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Entdeckungsreise durch die Normandie: D-Day Geschichte und Freiheit

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Mittwoch, 4. September 2019

Endlich! Nach über 10 Stunden Fahrt sind wir an unserem Ziel angekommen. Aber anstatt direkt ins Bett zu fallen, geht es ohne Umwege in den Ort. Sainte-Mère-Église hat circa 1.600 Einwohner und ist nicht mehr als eine Hauptstraße mit ein paar Nebenstraßen. Die ersten Häuser sind so, wie ich mir ein kleines französisches Dorf vorstelle. Dieser Ort strahlt eine solche Ruhe und Gelassenheit aus, wie man sie von Frankreich erwartet. Im Ortskern merke ich aber etwas anderes. Es gibt zahlreiche Geschäfte, die sämtliches D-Day Merchandise, das ich mir vorstellen kann, verkaufen. An jeder Laterne hängen US-Flaggen und Bilder von den Befreiern mit deren Namen. Es ist schnell klar, dass sich dieser Ort und diese Region auf eins spezialisiert haben: US-Touristen. Das Ironische daran: Es hängen zwar überall US-Flaggen, aber niemand kann hier Englisch. Wie gut, dass ich Latein in der Schule hatte.

Die Geschichte der Befreiung des Ortes wird im Airborne Museum ausgestellt. Dort können wir auch in einem Flugzeug stehen, aus dem die Fallschirmjäger aufbrachen, die diesen Ort befreien sollten. Eng, dunkel und beängstigend ist es in einer solchen Maschine. Ich bin wahnsinnig froh, als ich wieder draußen an der frischen Luft bin. Vor dem Museum steht die Dorfkirche. Es ist eine wunderbare französische Kirche, die einfach zu dieser Region passt.

Blick auf die Kirche in Sainte-Mère-Église mit einem charakteristischen Kirchturm und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.
Die Kirche von Sainte-Mère-Église

Manche fragen sich jetzt bestimmt: Was ist das Weiße am Kirchturm? Während jener Befreiungsaktion haben es John Steel und Ken Russel nicht geschafft, zu landen. Sie verhedderten sich mit ihren Fallschirmen am Kirchturm und hingen mehrere Stunden dort. Um ihnen zu gedenken, hängt dort eine Puppe mitsamt Fallschirm.

So nun aber genug zur Geschichte des Ortes, wir sind ja schließlich in Frankreich – im Land des Genusses und der guten Küche. Es ist 17 Uhr und wir haben Hunger. Das Problem: Alle Cafés, Restaurants und Imbissbuden haben geschlossen – alle? Nein! Ein einsamer Pizzastand leistet dem französischen Pausenwahn Widerstand. Das Problem – die Sprache. Er kann natürlich kein Englisch. Irgendwie schaffen es mein Vater und ich, eine Pizza zu bestellen. Während der Zubereitung macht der Verkäufer alles außer die Pizza zubereiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt es eine Pizza, die mehr aus Pilzen besteht als aus irgendetwas anderem. Mein Beileid an alle italienischen Leserinnen. Wieder im Hotel angekommen, stellen wir fest, dass das Restaurant des Hotels erst um halb 7 öffnet. Die französischen Mägen haben eine andere Zeitrechnung als die der Deutschen. Das lange Warten hat sich am Ende gelohnt und das Essen war traumhaft! Mein Vater und ich haben etwas aus der Ukraine gelernt: Nach dem lokalen Essen kommt die lokale Kneipe. Mir als Hesse ist der Apfelwein heilig. Wie gut, dass die Normandie die Heimat des Cidre ist. Es ist ein wahrer Genuss! Übrigens, die Normandie ist auch Heimat des Calvados, der laut meinem Vater wahnsinnig gut schmecke.

Donnerstag, 5. September 2019

Ich schwärme selten für Essen, aber ich liebe Croissants und alle Klischees stimmen: Ein Croissant in Frankreich schmeckt einfach fabulös. Der Tag geht perfekt los! Aber was ist Frankreich ohne Baguettes? Richtig – nichts! Als Verpflegung für den Tag wurde beim Bäcker erst mal eins gekauft – natürlich mit den üblichen Kommunikationsproblemen.

