Tag 5 – Die Höhle von Postojna

Ein frisch bestandenes Staatsexamen und ein Interrail Ticket für einen Monat: Darum geht es in der Reihe Mein Monat. Bevor du diesen Beitrag liest, ist es vielleicht sinnvoll, erst die vorherigen Beiträge zu lesen.

Mittwoch, 5. Oktober 2022 – Tag 5

So schön Italien auch war, so geht es heute für mich wieder Richtung Balkan. Slowenien wartet auf mich. Den Zug findet man am Bahnhof sehr leicht. Wobei ich das Prinzip der Einstiegs- und Ausstiegstüren sehr faszinierend und verwirrend finde, besonders wenn sich niemand daran hält. Ich fahre ein letztes Mal entlang der wunderschönen Küste, die am Morgen noch so ruhig und verborgen erscheint. Ich fühle mich im Zug richtig pudelwohl. Ich habe mich wirklich an dieses Leben gewöhnt. Die Reise könnte noch ewig und drei Tage gehen.

Kurz vor der Grenze kommt der Zugbegleiter und erzählt kurz etwas. Mein italienisch ist dafür aber leider noch zu begrenzt. Das Englische verstehe ich zwar aufgrund seines Akzentes auch kaum, aber anscheinend muss man in der Grenze den Zug wechseln und mit der slowenischen Bahn weiter fahren. An der Stelle sei mal ein Lob für die italienische und slowenische Bahn für ihre Pünktlichkeit ausgesprochen.

Es dauert nicht allzu lange, bis ich in Postojna ankomme. Die Stadt wirkt wie leer gefegt. Ich habe fast Zweifel, dass hier ein Tourismusmagnet sein soll. Aber bis ich dort ankomme, muss ich ohnehin noch etwas laufen.

Immer noch pünktlicher als die Deutsche Bahn

Bei den ganzen vernebelten Bergen in Slowenien bekomme ich ja auch immer wieder Lust auf einen Herr der Ringe bzw. Hobbit Marathon. Irgendwie muss ich immer daran denken, wenn ich die vernebelten Berge in der Ferne sehe.

Far over the misty mountains

Bei den Höhlen angekommen, entdecke ich direkt das Ehepaar von Tag 1, mit denen ich im Zug zusammen saß. Wie klein diese Welt doch ist. Die Führungen durch die Höhle werden nach den verschiedenen Sprachen aufgeteilt. Die Schlange für die deutsche Führung ist natürlich die längste. Und ich weiß selbst, dass ich ein deutscher Tourist bin, aber man kann mir sagen, was man will, aber die deutschen Touristen sind für mich immer die Schlimmsten.

Zunächst fährt man übrigens mit dem Zug durch die Höhle. Das erinnert mich jetzt sehr an meinen Lieblingsfilmhelden Indiana Jones und seine Abenteuer im zweiten Teil der Tetralogie. So schnell fährt die Bahn zwar nicht, aber ich fühle mich trotzdem wie ein echter Abenteurer.

Nach der Fahrt durch die Höhlen gibt es auch noch eine kleine Wanderung durch die Höhle. Der Begriff Naturspektakel ist bei Weitem eine Untertreibung für diese Schönheit der Natur. Ich bin immer wieder fasziniert, welche Schönheit die Natur doch produzieren kann. Ich könnte jetzt versuchen, diese Schönheit in Worte zu fassen, ich würde aber an diesem Versuch scheitern. Ich lasse daher die Bilder für sich sprechen. Die sagen ja ohnehin bekanntermaßen mehr aus als tausend Worte.

Die Höhle ist aber nicht nur die Heimat des Naturschauspiels, sondern auch die Heimat der Grottenolme. Diese Tiere leben ganz natürlich in den dunklen Höhlen Sloweniens. Früher dachte man übrigens, dass die Tiere Drachenbabys sein. Leider hat sich diese These aber nie beweisen lassen. Die Tiere sind ein absolutes Kuriosum, so können sie bis zu 10 Jahre ohne Essen auskommen. Das schaffe ich leider noch nicht.

