Es gibt wohl wenige Städte in Deutschland, die einen so schlechten Ruf wie Dresden haben. Komischer Dialekt, asoziale Fußballfans und alles Nazis oder alt SED’ler. Das sind typische Vorurteile über Dresden, die man dann doch öfter hört, als einem lieb ist. Was will ich denn überhaupt in Dresden, wurde ich vor meinem Aufbruch mehr als einmal gefragt. Als am Tag vorher noch Dynamo Dresden abgestiegen ist und die Fußballfans sich von ihrer „besten“ Seite gezeigt haben, konnte ich die Zweifel verstehen.
Ich komme an und bin überrascht. Alles ist ruhig und ordentlich, und mit möglichst viel Grün versucht die Stadt, den grauen Beton aufzuhübschen. Die ersten Meter beweisen direkt, dass ich recht hatte. Sich immer lieber selbst ein Bild machen, als auf andere hören. Bis jetzt gefällt mir Dresden.
Um das Rathaus begrüßt mich eine große Baustelle. Aber das ist jetzt auch nicht überraschend gewesen. Und natürlich ist nicht unweit des Rathauses der Kulturpalast. Die Zeit in der DDR wird jetzt so langsam deutlich. Denn keine sozialistische Stadt ohne Kulturpalast. Das habe ich schon in Minsk gelernt. Das Wandmotiv könnte aber mal aktualisiert werden.

Am Residenzschloss vorbei geht es auf die Mauern des Zwingers. Auch der Innenhof des Zwingers ist eine reine Baustelle. Die Aussicht ist trotzdem sehr gut. Etwas mehr Sonne würde der Stadt trotzdem guttun.

Bevor es in den Zwinger geht, verläuft mein Weg auf den Theaterplatz. Spätestens hier merke ich es. Dresden ist Barockstadt. Ich komme in Dresden nicht am Barock vorbei. Fairerweise muss ich gestehen, dass der Barock nicht zu meinen Lieblingsepochen zählt, aber Dresden soll seine Chance bekommen. Die zweite größere deutsche Barockstadt ist übrigens Bayreuth. Bei meiner Reise in die Wagnerstadt konnte ich aber auch den Spagat zur Romantik erkennen und mich in das romantische Bayreuth verlieben. Richard Wagner ist übrigens ein gutes Stichwort. Der grandiose Komponist lebte für eine sehr lange Zeit in Dresden, ehe er aus der Stadt aufgrund seiner revolutionären Gedanken fliehen musste. Und wenn wir schon bei der Oper sind, dann kommen wir nun zu meinem persönlichen Highlight Dresdens. Die Semperoper. Der kleine Opernenthusiast in mir ist bei diesem Anblick mehr als zufrieden! Und zum Glück kommt jetzt auch endlich die Sonne herbei.


Ich bin definitiv kein künstlerischer Mensch. Literatur oder Musik, ja dafür habe ich viel Leidenschaft. Aber für die Malerei brennt wenig in mir. Die wenigen Ausnahmen brennen dafür umso heftiger. Das Inferno meiner Leidenschaft für van Gogh lässt sich kaum in Worte fassen. Aber für die Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts brennt wenig in mir. Dresden ist allerdings für die Kunst dieser Zeit weltbekannt. Dresden heißt nicht ohne Grund auch Elbflorenz. In der Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger versuche ich nun also, eine neue Flamme zu entzünden. Versuchen beschreibt es ganz gut, denn die Flamme bleibt sehr klein. Wobei es im Museum doch einige Funken gibt.
Ganz unten beginnt das Museum mit römischen Skulpturen. Ich – der Latein als Prüfungsfach im Abitur hatte – bin direkt gut gelaunt.

Die großen überfüllten Gemäldehallen des Museums lassen mich leider wieder kalt werden. Die ganzen Bilder aus Italien verstärken nur den Wunsch von mir, auch mal eine große Italienische Reise* zu machen. Die Schlummernde Venus von Giorgione oder doch Tizian – das mögen die Kunsthistorikerinnen klären – sticht aber aus dem Anblick heraus. Zum einen ist das Bild ein schönes Bild der italienischen Renaissance, aber zum anderen hat dieses Bild in Europa auch eine Tür in der Malerei aufgebrochen.

Mein persönlicher Höhepunkt sind aber 2 kleine Dinge. Zwei kleine Engel am Ende eines 2,5 Meter langen Gemäldes. Es handelt sich um kein anderes Gemälde als die Sixtinische Madonna von Raffael. Die beiden Engel am Bildrand sind aber fast bekannter als die Madonna. Ich bin seit meiner Kindheit mit diesen beiden Engeln verbunden, da sie das Motiv meiner Brotdose zu Schulzeiten waren. Die Engel jetzt direkt vor meinen Augen zu sehen, ist irgendwie surreal, aber auch einfach nur schön. Es sind aber auch zwei süße Engel.