Nun geht es nach Utah. Utah war einer der 5 Landungsabschnitte des D-Days. Der Weg nach Utah verläuft über Landstraßen, wobei Feldwege wohl korrekter wären. Der Weg führt durch Orte, bei denen der Begriff Kaff eine maßlose Hyperbel wäre. Es ist diese wunderschöne ruhige Idylle, die diese Region so liebenswert macht. Man scheint die ganze Geschichte zu vergessen und kann sich einfach auf sich selbst fokussieren.

Den Landungsabschnitt erkennt man schon von Weitem. Es gibt eine große Halle und eine immense Anzahl von Flaggen und Denkmälern, die an die Bedeutung dieses Ortes erinnern. Das Museum ist ohne Frage zu empfehlen.

Bronzestatue eines Soldaten der US-Armee, der in Stiefeln und Helm mit einem Gewehr in der Hand zu einem Landungsboot auf Sand läuft. Im Hintergrund ist das Landungsboot teilweise sichtbar.
Erinnerungen an die Geschichte

Nach dem Museum geht es an den Strand. Schon bei den ersten Schritten scheine ich alles Vorherige zu vergessen. Die atemberaubende Schönheit erdrückt mich sofort. Der raue Küstenwind strahlt eine wahnsinnige Kraft der Freiheit aus. Ich vergesse alles Schlechte, alles Vergangene und konzentrier mich einfach nur auf das Schöne.

Blick auf einen weitläufigen Sandstrand mit Grasdünen im Vordergrund und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.
Die rauen Strände um Utah

Wir wandern am Strand entlang und wenn wir nicht vorhin gelesen hätten, was 75 Jahre zuvor geschehen ist, dann würden wir es kaum merken. Das Meer und der raue Wind sind die Versinnbildlichung der Sehnsucht nach Freiheit. An dieser Küste wurde nicht nur Europa befreit, sondern auch die Seelen der Besucher.

Manchmal werden wir an die Geschichte erinnert. Neben den zahlreichen Flaggen finden sich immer wieder Trümmer des Atlantikwalls. Tonnen von Stahlbeton, mit denen der Mensch sich in der Natur der Region für immer verewigt hat.

Ruinen der ehemaligen Küstenbatterie Crisbecq an einem Strand, umgeben von hohem Gras und Sand. Der Himmel ist teilweise bewölkt.
Überbleibsel der Geschichte

Es ist paradox, dass es an einem so schrecklichen Ort so unfassbar schön ist. Der Weg zurück durch das hohe Gras der Dünen ist eine solche Schönheit, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekommt, dass man an diesem Ort sich so freuen kann. Aber es geht hier eben nicht nur um eine politische Befreiung, sondern auch um die eigene persönliche Befreiung.

Blick auf die grasbewachsene Küste mit sanften Hügeln, unter einem bewölkten Himmel, der die Meereshorizont umrahmt.
Freiheit

Die Geschichtstour geht weiter zu den Überresten der ehemaligen Küstenbatterie Crisbecq. Es ist beeindruckend und erschreckend, welche enorme Anzahl an Ressourcen hier verbaut wurde. Der Mensch hat sich hier für immer verewigt.

Ruine eines ehemaligen Küstenschutzbunkers mit beschädigtem Dach und einem Geschützrohr, umgeben von Stacheldraht und Graslandschaft.
Die Batterie von Crisbecq

Dann geht es weiter zum Pointe du Hoc. An dieser 30 Meter hohen Steilküste gingen am D-Day eine Spezialeinheit US-Ranger an Land. Das ist hier aber komplett nebensächlich. Schon beim Laufen zur Küste wird schnell die Schönheit dieser Gegend klar. Es ist eine traumhafte Aussicht bei wunderschönem Wetter.

Panoramaaufnahme der Küste mit grünen Klippen und dem weiten blauen Meer im Hintergrund. Es sind mehrere Besucher auf einem Wanderweg zu sehen, der entlang der Klippen führt.
Sehnsucht nach Freiheit

Je näher ich an die Klippe laufe und je stärker der Wind durch meine Haare weht, umso mehr begreife ich die Freiheit. Sobald ich meinen Blick vom Meer abwende, sehne ich mich danach, wieder zurückzukehren. Beim Anblick der rauen Schönheit der Natur wird schnell klar, dass das hier keine Reise durch die Normandie und die Geschichte ist, sondern vielmehr eine Reise zu mir selbst.

