Mein Monat – Die Tage davor

Ein frisch bestandenes Staatsexamen und ein Interrail Ticket für einen Monat: Darum geht es in der Reihe „Mein Monat„. Hier geht es um die Tage vor dem Beginn der Reise voller Vorfreude, Vorbereitung & Verunsicherung.

Dienstag, 27. September 2022 – Noch 4 Tage

Ich kann nicht mehr. Das denke ich mir ziemlich genau 2 Tage vor der fünften und letzten Prüfung meines zweiten Staatsexamens. Ich bin einfach nur noch müde. Seit 11 Wochen lerne ich jeden Tag mindestens 8 Stunden eher 10 Stunden. An manchen Tagen sogar 14 Stunden. Und die Zeit davor war auch keine Freizeit. Da habe ich halt nur für das 8. Semester gelernt und nicht für das Staatsexamen. Ich kann mich kaum noch konzentrieren. Die Wörter meiner Zusammenfassung verschwimmen zu einem Ozean aus Buchstaben. Eigentlich müsste ich aufgeregt oder gestresst sein. Das Einzige, was ich aber spüre, ist eine unendlich weite Leere. Das Einzige, was beruhigt, ist der Gedanke, dass es bald vorbei ist und die Tatsache, dass es meinen Freundinnen und Freunden aus dem Semester gerade auch so geht. Und so langsam kommt auch etwas Vorfreude auf. Nicht auf die Party am Freitag nach der bestandenen Prüfung. Für eine Party bin ich momentan gerade sowieso viel zu müde. Die Vorfreude bezieht sich auf meine Pläne für den Oktober. Seit Jahren habe ich von einer großen Interrail-Reise geträumt und bald wird dieser Traum war. Selbst wenn ich das jetzt noch nicht realisieren kann. Zu leer bin ich innerlich noch. Aber in 4 Tagen kann ich das hoffentlich realisieren. Hoffen wir es zumindest mal, sonst wird die Traumreise vielleicht doch zum Höllentrip. Aber ich bin ja Optimist und glaube, dass es sich lohnen wird. Es werden schließlich meine 28 Tage. Und das schöne ist eben, dass es meine 28 Tage sind. Das heißt 28 Tage, an denen ich alleine unterwegs bin. Endlich habe ich mal wieder Zeit für mich und für die Sachen, die ich liebe: Reisen & Schreiben. Denn Zeit für mich und Zeit für meine zwei Leidenschaften war in der letzten Zeit definitiv Mangelware.

Mittwoch, 28. September 2022 – Noch 3 Tage

Zwiespalt. Auf der einen Seite bin ich einfach nur noch müde und meine Beine tun weh und dass, obwohl ich den ganzen Tag bequem zu Hause liege und lerne. Wie soll das dann erst auf der Reise werden? Auf der anderen Seite kommt jetzt immer mehr Vorfreude auf. Packen wollte ich eigentlich erst nach dem Staatsexamen, aber so langsam ertappe ich mich, wie ich doch immer mehr vorbereite und meine Gedanken beim Lernen an die Reise abdriften. Jetzt noch einen Tag fokussieren, bevor es am Samstag endlich losgeht! Und ich bin mir sehr sicher, dass mit der Freude und Motivation auch die Kraft in meinen Beinen wiederkommt! So hatte ich schon einen kurzen Motivationsschub, als mich meine Eltern nach Reiseempfehlungen für eine Reise nach England nächstes Jahr gefragt haben. Bei den Gedanken an meine geliebten Britischen Inseln ist mir gleich warm ums Herz geworden. Doch so schön die Glücksgefühle auch sind, so muss mein Fokus jetzt erst einmal der letzten Prüfung morgen gelten.

