Vienna Calling

Slow down you crazy child
Take the phone off the hook and disappear for a while
It’s alright, you can afford to lose a day or two (oooh)
When will you realize, Vienna waits for you?

William Martin Joel 

Wenn man so viel unterwegs ist, wie ich es bin, dann kommt oft die Frage, warst du schon in X. Und am meisten werde ich immer gefragt, ob ich denn schon einmal in Wien war. Darauf kam bis jetzt immer ein nicht-enthusiastisches „Ja“. Das sorgte immer für große Verwunderung. Schließlich sei Wien doch eine so wunderschöne Stadt. Sie hat nur einen Haken. Ich war 2017 auf Abschlussfahrt dort. Und die Abschlussfahrt war jetzt wirklich nicht besonders toll. Dann gab es noch ein paar andere Dinge, die zeitgleich in Wien waren (die üblichen Dramen in einer Abschlussklasse eben), sodass ich mit Wien eigentlich nur negative Sachen verbinde und nur die Dinge sehe und nicht Stadt. Daher soll Wien fast genau 5 Jahre später seine zweite Chance bekommen. Nicht um die Stadt kennenzulernen, sondern um sie lieben zu lernen. Wien hatte eine zweite Chance verdient.

Es ist kurz vor 6. Ich hatte vielleicht 4 Stunden Schlaf. Gestern war der letzte Tag meines Studiums. Die Party ging entsprechend lange und diesen schönen Moment der Scheinfreiheit möchte man auch einfach genießen. Der Mond schien ja auch so schön! Aber die Vorfreude auf die Reise wirkt besser als jeder Kaffee. 3 Tage Urlaub, bevor der große Endspurt zum zweiten Staatsexamen beginnt. Und diesmal ist es definitiv Urlaub, denn ich reise mit meinem Bruder und schon wie in Malta sorgt er dafür, dass auf gar keinen Fall Stress entstehen könnte. Für ihn bedeutet Urlaub eben Erholung und nicht Abenteuer. Ein typischer Beamter eben.

Die Reise beginnt heute am Schloss Belvedere. Und das Schönste steht direkt davor. Es ist Juli und eine große Hitze. In Wien gibt es überall gratis Wasserspender, die auch einen leicht erfrischenden Dunst von Wasser verstreuen. So lässt sich die Hitze auch ertragen. Warum können wir das eigentlich nicht in Deutschland haben? Aber zurück nach Wien. Das Schloss ist natürlich ein wunderbares Beispiel für die majestätische Schönheit Wiens. Ein royales Herz muss man aber für Wien haben. Aber zum Glück bin ich ja großer Royalist!

Schöne Begrüßung
Die Aussicht auf das, was kommt

Und dann geht es vom Schloss in die Wiener Innenstadt. Recht schnell wird mir klar, wie schön diese Stadt doch ist. So unfassbar schön. Dieser ganze Stil, die Straßen, die Menschen, die Mentalität und die Sprache sind alle so schön. Das Vergangene scheint so direkt vergessen. Die zweite Chance ist noch nicht lange da, da habe ich mich schon in die Stadt verliebt,

Zweite Liebe

Und dann geht es weiter zur Karlskirche. Ein monumentales Bauwerk, was mich direkt fasziniert. Eine architektonische Schönheit, die ihres Gleichen sucht. Ein Hauch von Rom in Wien. Und auch die Fresken in der Decke sind ein wahres Kunstwerk.

Die sixtinische Kapelle oder war es doch die Karlskirche?

Aber das eigentliche Kunstwerk spielt sich vor der Kirche ab. Um der Hitze entgegen zu wirken, gibt es Wasserschläuche mit ein paar kleinen Löchern drin, die so eine wunderbare Abkühlung schaffen. Die Menschen vor der Kirche in dieser Hitze sind daher das eigentliche Kunstwerk.