Blick auf das offene Meer unter einem bewölkten Himmel, mit sanften Wellen und grünen Gräsern im Vordergrund.
Die traumhafte Aussicht vom Pointe du Hoc

Nach diesen schönen Momenten geht es wieder zu düsteren Orten. Die Normandie ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Befreiung Europas hatte hohe Kosten. Viele Menschen ließen ihr Leben. In La Cambe erinnert der deutsche Friedhof an die Gefallenen. Es ist ein stiller und ruhiger Ort. Der Friedhof ist einfach gehalten. Es ist ein Friedhof und nicht mehr. Im Vergleich zu den Friedhöfen der Alliierten ist das eine erwähnenswerte Tatsache.

Ein Blick auf den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe mit dem Gedenkmonument im Hintergrund, umgeben von weißen und schwarzen Grabsteinen auf einer grünen Wiese.
Der deutsche Friedhof in La Cambe

Es geht weiter nach Saint-Lô. Im Vergleich zum bisherigen Tag ist die Stadt mit 19.000 Einwohnern eine Metropole. Die Kleinstadt fühlt sich unfassbar voll und laut an. Sie ist im Vergleich zu vorher etwas ganz anderes. Diese Region ist wahnsinnig vielseitig. Die Stadt ist geprägt durch ihre mittelalterliche Stadtmauer. Wenn man sich an das Stadtklima akklimatisiert hat, kann man die Schönheit dieser mittelalterlichen Stadt durchaus erkennen.

Erwähnenswert ist auch die schöne Kirche Notre Dame von Saint-Lô. Sie fügt sich ideal in das schöne Stadtbild ein.

Blick auf die Stadtmauer von Saint-Lô mit Bäumen und Autos im Vordergrund, bewölkter Himmel.
Die Stadtmauer von Saint-Lô
Historische Kirche in Sainte-Mère-Église mit gotischer Architektur und beeindruckendem Turm unter einem wolkigen Himmel.
Der Notre Dame von Saint-Lô

Freitag, 6. September 2019

Es geht nach Colleville-sur-Mer. Dort steht der aus James Ryan* bekannte US-Friedhof. Der Vergleich zum deutschen Friedhof ist gewaltig. Der Friedhof wird von der US-Regierung verwaltet und das merken wir. Schon am Parkplatz werden wir von Bediensteten in perfektem Englisch begrüßt. Der Friedhof selbst ist gigantisch, pompös und theatralisch. Zahlreiche Statuen, Denkmäler, Flaggen und sonstige Anlagen erinnern an die Helden. Helden – das ist das zentrale Wort. Es wird überall den Helden gedacht. Sie werden glorifiziert und patriotisiert. Die Vereinigten Staaten stehen im Mittelpunkt – nicht die Menschen.

Panoramablick auf den US-Friedhof in Colleville-sur-Mer, mit frisch geschnittenen Hecken, Flaggen und einem Wasserbecken im Vordergrund.
Der monumentale US-Friedhof
Eine friedliche Gedenkstätte mit einem zentralen Wasserbecken, umgeben von trimmed Bäumen und einem monumentalen Bauwerk im Hintergrund.
Denkmäler des Patriotismus

Es sind fast 10.000 Gräber, die hier stehen. Es ist eine nahezu unbegreifbare Anzahl, die erst klar wird, wenn man den Friedhof in echt sieht und nicht in Hollywood-Filmen. Alle sehen nahezu identisch aus, alle haben die gleichen Informationen und den gleichen patriotischen Spruch. Die USA sehen hier 10.000 patriotische Helden, doch in Wahrheit sind es 10.000 Menschen und deren Schicksale, die hier liegen. So ist es mehr ein Denkmal als ein Friedhof.

Ein Bild eines weitläufigen Friedhofs mit weißen Kreuzgräbern, umgeben von grünem Rasen und vereinzelten Bäumen, unter einem bewölkten Himmel.
Ausschnitte der immensen Anzahl weißer Kreuze

Diese überwältigende Größe und die Tatsache, dass alle diese Kreuze das Ende eines Lebens mit unterschiedlichen Schicksalen darstellen, kreieren eine bedrückende Atmosphäre. Die tolle Aussicht macht die Situation nicht besser, denn unten an der Küste erkenne ich Omaha Beach, den bekanntesten und blutigsten Landungsabschnitt.

