Tag 13 – Renaissance, Olymp und Heilige

Ein frisch bestandenes Staatsexamen und ein Interrail Ticket für einen Monat: Darum geht es in der Reihe Mein Monat. Bevor du diesen Beitrag liest, ist es vielleicht sinnvoll, erst die vorherigen Beiträge zu lesen.

Donnerstag, 13. Oktober 2022 – Tag 13

Wenn man schon ein Einzelzimmer hat, dann kann man wenigstens auch mal den Schlaf genießen. Die Erholung kann ich auch gebrauchen. Schließlich liegt heute wieder ein anstrengender Tag vor mir. Bis zum Bahnhof laufe ich wieder eine Stunde, ehe ich im Zug die wunderschöne Landschaft der Felder & Weinreben im goldenen Licht der morgendlichen Sonne genießen kann. An dieser Stelle sei auch mal die immer pünktliche und zuverlässige italienische Bahn gelobt!

Vicenza. Wenn dir Vicenza nichts sagt, dann ist das kein Problem. Ich kannte es vorher auch nicht. Anscheinend hat aber Andrea Palladio hier ein Meisterwerk der Architektur der Renaissance hinterlassen. Daher ist die Stadt auch UNESCO-Welterbe. Wobei bei dieser großen Anzahl an Welterbestätten der letzten Tage ich mich schon frage, welche Stadt in Italien eigentlich kein Welterbe ist.

Ich habe keinen festen Plan für die Stadt und lasse mich einfach durch die Schönheit der Renaissance treiben. Das eine Haus sieht schöner als das andere aus. Im Trubel des italienischen Wochenmarktes versuche ich nicht unterzugehen. Es gelingt mir zum Glück und so kann ich einfach die Kultur und Geschichte Italiens genießen.

Säulen
Und noch mehr Säulen

Der wahrscheinlich berühmteste Gast Vicenzas ist aber nicht der Sehnsuchtsbummler gewesen, sondern kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe. Mein Lieblingsfrankfurter hat nämlich während seiner großen Italienreise selbst einige Tage in Vicenza verbracht. So soll ihn auch die Stadt am meisten verzaubert haben. In meinen Augen auch nicht ganz ohne Grund. So schrieb er in seinem Reisebericht Folgendes:

„Vor einigen Stunden bin ich hier [in Vicenza] angekommen, habe schon die Stadt durchlaufen, das Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen. Man hat ein sehr artiges Büchelchen mit Kupfern zur Bequemlichkeit der Fremden herausgegeben mit einem kunstverständigen Texte. Wenn man nun diese Werke gegenwärtig sieht, so erkennt man erst den großen Wert derselben; denn sie sollen ja durch ihre wirkliche Größe und Körperlichkeit das Auge füllen und durch die schöne Harmonie ihrer Dimensionen nicht nur in abstrakten Aufrissen, sondern mit dem ganzen perspektivischen Vordringen und Zurückweichen den Geist befriedigen; und so sag‘ ich vom Palladio: er ist ein recht innerlich und von innen heraus großer Mensch gewesen.“

– Johann Wolfgang von Goethe

Das größte Highlight von Vicenza ist sicher das Teatro Olimpico. Und das sage ich nicht nur, weil ich ein großer Liebhaber der italienischen Oper bin. So ist dieser Ort wirklich ein himmlischer und göttlicher Ort. Das Theater macht seinem Namen alle Ehre. So fühle ich mich hier wirklich wie auf dem Olymp.

Der Begriff Renaissance kommt übrigens von dem Begriff der Wiedergeburt. Während es bei der Renaissance um die Wiedergeburt der Antike geht, habe ich das Gefühl, dass ich während dieser Reise auch wiedergeboren werde. Nach den zerrenden letzten Wochen fühle ich mich jetzt wie wiedergeboren und voller neuer Energie.

Sonnige
Wiedergeburt

Am frühen Mittag kommt jetzt die Sonne auch so richtig zum Vorschein. Mit dem großen schweren Rucksack beginne ich tatsächlich auch im Oktober etwas zu schwitzen. Zum Glück hat Vicenza auch einen kleinen Park der Schatten spendet. So schön die menschliche Kultur in Italien auch sein mag. An der Schönheit der Natur kommt kein Gebäude jemals vorbei. Unterstützt wird meine These durch ein paar kleine Kaninchen, die glücklich durch den Park hoppeln.

Beweisstück A
Beweisstück B

Die Tatsache, dass Vicenza natürlich auch noch eine schöne Kirche hat, setze ich übrigens mal als bekannt voraus. Wir sind schließlich in Italien. Aber ich denke, es ist besser, wenn ich bald Italien verlasse. Es ist so schön, dass man fast abgestumpft wird. Jede Kirche ist ist im Vergleich zu den deutschen besonders. Selbst die kleinsten Kirchen sind im Inneren eine ganz neue Welt. Aber durch die schiere Menge verlieren sie ihre Einzigartigkeit und man hat fast das Gefühl, dass es nichts besonderes ist, was ja nicht stimmt. So sind sie zwar besonders aber doch auch ähnlich zu den anderen italienischen Kirchen. Von daher Abwechslung ist das beste Mittel im Kampf gegen die Abstumpfung des Gewöhnlichen. Wer viel Neues erlebt, wird viel mehr lieben lernen, als wer sich auf eine Sache konzentriert

Padua

Wer hätte es gedacht, aber Padua ist natürlich auch UNESCO-Welterbe. Die Stadt hat sogar 2 Welterbestätten. Die Kultur kommt heute also auf keinem Fall zu kurz. Und eigentlich habe ich es ja nicht so mit der Kunst – die treue Leserschaft kennt das ja bereits. Aber in Italien muss ein Kunstmuseum einfach sein. Ich bin der Kunst schließlich ja auch immer möglichst offen gewesen. Warum also in meinem geliebten Italien nicht? Außerdem hat die Cappella degli Scrovegni nur Zeitfenstertickets und ich muss noch etwas Zeit sinnvoll nutzen. Im Museum erkenne ich dank des Städels sogar Tizian. Also bin ich zumindest nicht ganz ungebildet.

