Die Tschechen, die ich treffe, überbieten sich in Unfreundlichkeit, aber davon lasse ich mich nicht stören. Ich wandere unbeirrt weiter durch die Stadt und erkunde das nächste Land meiner Reise. Prag wirkt dunkel und düster. Das mag am Regen liegen, aber es gibt hier auch viele gotische Kirchen und Türme, die alle nicht aus den hellsten Steinen sind. Eine düstere Abwechslung tut der Reise gut.

Das Herz Prags ist einer der ältesten Plätze in ganz Prag. So gehen die Ursprünge des Altstädter Rings bis in das 10. Jahrhundert. Hier stehen die St. Nikolauskirche, die berühmte und große Teynkirche oder das historische Rathaus mit einer der ältesten Uhren Europas. Es ist noch früh und der Platz ist zum Glück noch nicht ganz überlaufen. Die Kirchen sind imposant, aber die italienischen Kirchen haben mich verdorben.



Und irgendwie verfolgt mich dieser Mozart aus Salzburg. In Prag fand einst die Uraufführung einer seiner besten Opern statt. Vor der Oper erinnert eine Statue an den legendären Don Giovanni.

Nachdem ich auf dieser Reise schon eine der ältesten Universitäten Europas gesehen habe, steht jetzt noch die älteste Universität des Heiligen Römischen Reiches an. Die Karlsuniversität existiert seit 1348. Der historische Charme ist noch spürbar, aber leider nicht mehr so stark wie an manch anderer Universität.

Prag hat ein großes historisches jüdisches Viertel mit vielen schönen Ecken und interessanten Museen und Synagogen. Selbst wenn das Viertel eher für die düsteren Kapitel der Geschichtsbücher steht, so strahlt es jetzt eine besondere Lebendigkeit aus. Ich komme auch hier in den Genuss von Baumstriezeln. Die Süßspeise deckt meinen Kalorienbedarf für die nächsten 2-3 Tage.


Ich wandere ein wenig im Grau des Tages und versuche, Land und Leute zu verstehen. Entlang der Moldau bildet sich eine schöne Aussicht. Und in der Stadt fällt auf, wie wenig Tschechien-Flaggen ich sehe, aber wie viele Flaggen der Ukraine ich sehen kann.


Ich überquere die Moldau und habe eine schöne Sicht auf die Karlsbrücke. Die Brücke aus dem 14. Jahrhundert ist eine der bekanntesten Touristenattraktionen Prags. An die römische Brücke aus Rimini kommt sie alterstechnisch nicht ran.
Prag ist für seine alten Straßenbahnen bekannt. Der historische Charme der Straßenbahn passt perfekt zum historischen Ausdruck der Stadt.


Die Prager Burg ist ein anderer Höhepunkt. Hier ist die Bezeichnung „Höhepunkt“ übrigens wörtlich zu verstehen, denn ich muss wieder einige Höhenmeter auf mich nehmen. Bevor ich das Burggelände betreten kann, gibt es einen Sicherheitscheck. Am Rande sei der Form halber erwähnt, dass die Burg UNESCO-Welterbe ist. Auf dem Burggelände befindet sich der Veitsdom. Hier fanden über Jahrhunderte die Krönungen der böhmischen Könige statt. Die Schlange vor dem Dom ist länger als die vom Markusdom. Die Schlange bewegt sich zwar schneller als in Venedig, dafür ist der Dom komplett überfüllt und laut. Es ist zwar eine Sehenswürdigkeit mit Eintritt und keine Kirche mehr, aber können Menschen nicht trotzdem kurz leise sein? Der Anblick der schönen bunten Fenster lenkt immerhin ein bisschen ab und ist den ganzen Trubel wert.


Neben dem großen Dom gibt es noch eine kleine Basilika auf dem Gelände der großen Burganlage. Die Basilika ist wesentlich älter. Sie ist viel einfacher und naturbelassener.

Aber auch der Burgcharme darf auf dieser großen Burganlage nicht zu kurz kommen. Dafür ist die Zlatá ulička u Daliborky zuständig. Mittlerweile ist die Straße mehr Instagram-Influencer-Hotspot als Burganlage. Der mittelalterliche Charme ist aber zumindest noch etwas da.

Und natürlich war die Burg auch einst Herrschaftssitz der böhmischen Könige. Der Thronsaal wirkt erstaunlich schlicht für die Bedeutung des Königreiches. Viel wichtiger sind in der Residenz die Fenster. Schön sind sie nicht, aber historisch sind es mit die bedeutendsten Fenster der europäischen Geschichte. 1618 fand hier der Zweite (ja wirklich schon der Zweite!) Prager Fenstersturz statt. Die Folge dieses Fensters sind 30 Jahre Krieg und Zerstörung in Europa.

Mittlerweile regnet es und der Weg zurück nach unten über das nasse Kopfsteinpflaster wird zur Rutschpartie.

Es geht weiter zu einem ganz besonderen historischen Ort. Es geht zur deutschen Botschaft in Prag. Ihr Balkon ist fast so berühmt wie der Balkon in Verona. 1989 hat hier Hans-Dietrich Genscher – der beste Außenminister in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – den berühmtesten Halbsatz der Deutsch-Deutschen-Geschichte ausgesprochen.

In fast schon italienischer Tradition geht es in eine Kirche. Die Kirche des Heiligen Nikolas ist nicht irgendeine Kirche. Es ist die imposanteste Barockkirche, die ich außerhalb Italiens gesehen habe.

Weiter im Regen geht es für mich über die bekannte Karlsbrücke. Auch hier ist wieder Vorsicht geboten, damit ich nicht hinfalle. Sonst stört mich der Regen zum Glück weniger, ich habe meine Kapuze.

Es sind noch knapp 45 Minuten durch den Regen, bis ich am letzten Ziel des Tages angelangt bin. Es ist eine Kirche. Gotisch. Die Stimmung passt sich dem Wetter an. Auf dem Weg zur Vyšehrad finde ich aber auch einige architektonisch interessante Werke.

Die letzte Kirche ist aber mehr als nur eine imposante gotische Kirche. Sie ist auch Burganlage und Friedhof. Hier liegen die Komponisten Antonin Dvořák oder Bedřich Smetana.


Die Reise erfolgte im Oktober 2022

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