Tag 2 – Der schönste See Europas

Ein frisch bestandenes Staatsexamen und ein Interrail Ticket für einen Monat: Darum geht es in der Reihe „Mein Monat„. Bevor du diesen Beitrag liest, ist es vielleicht sinnvoll, erst die vorherigen Beiträge zu lesen.

Sonntag, 2. Oktober 2022 – Tag 2

Die Schlafqualität hielt sich in Grenzen. Zum einen gab es einen nicht endenden Kampf zwischen ein paar Mücken in der Nacht und mir und zum andren kamen meine drei Zimmergenossen um halb vier von ihrer Partynacht zurück. Geweckt werde ich dann pünktlich um 6 Uhr vom Hahn des Nachbarn. Müde bin ich trotzdem nicht. Ich strotze nur so vor morgendlicher Motivation. Jetzt geht es ja erst so richtig los!

Am Morgen sind die Straßen wie leer gefegt. In dem Teil des Ortes fühlt man sich mehr in einem Dorf und nicht wie in einer der touristischsten Städte Sloweniens.

Es dauert nicht lange und dann sehe ich ihn. Ein strahlend funkelndes Blau. So kräftig und doch so sanft. Es ist das schönste Blau, das ich seit Langem gesehen habe. Das strahlende Blau des Bleders See ist der Grund, warum dieser kleine Ort zu den meistbesuchten Orten in Slowenien wurde. Es ist wahrlich ein elysischer Anblick! Und dabei hat der Tag doch gerade erst angefangen.

So wunderschön blau wie die Augen deiner ersten großen Liebe

Das besonders Schöne ist dieser Kontrast aus strahlend blauen See, mystischen Bergen in der Ferne und Wald in direkter Nähe. Mit jedem Schritt, den ich mehr um den See laufe, verliebe ich mich mehr in Slowenien.

Kontrastreiche Schönheit

Nach einer Weile lichtet sich der kleine Wald um den See und ich kann jetzt direkt am Ufer des Sees stehen. Der See ist so ruhig, wie ein See sein kann. Das Wasser scheint still zu stehen. So wie die Zeit an dieser Oase der Ruhe. Ein paar kleine Boote stehen am Ufer, aber ich steige nicht ein, sondern umrunde weiter die blaue Perle Sloweniens.

Blau machen

Die Ruhe wird dann aber wenig gestört. So werden die Boote etwas später auf meinem Weg auch genutzt. Zwar nicht die kleinen Boote von eben, sondern ein paar Ruderboote. Eine kleine Rudermeisterschaft findet nämlich heute auf dem See statt. Ich schaue mir das Spektakel an, ehe ich mir das schönste Spektakel ansehe – die Natur.

Menschliches Spektakel

Um dieses Spektakel genießen zu können, geht es hoch hinaus. Denn von unten ist es hier schon wunderschön, aber wie schön wird es von oben sein? Der Weg dafür ist aber sehr lange und sehr steil. Der Weg geht durch den Wald. Er ist aber entweder total steinig oder vermatscht. Bei jedem Schritt muss man aufpassen nicht hinzufallen, dafür findet man auch immer schöne idyllische Momente.

Natürliche Schönheit

Bei so einer Aussicht riskiert man sehr gerne die Gefahr auszurutschen. Wobei ich natürlich alles in meiner Macht stehende versuche, damit das nicht passiert. Aber bei Matsch und Geröll ist das leider nicht so einfach.

Schönes Risiko

Es geht jetzt schon sehr lange hoch hinaus und ein wenig erschöpft bin ich. Die Freude und Motivation über meine Reise beflügelt mich aber so sehr, dass ich ganz leicht nach oben schwebe – egal wie viele Treppenstufen es sein mögen.

Zum Glück bin ich ja schwindelfrei

Freiheit. Das ist das, was ich spüre. Der Ausblick ist so schön, das schaffe ich gar nicht in Worte zu fassen. Der Blick streift in die unendliche Ferne. Hier oben fühle ich mich einfach nur frei. Und die Freiheit ist für mich das Schönste aller Gefühle.

Freiheit

Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur

Ich bleibe lange hier oben. Sehr lange, denn warum sollte ich diesen schönen Ort verlassen? Nach einer Weile ziehe ich aber weiter, denn wer weiß, was für schöne Orte ich noch in den nächsten Wochen sehen werde.

Am Boden der Tatsachen angekommen, merke ich, dass dieser See auch von hier unten wunderschön ist. Jetzt gegen Mittag merke ich dann aber auch, dass ich nicht die einzige Person bin, die diese Schönheit besichtigen will. Und so werden die Menschen auch immer mehr, als ich Richtung Bled gehe. Der See bleibt wie ein Fels in der Brandung weiter so ruhig, wie man nur sein kann.

