Tag 12 – La dotta und auf den Spuren Julias

Ein frisch bestandenes Staatsexamen und ein Interrail Ticket für einen Monat: Darum geht es in der Reihe Mein Monat. Bevor du diesen Beitrag liest, ist es vielleicht sinnvoll, erst die vorherigen Beiträge zu lesen.

Mittwoch, 12. Oktober 2022 – Tag 12

Sollen sie doch Kuchen essen! Das beschreibt perfekt mein wunderbares Frühstück. Schlemmen muss heute auch sein. Schließlich heißt Bologna nicht ohne Grund auch „la grassa“ zu deutsch „die Fette“. Die italienische Küche soll heute auch ausgekostet werden. Gestärkt geht es dann für mich in die Altstadt.

Bologna ist für seine Arkadenbögen übrigens UNESCO-Welterbe. Einen Mangel an Bögen kann ich auf den ersten Metern auch definitiv nicht feststellen.

Rundungen in schwarz-weiß

Die Bögen führen mich auch ohne Umwege zum Piazza Maggiore. Dort finden sich das Rathaus der Stadt, eine riesige gotische Kirche, zahlreiche historische Gebäude und der Neptunbrunnen. Ganz wichtig ist auch die Gruppe von Straßenmusikern, die mit feinsten Saxophon- und Tubaklängen die Musik meines Lieblingshelden über den Platz verteilen.

Das fette Rathaus
Warum steht bei la grassa eigentlich Neptun und nicht Bacchus?

Die Basilica San Petronio ist natürlich wieder ein monumentales und imposantes Gebäude. So ist sie äußerlich nicht nur wahnsinnig groß, sondern innerlich auch riesig und atemberaubend. Die Kirche wird nicht ohne Grund vom Militär bewacht.

Alles nur Fassade?
Natürlich nicht!

Wofür ist Bologna aber eigentlich bekannt? Wahre Nerds wissen das natürlich. Bologna ist die Heimat der ältesten Universität Europas. Fast eintausend Jahre ist die Universität schon alt. Und du weißt sicher, dass ich alte Universitäten und Bibliotheken liebe. Denn eine jede gute Universität hat natürlich auch eine schöne alte Bibliothek. Bücher sind der Weg zur Freiheit und Freiheit ist der Weg zum Glück. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, dass neben der Bibliothek der historische Anatomiehörsaal ist. Der geschichtsinteressierte Pharmazeut in mir ist vollkommen begeistert. Glück und Freiheit wollte ich auf dieser Reise finden und eben habe ich beides wieder etwas mehr gefunden.

Für’s Protokoll sei mal erwähnt, dass ich die Vorlesung Anatomie und Physiologie im Studium mit 1,0 bestanden habe
Warum war der Campus Riedberg nur so langweilig?

Natürlich gibt es in Bologna auch mehr Kirchen als Bücher in dieser Bibliothek. Ich sehe nicht alle, aber an den wichtigsten Kirchen führt auch mein Weg vorbei. Geleitet werde ich natürlich von den Arkaden Bolognas. Aber es gibt auch mehr als nur Bögen in Bologna. Die berühmten 2 Türme der Stadt (mitsamt Kirche natürlich) liegen auch noch auf meinem Weg.

Alles hat seine Ecken und Kanten – alles außer Bologna
Le due Torri: Garisenda e degli Asinelli

Und dann geht es für mich auch in das direkte Herz Bolognas – die Alma Mater Studiorum – Università di Bologna. Nach knapp tausend Jahren ist dieser elitäre Ort jetzt mehr eine Ansammlung grüner Kräuter, die noch mehr stinken als in Amsterdam und eine Ansammlung kubanischer Flaggen. Kaum hat das Land eine rechte Regierung, rufen die Studierenden hier die Revolution aus. So muss das sein oder auch nicht. Ich will jetzt nicht über Politik reden. In eine Kampfrede bin ich trotzdem fast reingestolpert. Ich schleiche mich an den Kuba Flaggen vorbei und mache mich heimlich auf den Weg zu den historischen Gängen der Universität und spüre die Weisheit von 1000 Jahren akademischer Bildung. Also das und eben den Duft von Cannabis.

Ein hoch auf die freien Künste

Der Pharmazeut möchte aber natürlich auch in die pharmazeutische Fakultät. Die teilt sich das Haus mit der Anatomie. So werde ich erst einmal von einem Haufen an Totenköpfen begrüßt. Das hat auch was als Eingangsdekoration. Weiter oben im Haus befindet sich aber noch die anatomische Sammlung, wo mit Wachsfiguren alles dargestellt ist, was man sich anatomisch vorstellen kann. Und wenn ich sage alles, dann meine ich alles. Ist sicher nichts für schwache Nerven, aber für mich genau das richtige und interessante.

Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage

Mein Weg führt mich dann noch durch den botanischen Garten der Universität, ehe ich mich auf den Zug in die nächste Stadt mache. Glück und Freiheit habe ich in Bologna gefunden. Aber finde ich jetzt noch die Liebe?

Verona

Verona. Das bedeutet entweder Oper oder Romeo & Julia. Viel mehr verbinde ich mit dieser Stadt gar nicht. Aber brauch ich eigentlich noch unbedingt mehr? Oder langt das nicht einfach schon?