Das größte Kunstwerk ist und bleibt der Mensch

Und dann geht es weiter durch die schönsten Straßen in dieser schönen Stadt. Ich kann jetzt immer mehr verstehen, warum mich immer alle nach Wien fragen. Und ich bin so froh, dieser Stadt eine zweite Chance gegeben zu haben. Und wofür ist Wien natürlich noch bekannt? Die Wiener Klassik! Daher geht der Weg natürlich auch an der Staatsoper vorbei.

Er war Superstar
Er war populär
Er war so exaltiert
Because er hatte Flair
Er war ein Virtuose
Er war ein Rockidol
Und alles rief
Come and rock me Amadeus

Und dann geht es zum Herzen von Wien. Die Wiener Hofburg. Eine unglaublich große Schönheit. Aber auch das Vorfeld davon. Der Maria-Theresien-Platz ist auch atemberaubend. Zum Naturkundemuseum kann ich meinen Bruder nicht überzeugen, naja vielleicht ein anderes Mal. Dafür gibt’s das Sissi-Museum. Und im Porzellanmusuem kommt auch Kaiser Maximilian nicht zu kurz. Denn wusstest Du, dass es mal für drei Jahre einen Habsburger als Kaiser von Mexiko gab? Lang lebe Kaiser Maximilian von Mexiko!

Sissi! Franz!

Die Nationalbibliothek wird leider gerade restauriert. Das ist sehr schade, denn die war so schön, die hätte ich mir noch einmal angesehen! Dafür gibt es in einem kleinen antiken Pavillon im Garten eine besondere Ausstellung. Es geht um das wichtige Thema der Plastikverschmutzung der Ozeane. Aber auf eine ganz besondere künstlerische Art und Weise. Dafür, dass das Thema so traurig ist, sieht das leider viel zu schön aus.

Eine andere Art der Schönheit

Aber auch der Park um die Hofburg herum ist mehr als nur schön!

So schön!

Und dann geht die Reise auch schon weiter. Das Parlament ist wie vor 5 Jahren immer noch eine Baustelle und das Rathaus kaum zu entdecken. Im Sommer gibt es natürlich die ein oder andere Veranstaltung im Park. So habe ich auch lernen dürfen, dass die Rolling Stones die Tage hier auftreten. Hätte ich – als ewiger Beatles Fan – das mal früher gewusst! Eine Pause gönnen wir uns im Park aber trotzdem. Es ist ja „Urlaub“.

Fortschritt oder eben auch nicht
Hier könnte Ihr Rathaus stehen

Und dann geht es weiter zum Burgtheater, wo wir uns vor 5 Jahren eine schreckliche dramatische Lesung von Goethes „Hermann und Dorothea“ ansehen mussten. Sie war wirklich grauenvoll. Selbst die Lehrkräfte fanden sie schrecklich. Grauenvoll und traumatisierend. Ein Mitschüler zählte während der Vorstellung die Kerzen auf der Bühne. Es war dreistellig…

Ich bin so traumatisiert, da ist das Bild glatt schief geworden

Und dann irren wir bewusst weiter durch diese schöne Stadt. Wir haben keinen Plan und lassen uns bewusst treiben. Und genau das muss man in Wien auch machen. Sich einfach treiben lassen.

Ich habe keine Ahnung mehr, wo genau das Bild in Wien entstanden ist. Aber ich habe mich dafür treiben gelassen

Zwei Programmpunkte gibt es aber dann noch für den heutigen Tag. Wiener Pestsäule und der Stephansdom müssen ja auch noch besichtigt werden. Der Stephansdom allerdings nur von oben. Vor 5 Jahren hatten wir auch eine Führung unterhalb der Erde, aber das muss dieses Jahr nicht sein. Vor 5 Jahren war ich übrigens sehr häufig unterirdisch unterwegs. Die Kaisergruft haben wir auch besucht. Ich musste Kaiser Maximilian ja die letzte Ehre erweisen.

Ob es irgendwann mal Corona-Säulen gibt?
Schöne Pflicht

Das Highlight für meinen Bruder ist dann aber das Abendessen. Der Schnitzelwirt ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum er nach Wien wollte. Naja, geschmeckt hat’s ihm.