Blick auf die weite Küstenlandschaft mit sanften Hügeln und dem Meer im Hintergrund, unter einem klaren blauen Himmel.
Omaha aus der Ferne

Die tragischen Schicksale werden im lokalen Museum weiter vertieft. Es nimmt mich stark mit. Am Tag vorher konnte ich die Natur genießen und jetzt bin ich wieder am Boden angekommen. Aber ich realisiere, wie kostbar diese Freiheit doch ist, die ich hier spüre. Ich lerne, sie besser zu schätzen. Am Strand angekommen, erinnert ein großes Denkmal an jenen Tag.

Denkmal am Strand mit mehreren Nationalflaggen im Hintergrund und einer Gruppe von Besuchern.
Gedenken an den längsten Tag

Ein langer Spaziergang am Strand hilft bei der Verarbeitung der vorherigen Eindrücke. Der Atlantik ist so wundervoll, doch das Genießen fällt am Anfang noch sehr schwer. Nach langer Zeit überdeckt das Funkeln der See die Trübsal.

Weitläufiger Sandstrand mit sanften Wellen und leicht bewölktem Himmel über dem Meer.
Der funkelnde Atlantik in der Ferne

Die Reise geht weiter zu den Ruinen der Küstenbatterie von Longues-sur-Mer. Schon beim Durchwandern der Ruinen zieht es meinen Blick an die 300 Meter entfernte Küste. Ich bin froh, als wir nach der Anlage an die Küste gehen können. Und dann passiert etwas Zauberhaftes, alles Vorherige ist vergessen. Ich bin überwältigt von einer transzendenten Schönheit. Dieser Anblick ist die Inkarnation der Freiheitssehnsucht.

Panoramaansicht des Meeres, mit sanften Wellen und einem bewölkten Himmel über der Küste, umgeben von grünem Gras.
Verlockende Schönheit

Ich klettere so weit, es geht an die Küste und stehe dann auf einem kleinen Vorsprung. Die raue Küstenluft peitscht gegen mein Gesicht. Aber ich bleibe weiter stehen, genieße den Ausblick und erfahre den Weg zur Transzendenz.

Blick auf die Küste der Normandie mit grün bewachsenen Klippen und einem ruhigen Meer unter einem bewölkten Himmel.
Der Weg zur Transzendenz
Blick vom Kliff auf die ruhige Küste mit sanftem, grün-blauem Wasser und bewachsenen Hängen in der Normandie.
Was würdest DU hier fühlen?

Nach meiner Ewigkeit in Freiheit geht es weiter in die 500-Seelen-Gemeinde Arromanches. Es ist der dritte Landungsabschnitt: Gold-Beach. Dieser Name passt perfekt. Der Strand ist strahlend gold. Auch die Betonreste der späteren Landungsbrücke im Sand trüben diese Schönheit nicht. Alles, was wir sehen, ist ein strahlender Strand. Der Ort an sich stellt die Weichen zum Übergang zu einem eleganteren Frankreich. Die Normandie ist an sich erstaunlich unfranzösisch. Es ist dieser Ort, wo die französische Eleganz und der französische Luxus das erste Mal zum Vorschein kommen und das trotz der Lage.

Blick auf einen Strand mit rauem Wasser und bewölktem Himmel, während zwei Personen am Ufer spazieren.
Die goldene Eleganz von Arromanches

Das letzte Ziel des Tages ist Bayeux. Die 13.000-Einwohner-Stadt fühlt sich an wie eine 130.000-Einwohner-Stadt. Sie hat etwas komplett anderes. Es ist eine kleine Altstadt mit zahlreichen historischen Fachwerkhäusern und historischem Ambiente. Vom Flair her ist die Stadt englisch und nicht französisch. Sie fasziniert mich und zieht mich in ihren Bann. Nachdem wir in unserem Hotel angekommen sind, geht es direkt in die Stadt. Je länger man in der Stadt verbleibt, umso weniger möchte man sie verlassen. Dieser historische Charme ist eine bequeme Abwechslung. Ich muss mich leider wiederholen, aber diese Region ist einfach vielseitig!

Ein historisches Gebäude mit einem Wasserrad, das an einem ruhigen Fluss in einer malerischen Umgebung steht. Bunte Blumen schmücken die Mauer des Gebäudes.
Eine kleine Mühle in Bayeux

Ein Highlight dieser Stadt ist die gigantische Kathedrale. Sie bildet das Zentrum der Stadt und ist kaum zu übersehen.

