The long and winding road – Schottland 6/6

Nessi, der Effzeh, atemberaubende Natur und wieder die Beatles. So lässt sich der sechste Tag meiner Rundreise durch Schottland im Jahr 2017 beschreiben. Im Finale der Reise zeigt Schottland seine schönste Seite und ich begebe mich auf die Suche. Nur was suche ich?

Der Morgen

Ich bin definitiv schon an schöneren Orten aufgewacht. Über das Hotel habe ich mich ja schon am gestrigen Tage ausgelassen. Das Frühstück ist wie in meinem Lieblingsfilm so passend beschrieben: schrecklich und dann auch noch so wenig. Ich bin einfach nur froh, als wir diesen Ort verlassen. Es kann von jetzt an nur noch besser werden.

Die schottische Natur versucht rasch sich zu versöhnen und so dauert es nur wenige Minuten, bis ich wieder von diesem Land begeistert bin. Meine Laune ist wieder wundervoll. Das Wetter leistet auch wieder seinen Beitrag und die grauen Wolken des gestrigen Abends sind wieder verschwunden.

Corrieshalloch Gorge

Nachdem es eben wieder aufwärtsging, geht es jetzt wieder abwärts. Jetzt aber in der schönen schottischen Natur. In der unaussprechbaren Schlucht schlägt die raue Schönheit wieder voll und ganz zu.

Rau. Wild. Schottisch.

Es ist aber nicht nur die Schlucht, die den Ort so wunderbar macht. Der Hin- und Rückweg verläuft durch ein kleines bisschen Wald. Die strahlend grünen Bäume und die Stille haben eine unfassbar befreiende und beruhigende Ausstrahlung. Nach der Schnelligkeit der Schlucht bildet der Wald die entsprechende Antithese, die paradoxerweise in kompletter Harmonie zum Vorherigen steht. So verlasse ich vollkommen ausgeglichen, aber leider viel zu schnell diesen Ort.

Sanft. Ruhig. Schottisch.

Und ja, der Weg ist wieder Teil des Ziels. Die Natur ist atemberaubend. Die grünen Wiesen, die Berge, das Schimmern der Sonne in den Lochs, all das macht diesen Ort so traumhaft. Ich fühle mich fast schon überwältigt von solcher Schönheit. Womit habe ich diese gesamte Schönheit verdient? So viel Schönheit, dass ich sie unmöglich adäquat würdigen kann. Die Reizüberflutung der Freude lässt mich fast schon wieder an das Gute in der Welt glauben. Das Schöne und Gute wird immer siegen, man darf die Hoffnung nur nicht aufgeben.

Atemberaubende Schönheit
Womit habe ich das verdient?
Loch Ness

Was wäre Schottland nur ohne Nessi? Das niedliche Seemonster gehört wahrscheinlich so fest zu Schottland wie Whisky zu Schottland gehört. Bevor es also zum richtigen Loch Ness geht, geht es zum Loch Ness Exhibition Center, wo einem erst einmal die Geschichte von Nessi beigebracht wird. Funfact am Rande: Es wurde sogar mal höchst wissenschaftlich bewiesen, dass keine unbekannte Lebensform im Loch Ness wohnt, aber wer hört schon auf die Wissenschaft… Und so geht die Suche immer weiter.

Nessi oder nicht Nessi, das ist hier die Frage.

Und ich hatte es am Anfang ja bereits versprochen, die Beatles sind auch heute wieder dabei!

We all live in a yellow submarine

So, jetzt geht es aber an den See. Allerdings auch nicht direkt an den See. Bevor es direkt ans Wasser geht, geht es in das Besucherzentrum von Urquhart Castle. Das ist eine mittelalterliche Burgruine, die direkt am Loch Ness liegt. So interessant die Geschichte sein mag, so größer ist meine Ungeduld, endlich an Loch Ness heran zu gehen. Nach der ganzen Zeit im Bus endlich wieder raus in die freie Natur zu gehen.

Nach einer Weile sind wir dann endlich draußen und sehen Urquhart Castle. Es ist ein überwältigender Anblick. Die Ruine, wie sie mitten in der herrlichen Natur steht, umringt von funkelndem Wasser, strahlendem Gras und majestätischen Bergen. Die Kombination aus Natur und der Ruine menschlichen Schaffens ist wahrlich besonders. Es erinnert fast ein wenig an das Mittelrheintal, doch ist es irgendwie anders, aber nicht weniger schön.

Romantik wie sie im Buche steht.

Und dann habe ich es geschafft, ich stehe endlich am Loch Ness. Es sah schon aus der Ferne bezaubernd aus, aber der Anblick aus der Nähe ist überwältigend. Ich weiß nicht, wie ein See es schaffen kann, so schön auszusehen, aber er tut es. Das schimmernde Strahlen des Wassers strahlt eine solche Lebensfreude aus, das ist kaum in Worte zu fassen. Am letzten Tag zeigt Schottland noch mal die schönsten Seiten seiner Natur. Es ist einfach herrlich!