Mit diesen engelshaften Ausblicken endet meine Odyssee in das Reich der Kunst und ich stehe wieder im Innengarten des Zwingers. Jetzt zum Glück mit Sonne.

In der Porzellansammlung des Zwingers merke ich erneut, wie wenig ich mich für Porzellan interessiere und im Mathematisch-Physikalischen Salon merke ich, wie schön doch die Naturwissenschaften sind.
Nach der Kunst der Malerei führt mein Weg mich in das Residenzschloss. Dieses ist Heimat zahlreicher handwerklicher Meisterwerke. Zahlreich beschreibt es gar nicht ausreichend. Es gibt eine schier unendliche Anzahl an handwerklichen Meisterleistungen. Einer feiner, eleganter und schöner als der andere. Ich habe nichts außer Bewunderung übrig. Die Nutzung von Elfenbein mag ich verachten, aber die handwerkliche Extraklasse produziert nichts außer tiefster Bewunderung.

Im Residenzschloss gibt es aber noch zahlreiche andere Meisterwerke. Die Schmiedekunst ist stark vertreten. Und die Meisterwerke an Edelsteinkunst im Grünen Gewölbe sind weltbekannt.

Am Ende des Tages ist es aber auch ein Schloss. Und so gibt es eine mehr als ausreichende Ansammlung von Prunksälen, Gemächern und Thronräumen. Das ausgestellte zerbrochene Hufeisen Augusts des Starken verdeutlicht auch die historische Bedeutung Dresdens. So war dieses Schloss auch Heimat eines der mächtigsten Könige Europas.

Bei dieser ganzen Schönheit gerät der wundervolle Innenhof fast ganz in Vergessenheit, was ich allerdings auf keinen Fall zulassen kann!

An der Kathedrale Sanctissimae Trinitatis vorbei und über die Augustusbrücke führt mich nun mein Weg auf die andere Seite der Elbe, wo jenem berühmten König ein großes Denkmal errichtet wurde.


Hey, hey, hey ich bin ein Kind dieser Stadt
Hey, hey, hey ich war so hoch auf der Leiter
Doch dann fiel ich ab, ja dann fiel ich ab
Am anderen Elbufer ist erst mal Zeit zum Durchatmen. Ich lege mich auf das Gras am Rande der Elbe und genieße einfach nur die Sonne. Nach einer Weile schaffe ich es, wieder aufzustehen, und kühle meine Füße im Wasser der Elbe ab, ehe sie mich weiter durch Dresden tragen. Das Dresdner Elbtal war sogar mal UNESCO-Welterbe. Der Bau der Waldschlösschenbrücke kostete Dresden aber den Welterbestatus. In der Geschichte der UNESCO ist das nur zweimal vorgekommen. Der andere Welterbentzug galt Liverpool.

Beim Weg zurück über die Elbe habe ich noch die Möglichkeit, die schöne Aussicht von der Brücke aus zu genießen.

Auf der anderen Elbseite macht Dresden dann den Römern erneut Konkurrenz. Zumindest was Mosaike angeht. Auf 102 Metern und 23.000 Fliesen zeigt der bekannte Dresdner Fürstenzug die stolze Geschichte der sächsischen Herrscher.

Dresden strahlt nahezu förmlich im Glanze des Barocks. Das ist nicht nur schön, sondern auch erstaunlich und nicht selbstverständlich. So lag nach dem Zweiten Weltkrieg die Stadt in Schutt und Asche. Der Wille zum Wiederaufbau war aber da. Und so ist Dresden das beste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn der Wille zur Veränderung da ist. Dresden steht für die Hoffnung, dass wir als Gesellschaft mehr schaffen können, als viele glauben. Das prominenteste Beispiel dafür ist die Frauenkirche. Die komplett in Schutt und Asche lag. Nach 50 Jahren begann der Wiederaufbau und die zehn Jahre der harten Arbeit haben sich mehr als rentiert. Die Frauenkirche steht aber auch für die Versöhnung, denn die Gelder für den Wiederaufbau kamen aus aller Welt.
Das Besondere am Wiederaufbau war auch, dass der alte Glanz der Kirche nicht verloren ging und auch der neue Altar genauso imposant ist wie der alte Altar.


Auf der Brühlschen Terrasse genieße ich noch kurz die Natur im namensgleichen Park, tanke die letzten Strahlen der Sonne und lasse mich von der barocken Imposanz des Albertinums blenden.

Der Weg zum Bahnhof verläuft entlang der Kreuzkirche. Im Vergleich zur Frauenkirche erscheint sie aber nur wie eine Randnotiz.
Am Ende des Tages kann ich sagen, dass trotz aller Vorurteile, einer „falschen“ Epoche und sehr viel Kunst der Tag in Dresden ein sehr schöner Tag war und ich etwas glücklicher bin, als dieser Tag endet. Und mit etwas Schönerem als Glück kann ich gar nicht enden!
Die Reise erfolgte im Mai 2022

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