Juli 2022

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