Lebensfreude

Aber leider hat alles Schöne wie so oft auch ein Ende und so geht es für uns wieder weiter. Fort Augustus ist ein schöner Ort mit einer traditionsreichen Schleuse, aber es scheint einfach nur unfair, diesen Ort mit dem Vorherigen zu vergleichen. Die Nessi-Badeente, die ich aus dem Ort habe, ist aber bis zum heutigen Tage eine treue Begleiterin.

Fort Augustus

Es geht weiter durch die Highlands, bis wir im absoluten Niemandsland sind. Komischerweise kam aber irgendwann mal jemand auf die Idee, dass das absolute Niemandsland der perfekte Ort für ein riesiges Denkmal ist. Und so steht mitten in der wunderschönen Natur ein Denkmal für die Soldaten Schottlands im Zweiten Weltkrieg. Das trübt natürlich die Stimmung etwas. Dafür ist die Umgebung umso schöner. Ben Nevis, der höchste britische Berg, ist nicht weit entfernt. Und auch sonst ist die Natur kontinuierlich traumhaft.

Die Schönheit des Niemanslandes
Glencoe

Nächster Halt: Glencoe Woodland Walk. Die Anblicke aus dem Fenster des Busses waren schon die letzten Kilometer wundervoll. Endlich halten wir wieder und ich kann dieses Wunderwerk der Schönheit aus nähster Nähe betrachten. Auf einem kleinem Pfad wandern wir durch das strahlende Grün des Glencoe. Es ist majestätisch.

Majestätische Pfade

Nach einer kurzen Weile auf dem Pfad, die sich wie eine majestätische Ewigkeit angefühlt hat, erreichen wir eine Art Aussichtspunkt. Es ist ein himmlischer Anblick. Die Schönheit des Ortes lässt sich gar nicht beschreiben. Mein Herz blüht vor lauter Freude so auf, wie die Natur es im Frühling macht. Es ist einfach traumhaft. Ich weiß gar nicht wirklich, wie ich mich fühlen soll, so schön ist es. Ich könnte für immer hier stehen bleiben!

Es heißt, das Beste kommt zum Schluss, und es ist zwar noch nicht das endgültige Finale der Reise, das Beste war es aber definitiv. Glencoe ist definitiv einer der schönsten Orte, an dem ich jemals war und definitiv der schönste Ort in ganz Großbritannien. Ich bin so glücklich, dass ich hier sein kann und umso glücklicher, dass ich bei diesem phänomenalen Wetter hier sein kann.

The long and winding road to Loch Lommond

Die Reise geht weiter. Die Straßen sind so schön, wie sie es gestern schon waren. Und so kommen die Beatles mit ihrer Musik heute noch ein zweites Mal wieder in meinen Kopf. Und während der Weg immer weiter geht, versinke ich immer mehr in meinen Gedanken.

But still they lead me back
To the long winding road
You left me standing here
A long, long time ago
Don’t keep me waiting here
Lead me to your door

The Bonnie Banks of Loch Lomond, Loch Lomond ist nicht nur der größte See Schottlands, sondern auch der schönste See Schottlands – sorry Nessi! Ich bin überwältigt, wie nach dem wunderschönem Anblick am Vormittag ein See noch schöner sein kann. Positive Überraschungen sind aber auch schließlich das, was unser Leben und das Reisen erst so richtig schön machen. Loch Lomond hat aber auch einen gewaltigen Vorteil. The Bonnie Banks of Loch Lomond ist auch der Titel eines der schönsten schottischen Volkslieder. Aber auch ohne diese musikalische Unterstützung hätte Loch Lomond dieses Rennen gewonnen. Wunderschön ist es hier allemal. Die Highlands verabschieden sich in vollkommener Schönheit.

By yon bonnie banks and by yon bonnie braes,
Where the sun shines bright on Loch Lomond.
Where me and my true love were ever wont to gae,
On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond.

Ein kleiner Funfact noch zum Abschluss: Die Melodie des Liedes ist auch die Melodie der Hymne des 1. FC Kölns. Lieber effzeh: Mer stonn zo dir!

Glasgow

Am Abend kommen wir dann in Glasgow, der größten Stadt Schottlands, an. So schön der Tag auch war, so anstrengend war er auch. Von Ullapool bis Glasgow sind es auch gut 350 Kilometer und das Programm des Tages war auch nicht gerade wenig. Den Tag lassen wir wundervoll und ganz schlicht mit einem Spaziergang an der Promenade des Clyde ausklingen.

Finale
Fazit

Nein, ich habe nicht Nessi gesucht. Eine Reise nach Schottland ist nicht nur eine Reise nach Schottland. In Schottland beginnt die eigentliche Reise – die Reise zu einem selbst. Nosce te ipsum! Erkenne dich selbst! In der schottischen Natur erkennt man, was Schönheit, was Sehnsucht, ja was Freiheit ist. Man erkennt sich selbst. Man wird inspiriert, seine Ziele und Wünsche zu suchen und in Erfüllung zu bringen. Wenn du etwas wirklich willst, dann musst du nicht nur sagen, dass du es willst, du musst auch so handeln. Wenn du Welt sehen willst, dann geh‘ raus in die Welt! Erkunde die Welt und erkenne dich dabei. Also los geht’s, auf in die Welt!

7 Kommentare zu „The long and winding road – Schottland 6/6

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