Der Bahnhof von Verona liegt zumindest schon einmal etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Im Zug haben sich meine Schultern ohne Rucksack so frei und leicht angefühlt. Das ist jetzt wieder zu Ende. So schön diese Reise auch ist, so ist sie dennoch anstrengend.

Den Anfang der Stadt macht der Piazza Bra. Groß und weiträumig. Italienisch und Herz der Stadt. Das eigentliche Herz steht direkt daneben. Das antike römische Amphitheater ist noch fast komplett erhalten und so noch heute kulturelles Zentrum der Stadt. Die Opernaufführungen in Verona sind weltbekannt und der Grund, warum Verona Tourismus Hotspot in Italien ist. Und auch ich werde eines Tages wieder zurück nach Verona fahren, um dieses kulturelle Meisterwerk genießen zu können.

„Love’s a mighty Lord, // And hath so humbled me, as I confesse // There is no woe to his correction, // Nor to his Seruice, no such ioy on earth.“ – William Shakespeare, The Two gentleman of Verona
„Home-keeping youth have ever homely wits.“ – William Shakespeare, The Two gentleman of Verona

In Verona befindet sich aber auch der berühmteste Balkon der Literaturgeschichte. So spielt hier schließlich das bekannteste Liebesdrama der Literaturgeschichte. Hier in Verona haben sich einst Romeo und Julia gefunden und inneinander verliebt. Der berühmte Balkon der Julia ist komplett voll. Meine Julia finde ich aber leider trotzdem nicht.

„It was the Nightingale, and not the Larke“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Das interessanteste an der norditalienischen Stadt ist aber, dass sie fast nur aus Touristen besteht und man stellenweise mehr deutsch als italienisch hört. Das finde ich natürlich sehr bedauerlich, so ist italienisch doch eine so wundervolle Sprache. Trotz der nordischen Einflüsse merke ich aber doch noch, dass ich in Italien bin. So ist die Pasta aus Verona auch einfach nur köstlich. Wer nach Italien fährt, der findet die Liebe (zum Essen).

What’s in a name? That which we call a rose, By any other name would smell as sweet.“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Neben der Pasta darf die Kirche natürlich nicht vernachlässigt werden. So hat Verona davon schließlich auch einen großen Überschuss. Der Dom von Verona steht somit auch auf dem Programm. Mittlerweile habe ich mich fast an die Imposanz der italienischen Kirchen gewöhnt. Das ist aber etwas surreal, denn wie kann man sich eigentlich an das Atemberaubende gewöhnen? Ich hoffe, die Flamme wird in den nächsten Tagen noch einmal neu entfacht, sonst wäre es fast ein bisschen schade. Ich möchte schließlich so viele schöne Momente erleben wie nur möglich. Aber rentiert hat sich die Reise jetzt schon tausendfach.

Verona hat aber mehr als Liebe, Oper und Kirche. So fließt auch der Etsch durch das kleine norditalienische Städtchen und verfeinert so das Stadtbild. Viel schöner als der Fluss, ist aber eigentlich die Aussicht auf das, was hinter dem Fluss in sehnsüchtiger Ferne liegt.

„Holy Saint Francis, what a change is here! Is Rosaline, whom thou didst love so dear, So soon forsaken? Young men’s love then lies – Not truly in their hearts, but in their eyes.“ – William Shakespeare, Romeo and Juleit
A glooming peace this morning with it brings; The sun for sorrow will not show his head. Go hence, to have more talk of these sad things; Some shall be pardon’d, and some punished: For never was a story of more woe – Than this of Juliet and her Romeo. – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Beim Gang durch die Gassen Veronas liegt der schöne Duft der italienischen Küche in der Luft. Ich bin zwar nicht mit den größten Kochkünsten gesegnet, aber bei diesem aromatischen Duft habe ich große Lust, meine Kochkünste zu verbessern und zu verfeinern.

Den vorletzten Punkt der Reise bildet der Arco dei Gavi. Natürlich hat Verona auch einen Triumphbogen. Irgendwie ist es ja schon schade, dass wir das heutzutage nicht mehr machen.

Dan krönenden Abschluss bildet dann die kleine Burg Veronas mitsamt der schönen Ponte Scaligero. Im Licht der untergehenden Sonne glühen die roten Ziegel scheinbar nur so vor Temperament, Leidenschaft und Schönheit. Das rote Feuerwerk passt wirklich zur Stadt der Oper und Julias. Rot wie die Liebe – Rot wie Verona.

„Too early seen unknown, and known too late!“ – William Shakespeare, Romeo and Juliet

Da alle Hostels bereits ausgebucht waren, schlafe ich in einem Motel etwas außerhalb der Stadt. Meine Füße tun zwar schon weh, aber mit einem schönen Sonnenuntergang vor Augen läuft sich die Stunde fast ganz von alleine. Und dafür habe ich immerhin heute Nacht ein Zimmer ganz für mich alleine.

A glooming peace this morning with it brings;
The sun for sorrow will not show his head.
Go hence, to have more talk of these sad things;
Some shall be pardon’d, and some punished:
For never was a story of more woe
Than this of Juliet and her Romeo.

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4 Kommentare zu „Tag 12 – La dotta und auf den Spuren Julias

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