Ruhe.
Gelassenheit.
Zufriedenheit.

Am frühen Nachmittag habe ich es dann geschafft. Der See ist umrundet. In Bled schlendere ich noch etwas an der „Promenade“. Ich genieße die Sonne, die leicht auf mich hinabstrahlt. Ich genieße den See. Die Ruhe und die Hektik der Bootsfahrenden. Ich denke ein bisschen zu viel über die nächsten Tage nach und ehe noch mehr Zweifel kommen, versuche ich einfach meine Gedanken vom See treiben zu lassen.

Ich bin etwas unschlüssig, was ich jetzt machen will. Ursprünglich wollte ich jetzt mit dem Bus nach Bohinj zu einem weiteren See fahren. Ich entdecke aber die Werbung von einem kleinen Ausflugsunternehmen mit Touren zur Vintgar Schlucht. Die Plakate wirken so schön, dass ich meine Pläne komplett ändere und jetzt dorthin fahre. Den See kann ich auch morgen früh ansehen. Der Vorteil des Alleinreisens ist ja, dass ich so spontan sein kann.

Die Busfahrt zur Schlucht dauert nur wenige Minuten. Beim Fahrstil des Busfahrers ist das aber auch schon Abenteuer genug. Die Geschwindigkeit ist immer mehr als das Maximum, was die kleinen kurvigen Straßen Sloweniens erlauben.

Das wahre Abenteuer beginnt dann aber in der Schlucht. Das Wasser strömt rasant durch die Schlucht, die eine Perle der Natur ist. Der Extra-Ausflug hat sich schon nach wenigen Metern gelohnt. Die Frische, die die feinen Wassertropfen in der Schlucht verteilen, ist eine ganz Besondere. Die Natur ist so schön. Und selbst wenn ich auf künstlichen Holzwegen wandere, so fühlt sich die Natur doch so rau und unberührt an.

Abenteuerurlaub

Und damit das Abenteuer noch perfekt wird, jagt ein Wasserfall den nächsten Wasserfall. Wobei der wahre Adrenalin-Kick erst dann kommt, wenn man versucht, nicht auf den nassen Treppenstufen auszurutschen. Das Profil meiner Schuhe könnte hierfür nämlich etwas schärfer sein. Aber es ist ja nicht das erste Mal heute, dass ich Angst um meine Standfestigkeit habe.

Enden tut die kilometerlange Schlucht übrigens in einem Wald. Also streng genommen endet der Fluss nicht im Wald, aber der Weg zurück zum Abholpunkt führt durch den Wald. Ich bin ganz alleine und außer ein paar Vögeln und der Ruhe der Natur höre ich nichts. Es ist einfach ein schöner Anblick zu sehen, wie die Sonnenstrahlen versuchen, ihren Weg durch die Bäume zu finden. Slowenien ist einfach eine Oase der Ruhe und der Natur. Ein Traum!

Slowenische Träume

Mein Weg endet glücklicherweise aber nicht im Wald, sondern auf einer „Alm“. Ich werde begrüßt von einem regelmäßigen Läuten der Kuhglocken unterstützt vom Muhen der Kühe. Die Aussicht ist einfach herrlich! Alles wirkt so grün und so friedlich. Die Kühe grasen ein wenig und scheinen komplett unbeeindruckt von mir zu sein. Die Kühe sind fast so entspannt wie die irischen, aber auch nur fast. Eine wunderschöne Idylle bilden sie trotzdem.

Muh!
Bergfreiheit

Nach einer abenteuerlichen Busfahrt lande ich dann wieder im Hostel. Die drei Franzosen haben nach ihrer Partynacht das Hostel heute wieder verlassen. Bevor ich aber ins Bett steige, dusche ich natürlich wieder beim Schein der Handytaschenlampe.

Meine Zimmernachbarn sind heute wesentlich ruhiger als gestern. Um halb 9 herrscht Stille und um 9 Uhr brennt nur noch meine kleine Lampe am Bett. Da fühle ich mich fast etwas schlecht, dass ich noch am tippen bin. Aber ich muss zumindest mal den Montag und Dienstag planen. Wobei ich eine Sache schon auf dieser Reise gelernt habe: Planen ist wichtig und zugleich überbewertet.

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14 Kommentare zu „Tag 2 – Der schönste See Europas

  1. Wir waren im September in Slowenien und haben das Land sehr lieben gelernt. Bled und Umgebung fanden wir allerdings überteuert und überbewertet. Ja, es ist sehr schön dort, aber das rechtfertigt irgendwie nicht die teuren Touripreise. 🙂
    Schöne Bilder auf jeden Fall. Viel Spaß bei der weiteren Reise!

    Gefällt 2 Personen

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