Künstlerisches Italien

So nett das Museum auch war, so ist das wahre kunsthistorische Highlight Paduas nicht das Museum sondern jene Kapelle. Ich kenne zwar Giotto di Bondone nicht, aber anscheinend soll sein Fresko weltberühmt sein. Ich bin ehrlich, dafür kenne ich mich einfach zu wenig mit Kunst aus. Für’s Protokoll sei auch die eine Kirche neben dem Kunstmuseum noch erwähnt.

Rechts war schon immer die Hölle

Padua hat natürlich noch mehr als Kunst und Kirchen. So ist die Stadt auch die Heimat der zweitältesten italienischen Universität. Und wer bei dem Bericht zu Bologna aufgepasst hat, weiß, dass ich Universitäten liebe. Bekanntester Professor der Universität ist übrigens Galileo Galilei. Während dieser Zeit hat er einige seiner bedeutendsten Werke verfasst und konnte sich einen ersten Namen in der Welt der Naturwissenschaften machen. Aber noch heute greifen junge Leute in Padua nach den Sternen. So habe ich Glück, dass gerade eine Veranstaltung ist und ich heimlich mich in die große Aula schleichen kann. Die zusätzliche Studierendenkundgebung im Hof schafft auch noch zusätzlich Ablenkung. So kann ich fast unbemerkt durch die schönen historischen Gänge laufen.

Und sie bewegt sich doch!

Aber auch insgesamt hat Padua natürlich wieder ein schönes Stadtbild. Es ist eine schöne Kombination aus alt und neu. Aus Trubel und Gelassenheit. Und dann noch überall der Duft des guten Essens!

Der Palazzo della Ragione

Ich hatte ja schon erwähnt, wie besonders italienische Kirchen sind. Diese ist jetzt aber ganz besonders. Denn erstens ist der Weg dahin über den Prato della Valle mit seinen Brücken und über 70 Statuen ein ganz traumschöner Weg. Und zweitens ist die Basilika Santa Giustina ein wichtiger Ort für den Katholizismus. So liegt hier das Grab des Heiligen Lukas. Jener Lukas ist übrigens kein geringerer als der Lukas, der das Lukas Evangelium in der Bibel geschrieben hat. So ist die Kirche nicht nur schön, sondern wichtig und bedeutend zugleich.

Ihr aber sollt eure Feinde lieben und den Menschen Gutes tun. Ihr sollt anderen etwas leihen, ohne es zurückzuerwarten. Dann werdet ihr reich belohnt werden: Ihr werdet Kinder des Höchsten sein. Denn auch er ist gütig zu Undankbaren und Bösen. 36 Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist! – Lukas 6:35-36
Und wenn er dir siebenmal am Tag Unrecht tut und dich immer wieder um Vergebung bittet: Vergib ihm. – Lukas 17:4

Neben Religion und Astronomie gibt es in Padua aber auch noch die Botanik. So ist die Stadt auch die Heimat von einem der ältesten botanischen Gärten Europas, der natürlich auch UNESCO-Welterbe ist.

Zum Glück hatte ich auch Botanik mim Studium

Und dann gibt es noch die Kirche des Heiligen Antonius. Wobei ich es schon etwas schade finde, dass der Heilige Antonius eine so große Kirche hat und vor seinen Reliquien einige riesige Schlange ist und ich trotzdem nicht weiß, wer das überhaupt ist. Zu meiner Verteidigung, ich bin nicht Kirchenmitglied. Aber ich werde diese Bildungslücke zu Hause wohl schließen müssen. Interessant ist auch, dass es so viele Reliquien von ihm gibt, dass ich mich schon frage, was überhaupt noch in seinem Grab liegt. Diese riesige Wand von Reliquien ist aber mehr als imposant, beeindruckend, gigantisch und überwältigend. Die Kirchen Paduas sind wirklich eine Klasse für sich.

„Gottes Schutz scheint uns leicht entbehrlich, solange wir ihn besitzen. Zu unserem eigenen Nutzen und Wohl entzieht ihn Gott zuweilen, damit wir erkennen, dass ohne Gottes Schutz der Mensch ein reines Nichts ist.“
„Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat.“
„Kommt der Geist eines Menschen vor zeitlichen Sorgen nicht zur Ruhe, so kann er Gott nicht näher kommen.“

Den Abschluss des Tages hat dann aber die weltliche Macht. Wobei La Specola nicht ganz so irdisch ist. So ist dieser Turm einst Sitz der astronomischen Fakultät gewesen. Aber da ich auch immer nach den Sternen greife, ist das Ende des Tages so perfekt.

Und dann geht es für mich mit dem Zug in die nächste Stadt. Welche das ist, verrate ich noch nicht. Das soll noch ein kleines Geheimnis bleiben. Günstiger war wieder ein kleines Einzelzimmer in einem Hotel/Motel als ein Zimmer im Hostel. Allerdings hat das Zimmer Minus Einen Stern und Steckdosen, die so antik sind, dass ich aus purem Überlebenswillen dann doch lieber meine Powerbank nutze.

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5 Kommentare zu „Tag 13 – Renaissance, Olymp und Heilige

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