Eine beeindruckende gotische Kathedrale in einer Stadt, umgeben von grauem Himmel und zeigen Besuchern auf der Straße.
Die Kathedrale von Bayeux

Das eigentliche Highlight ist der phänomenale Teppich von Bayeux. Es ist ein 68 Meter langer Teppich, der die Geschichte der normannischen Eroberung erzählt. Er ist mit fast 35 Quadratmetern sogar größer als meine Wohnung! Er ist eine absurde künstlerische Leistung, die faszinierend anzuschauen ist. Und er verdeutlicht, warum die Region so englisch wirkt – die Engländer kommen ja schließlich von hier.

Das Bayeux-Tapestry zeigt Szenen der normannischen Eroberung Englands, mit Kämpfern, Schilden und verschiedenen Tieren in einer kunstvollen Stickerei.
Ausschnitte aus 68 Metern Kunst

Donnerstag, 7. September 2019

Der letzte Tag beginnt absolut idyllisch. Unser Hotel ist am Rande der Stadt an einer Wiese gelegen. Und so begrüßen uns ein paar Kühe zum Frühstück. Dass es Croissants für mich gibt, muss ich wohl nicht erwähnen.

Landschaft mit Kühen auf einer Wiese im Vordergrund, im Hintergrund zwei Kirchtürme und ein bewölkter Himmel.
Morgen-Idylle

Als Nächstes geht es zum vorletzten D-Day-Museum der Reise und danach zum letzten Friedhof. Es ist absurd, aber der britische Friedhof ist perfekt. Er ist schlicht, hat eine schöne Architektur und viel Natur. Aber das Wichtigste: Es geht hier um die Menschen und um Individualität. Jeder Grabstein ist individuell. Auf den Grabsteinen stehen individuelle Widmungen und Zitate, die an die Menschen erinnern und nicht an die Befreier. Im Vergleich ist dieser Friedhof mit Abstand der gelungenste Friedhof.

Das Bayeux War Cemetery mit gepflegten Rasenflächen und Grabsteinen unter einem bewölkten Himmel.
Auch ein Friedhof kann schön sein

Es geht weiter zum vorletzten Landungsabschnitt – Juno. Dort wird die Geschichte der Kanadier erzählt. Geschichten, die kaum präsent sind, aber dafür umso spannender. Der Landungsabschnitt steht in Tradition zu den vorherigen. Er ist wunderschön und lässt einen die Geschichte vergessen. Die saftig grünen Gräser der Dünen sind die schönsten, die ich jemals gesehen habe.

Ein traumhafter Blick auf den Sandstrand, umgeben von hohen, grünen Gräsern und einem weiten, grauen Himmel über dem Wasser.
Die schönen Dünen in Juno

Der historische Teil der Reise neigt sich dem Ende zu. Es geht nach Ouistreham zum letzten Landungsabschnitt – Sword. Das Wetter ist heute noch besser als die Tage davor und unter strahlendblauem Himmel scheint ein goldener Sandstrand.

Weitläufiger Sandstrand mit sanften Wellen und bewölktem Himmel.
Strahlendblauer Himmel und wunderschöne Strände

Wir laufen zur Mittagszeit über den Strand und sind sehr froh, eine kleine Imbissbude zu entdecken. An sich kein erwähnenswerter Vorfall, aber er ist es dann doch irgendwie. Die Hot Dogs, die wir bestellen, bestehen nämlich aus einem halben Baguette als Brotgrundlage. Es schmeckt gut, es fühlt sich nur falsch an.

Die Besonderheit des Ortes ist, dass es noch einen komplett erhaltenen Bunker gibt, den wir besichtigen können. Das ist eine durchaus interessante Erfahrung.

Das Bild zeigt das Grand Bunker Museum in der Normandie, Frankreich, mit einer großen weißen Wand und einem Kanonenmodell im Vordergrund. Eine Flagge weht über dem Gebäude, das die Geschichte des Atlantikwalls thematisiert.
Le Grand Bunker in Quistreham

Und jetzt folgt eine Wendung der Reise um 180 Grad. Wir verlassen den Pfad der Geschichte und der lebhaften Natur der Atlantikküste und widmen uns der französischen Eleganz, dem französischen Flair und dem französischen Luxus. Es scheint so, als würde jetzt eine neue Reise beginnen. Es geht nach Cabourg. Cabourg ist ein kleines französisches Seebad mit einer wunderschönen Promenade und ganz viel Luxus.