Die Tour durch die Höhle endet übrigens natürlich so wie es sich gehört perfekt im Souvenirshop. Ich kaufe mir aber keinen überteuerten Plüschgrottenolm und mache mich direkt auf den Weg. Wobei ich draußen noch kurz etwas esse. Das Brot vom Montag ist nur leider auch nicht mehr das frischeste. Auf dem Weg zum Adelsberg, der auch der deutsche Name von Postojna ist, wird mir erst so richtig bewusst wie versatil Slowenien doch ist: Berge, Seen, Wälder, Höhlen und Adria und das alles in einem so kleinen Land. Beim Weg auf die Spitze des Hügels wird mir aber auch klar, dass ich nach dem Urlaub wieder mehr Sport treiben sollte. Die Aussicht lohnt sich aber!

Die Spitze des Hügels
Lohnende Aussicht

Bevor ich zum Bahnhof wieder gehe, möchte ich noch zu einem Supermarkt. Der ist aber etwas außerhalb. Der Weg geht durch Viertel, die so musterhaft für Ostblock-Architektur stehen, wie etwas für Ostblock-Architektur stehen kann. Das gehört eben auch zu Slowenien.

Und dann geht es für mich in den nächsten Zug. Das Ziel jetzt: die kroatische Hauptstadt Zagreb. Im Zug sitze ich etwas erschöpft, aber die Landschaft ist so schön wie immer. Aber da muss man einmal im Zug niesen und dann wird man vom Sitznachbarn auf slowenisch zugetextet. Mein ich kann aber nur deutsch und englisch wird natürlich gekonnt ignoriert. Irgendwann gibt er aber auch auf.

Die Fahrt am rauen Fluss entlang in der beginnenden Dunkelheit ist ein Erlebnis der besonderen Art. Den Sonnenuntergang in den Bergen sieht man ja nicht wirklich. Man kann nur die helle Rotfärbung des Himmels und die beginnende Dunkelheit erkennen. Es ist ein Naturschauspiel der schönsten Art. Der Aprikosenhimmel über der Schlucht des Dunkeln ist ein Sinnbild zwischen Gut und Böse. Bis das Schwarz der Berge obsiegt und nur ein violetter Schimmer der Hoffnung am Himmel verbleibt.

In Zidani muss ich dann eine halbe Stunde am Bahnhof warten. Mittlerweile ist es auf dem Balkan auch fast ganz dunkel. Aber gruselig ist es nicht, es fühlt sich irgendwie ganz wohl und heimisch an. Selbst wenn die durchrasenden Güterzüge extrem laut sind.

Heimat

Weniger schnell ist ein Baustellenzug unterwegs. Der fährt sogar nur Schrittempo, damit aus dem Stellwerk ein Zettel für den Zug herab geworfen werden kann. Nach einer Weile kommt dann mein Zug. Es ist sogar der Mimara vom ersten Tag!

Im Zug fällt mir erst auf, wie schön der Mond doch reflektiert. Mit einem leichten Schimmer. Ich war schon immer ein großer Liebhaber der schimmernden Schönheit des Mondes mit einem Licht, so klar, weiß und hell und doch so dunkel. Aber den Rest der Fahrt düse ich durch die Dunkelheit und denke einfach mal an gar nichts. Ist das nicht auch ein schönes Gefühl?

An der Grenze nach Kroatien gibt es dann tatsächlich Grenzkontrollen im Zug. Aber das kenne ich ja schon von meiner Fahrt nach Belarus mit dem Zug vor fünf Jahren.

Hallo Kroatien!

Das Hostel in der Nähe des Zagreber Hauptbahnhofs macht einen guten ersten Eindruck. Ja, das Bad könnte sauberer sein, aber es ist immernoch ein Hostel. Und der Name des Zimmers ist Maksimir. Damit kann ein Maximilian zumindest gut leben.

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3 Kommentare zu „Tag 5 – Die Höhle von Postojna

  1. Ich bin erleichtert, zu hören, dass die undefinierbaren Höhlentiere noch leben!

    Vor vielen Jahrzehnten war ich in Postojna. Damals hat man mir noch erzählt, dass das Dinosaurier seien.
    Jedenfalls fand ich sie so hässlich, dass ich eigentlich auch froh war, dass sie sich niemals aus dieser Höhle fortbewegen werden.

    Gefällt 1 Person

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