Donnerstag, 29. September 2022 – Noch 2 Tage

Freiheit! Ich kann es noch gar nicht wirklich fassen, aber ich bin frei! Ich habe es geschafft! Das zweite Staatsexamen ist bestanden und das sogar wirklich gut! Mein Studium ist offiziell vorbei. Ich mein Glück kaum fassen, aber eigentlich nur, weil ich es noch nicht realisiert habe! Nach dem großen Gefühl der Erleichterung kommt die Vorfreude auf die Reise. Ich freue mich so sehr auf die nächsten Tage, es lässt sich kaum in Worte fassen. Es wird toll! Nein, es wird fantastisch! Voller Elan ist mein Rucksack gepackt. Ein Rucksack für knapp einen Monat zu packen, ist im Übrigen gar nicht so trivial, wie ich anfangs dachte. Nun ja, hoffen wir auf Waschmaschinen in den Hostels und auf milde Temperaturen ohne Regen, damit die Klamotten vielleicht auch etwas länger getragen werden können. Ich bin mal gespannt, wie das enden wird. Aber dazu gibt es ja auch diese Berichte. Und der der Rucksack kann noch so schwer sein, mit dieser Freude fliegt er so sanft wie eine Feder. Die Lethargie der letzten Tage ist verflogen. Ich bin dem Reisefieber verfallen. Und enger Terminkalender sei Dank hat mein flammendes Fieber neues Benzin bekommen. So haben wir (mein Bruder mitsamt Freundin und ein guter Freund von uns) heute auch die Unterkunft für unseren Urlaub nach New York City im November gebucht. So vieles, was ich bald sehen kann. Das Leben kann auf einmal doch so schön sein! Und bald geht es endlich los!

Freitag, 30. September 2022 – Noch 1 Tag

Ich kann es immer noch nicht fassen. Zum Einen, dass mein Studium fertig ist und zum anderen die Tatsache, dass es morgen für mich losgeht. Die Vorfreude ist so unendlich groß! Meine Beine und mein Körper fühlen sich aber trotzdem noch so unfassbar müde an. Und das, obwohl ich das erste Mal seit knapp 3 Monaten ohne Wecker aufstehen konnte und einfach dann aufstehen konnte, als ich wach war. Ich habe auch das erste Mal seit langer Zeit wieder die Zeit und die Muße, an meinem Blog zu schreiben. Und so kann ich am Vormittag den ersten Beitrag seit langer Zeit wieder schreiben. Mittags geht es dann für mich ein letztes Mal (zumindest als eingeschriebener Student) an den schönsten Campus Deutschlands – den Campus Riedberg der Goethe Uni. Zur Feier des Tages und als Vorrat für die nächsten Wochen wird erst einmal das all you can eat Sushi geplündert. Im Nachhinein eine dumme Idee, da ich den Rest des Tages in komatöser postprandialer Schwere liege. Genug Kalorien für die Reise konnte ich aber immerhin anlegen. Und ich hatte gerade noch genug Kraft, die Unterkunft für Tag 1 und 2 zu buchen. Mit den letzten Wochen in den Beinen und dem Essen im Magen ist die Party eigentlich alles andere als eine Party. Ein paar wenige feiern, die meisten lassen den Frust über die schlimmste Zeit ihres Lebens raus und ein anderer Teil – so wie ich – sitzt völlig übermüdet und erschöpft an der Seite. So langsam kommen mir auch Zweifel, ob es so eine schlaue Idee war, dann den Zug um 2 Uhr nachts zu nehmen. Nur damit ich zwei Mal umsteigen muss und bei 10 Minuten Umsteigezeit sowieso verzweifle. Je später es wird, umso müder werde ich. Und wenn ich spät schreibe, dann meine ich, dass ich um 21 Uhr auf der Party hätte einschlafen können. Aber zum Glück habe ich die besten Freunde, die ich haben könnte! Schockiert vom elendigen Anblick, den ich gebe, bietet mir eine Freundin an, dass ich die Nacht doch bei ihr schlafen könne. Sie wohnt auch direkt am Campus. Und so gehe ich dann als Erster um 22 Uhr von der Party (so fällt man wenigstens auf) und entscheide mich dafür, lieber etwas zu schlafen. Es bringt ja auch nichts, wenn ich total übermüdet meine Reise antreten. Ich habe gemerkt, wie anstrengend die 4 Tage Anfang des Jahres in England waren. Jetzt bin ich 4 Wochen unterwegs. Das ist ein Marathon, kein Sprint. Also slow down you crazy child. Außerdem fährt um 8 Uhr sowieso ein Zug non stop nach Slowenien, also wäre das wahrscheinlich ohnehin die schlauere Idee gewesen! An der Stelle noch mal ein Danke für die Matratze! Und an all die, zu denen ich heute Tschüss gesagt habe, möchte ich hier noch eines meiner Lieblingszitate erwähnen:

„It’s time to say goodbye, but I think goodbyes are sad and I’d much rather say hello. Hello to a new adventure.“ ~ Ernie Harwell

5 Kommentare zu „Mein Monat – Die Tage davor

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