Blick auf die Promenade von Cabourg, Frankreich, mit Besuchern, die entlang des Meerufers spazieren, und typischer Architektur im Hintergrund unter einem bewölkten Himmel.
Die Promenade von Cabourg

Der traumhafte Strand und die wunderschönen Häuser verdrehten schon Marcel Proust den Kopf, der jeden Sommer hier verbrachte und an seinem Meisterwerk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit* schrieb. Beim Schlendern entlang der Promenade verliert man schnell die Zeit. Und so genießen wir einen wunderbaren Flair und können einfach mal abschalten.

Historisches französisches Herrenhaus mit rotem Ziegelstein und typisch französischem Schindeldach, umgeben von grünem Garten und blauen Himmel.
Le véritable voyage de découverte ne consiste pas à chercher de nouveaux paysages, mais à avoir de nouveaux yeux

Das Zentrum dieses Ortes bilden aber nicht die ganzen Villen, sondern das luxuriöse Grand Hotel neben dem Casino. Es ist vom Strand kaum zu übersehen und die Straßen sind fächerartig auf das Hotel zugerichtet. Diese massive Demonstration der Eleganz ist so französisch wie mein Croissant zum Frühstück. Ich weiß nicht wirklich, was ich von dieser Lebensweise halte, aber ich kann sagen, dass der Charme des Ortes einen mit Leichtigkeit um den Finger wickelt.

Luxuriöses Grand Hotel an der Küste von Cabourg mit einer eleganten Fassade und einem goldenen Sandstrand im Vordergrund.
Das Hotel vom Strand aus
Das Grand Hotel in Cabourg, umgeben von bunten Blumen im Vordergrund und unter einem klaren blauen Himmel.
Das Hotel aus dem Ort heraus

Der Komparativ der Eleganz wird allerdings in Deauville erreicht. Wobei diese Eleganz sich am Anfang weniger zeigt. Es herrscht Verkehrschaos. Fast alle Straßen sind gesperrt, die Franzosen fahren wie Briten und alle Parkplätze sind belegt. Nach langem Hin und Her findet sich ein freier Parkplatz in einem Parkhaus. Das Auto links von uns ist ein Ferrari und das Auto rechts von uns ist ein abgestelltes Segelboot. Der Charakter der Stadt wird schnell deutlich. Casinos, Rennbahnen, das Strandbad, Villen und die Promenade – hier steht der Luxus im Vordergrund und nicht die Natur oder der Mensch. Materialismus bis zur Unendlichkeit. Eine interessante, befremdliche, aber ehrlicherweise gar nicht so unschöne Erfahrung.

Es ist mittlerweile später Nachmittag und in der spätsommerlichen Sonne strahlt der Strand eine unermessliche Schönheit aus. Die Wellen des Atlantiks ziehen einen immer wieder näher an das Wasser heran. Die Wellen verschlingen die Seele und befreien sie vom Luxus und lassen sie sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

Ein weitläufiger Sandstrand mit sanften Wellen und einem dramatischen Himmel voller Wolken, der eine ruhige Küstenlandschaft darstellt.
Die traumhaften Strände von Deauville
Ein wunderschöner Strand mit sanften Wellen, die gegen den sandigen Uferbereich schlagen. Der Himmel ist mit weißen, fluffigen Wolken bedeckt, während die Sonne für eine helle und freundliche Atmosphäre sorgt.
Die befreienden Wellen des Atlantiks

Aufgrund dieser Schönheit und des Luxus‘ hat es schon viele Prominente nach Deauville verschlagen. Am Strand stehen circa 250 Umkleidekabinen und an jeder dieser Kabinen steht der Name eines Prominenten, der schon mal hier war. Meine beiden Lieblingsschauspieler finde ich auch.

Zwei weiße Holzgeländer mit den Namen von berühmten Schauspielern, darunter Harrison Ford und Sean Connery, vor einem Gebäude mit Artistik-Grafik an der Wand.
Eure Wahl war weise!

Für den Rückweg wollen wir zurück zur Hauptstraße, damit wir uns besser orientieren können. Doch es gibt da ein Problem. Ein riesiger roter Teppich ist im Weg. Denn in diesem Ort finden jährlich die amerikanischen Filmfestspiele statt und zwar genau dann, wenn wir da sind. Das erklärt das Verkehrschaos. Der Teppich ist umzäunt, damit niemand durchläuft. Um den Zaun herum ist eine Hecke. Wir schlagen uns durch die Hecke. Die Security erkennt schnell, dass wir nur zwei hilflose Touristen sind und lässt uns die letzten Meter über den roten Teppich laufen. Ich kann es kaum glauben, ich laufe über denselben roten Teppich, auf dem am Tag zuvor der Erschaffer einer meiner Lieblingsfilme* posiert hat. Ich stehe buchstäblich in den Fußstapfen zahlreicher Legenden der Filmkunst.

Eingang zum Festival du Cinéma Américain in Deauville, mit roten Teppich, Sicherheitskräften und mehreren Fahnen vor einer Wolkenlandschaft.
But I guess we keep going through it because most of us need the eggs.

Den Superlativ des persönlichen Luxus erleben Reisende im Nachbarort Trouville-sur-Mer. Unserer heutigen Endstation. Die kleine Schwester von Deauville liegt direkt daneben und lässt sich bereits von Deauville aus erblicken. Zentrum des Ortes ist das Casino mit dem benachbarten Hotel – unsere Unterkunft für die letzte Nacht in Frankreich.

Blick auf den Hafen von Cabourg mit zahlreichen Booten, einem Casino und malerischen Gebäuden im Hintergrund unter einem wolkigen Himmel.
Trouville-sur-Mer mit seinem Casino zur Linkem

Die Anfahrt zum Hotel ist aus Verkehrssicht die Hölle und die Parkplatzsituation ist noch schlimmer, aber irgendwann haben wir es geschafft. Es geht zum Einchecken. Die letzten Nächte haben wir in kleinen billigen Hotels am Ende der Welt verbracht – wir brauchten ja nur ein Bett zum Schlafen. Das Hotel ist nun etwas anders. Beim Betreten des Hotels bin ich überwältigt. Es ist so, wie ich mir ein französisches Hotel in einem noblen Seebad vorstelle. Mein Vater mahnt zur Vorsicht, denn nicht alles, was glänzt, ist Gold. Und während die Lobby den Luxus darstellt, ist das Zimmer wenig überzeugend. Die Raumaufteilung ist jenseits von Gut und Böse und funktionierende Lampen scheinen ein Fremdwort zu sein. Bevor wir wieder aufbrechen, möchten wir noch ein kleines menschliches Bedürfnis erledigen. Allerdings lässt sich nirgends eine Toilette entdecken. Die Toilette ist hinter einer Schiebetür neben dem Kleiderschrank. Sie ist de facto nur eine Erweiterung des Kleiderschranks. Das hatte ich so auch noch nie.

Nach dieser neuen kulturellen Erfahrung geht es zum wenige Meter entfernten Strand. Schon bei der Anfahrt an das Hotel hat mich ein kleiner Steg gefesselt. Jetzt, wo die Dämmerung naht, erstrahlt eine unglaubliche Schönheit. Ein Tag kann kaum schöner ausklingen als dieser!

Blick auf den Strand und das Meer mit einer Person, die am Wasserrand steht, während sich Wolken über dem Himmel ziehen.
Götterdämmerung
Blick auf einen Leuchtturm am Ende eines Holzstegs, der in das ruhige Wasser ragt, vor einem bewölkten Himmel während der Dämmerung.
Ein Steg zum Verlieben

Nach dem Spaziergang am Strand geht es zur belebten Promenade. Wir lassen den Tag noch mit einem Cidre ausklingen – Kommunikationsprobleme inklusive. Bevor es dann nach einiger Zeit zurück zum Hotel geht, verschlägt es uns noch mal zum nahegelegenen Strand. In der nahen Düsternis strahlt er umso schöner.

Bei Dämmerung zeigt sich der leere Strand mit sanftem, goldenem Sand und den Wellen des Atlantiks, während die Stadtlichter im Hintergrund langsam erleuchten.
Der Strand von Trouville-sur-Mer kurz vor Sonnenuntergang

Am Strand verweilen wir noch einige Zeit und lassen die vergangenen Tage Revue passieren. Wir genießen dabei das schönste Naturereignis dieses Planeten – einen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang über dem Meer mit einem Leuchtturm und wolkenverhangenen Himmel.
Tu sais… quand on est tellement triste on aime les couchers de soleil…

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Die Reise erfolgte im September 2019

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Eine Antwort zu „Entdeckungsreise durch die Normandie: D-Day Geschichte und Freiheit“

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