Neuer Tag neues Schloss. Wir sind schließlich in Wien. Ziel heute: Schloss Schönbrunn. Etwas außerhalb und doch überfüllt. Ach, wie sehr ich den Tourismus doch liebe. Aber ich habe gute Laune, denn auf dem Weg zur U-Bahn wurde mein Herz wieder erweicht.

Love of my live

Auch der heutige Tag beginnt wieder sehr royal. Wir kommen zum Höhepunkt der Habsburger Monarchie: Schloss Schönbrunn. Vor 5 Jahren gab es auch eine Führung für mich. Allerdings war es interessanter zu sehen, ob die Fraktion „Morgens um 10 kann man schon Alkohol trinken“ nicht doch irgendwas Dummes im Schloss anstellt. Bevor es aber in das Schloss geht, geht es in den Garten. Der ist ehrlicherweise auch viel schöner. Wobei er mir auch wieder zu symmetrisch ist. Liebe Herrscher der Vergangenheit, warum konntet ihr die Natur nicht die Natur sein lassen?

So schön natürlich

Aber das eigentliche Highlight im Park ist der Neptunbrunnen. Die Verehrung von Neptun ist für die k. u. k.-Monarchie auch sehr wichtig gewesen. So war das Habsburger Reich doch eine so starke Seemacht. Von Triest wurden die Weltmeere nur so im Sturm erobert. Oder war das mit den Weltmeeren nicht vielleicht doch die Royal Navy? Wir werden es nie erfahren…

Lang lebe Poseidon!
Lang lebe Neptun natürlich!

Dann geht es für uns hoch hinaus zur Gloriette. Ein anstrengender Weg, der aber köstlich entlohnt wird!

Ein ganz kleines Schlösschen

Und was gehört zu jedem Hochadel noch dazu? Die Liebe zum alten Rom und natürlich zu dessen Ruinen. Aber was macht man, wenn man keine Römerruinen vor der Haustür hat? Richtig, man baut sich einfach seine eigene römische Ruine. Schön haben sie das auf jeden Fall hinbekommen.

Authentische Ruinen für den Garten

Das Schloss selbst ist natürlich pompös, aber auch nicht anders als jedes andere große europäische Schloss. Da haben wir in Europa wirklich ein Luxusproblem. Die Amerikaner im Schloss freuen sich dafür umso mehr.

Eurpäische Luxusprobleme

Und dann geht es weiter Richtung Donau. Denn dafür ist Wien ja auch bekannt. Und an der schönen blauen Donau kennt man ja auch. Es geht daher zur Donauinsel, die die Donau in Wien kurz teilt. Die U-Bahn hält sogar mitten auf der Donauinsel, aber wir wollen lieber selbst über die Brücke laufen und die Aussicht genießen. Die katholische Kirche der Donaustadt gibt uns da auf jeden Fall recht.

Kaum bekannt und doch so schön!

Beim Gang über die Brücke kann man aber auch noch so manche andere spannende Dinge entdecken.

In der Schwebe

Die Donauinsel gibt leider erstaunlich wenig her. Aber es gibt zum Glück auf der anderen Uferseite eine sommerliche Uferpromenade, wo es Sand für die Füße und kalte Getränke für den restlichen Körper gibt. Auf einer Plastikonstruktion können wir die Donau direkt überqueren. Und dann können wir in der Sonne einfach das Leben genießen, mir wurde ja gesagt, ich habe gerade Urlaub. Und so langsam kann ich mich damit auch anfreunden.

An der schönen blauen Donau
Urlaub

Frisch erholt geht es dann zum Prater. Der liegt allerdings gefühlt auf der anderen Seite Wiens. Dank der U-Bahn sind wir dann aber auch recht schnell am Prater. Die Fahrgeschäfte bleiben für uns stehen. Die Atmosphäre ist schon sehenswert genug. Das bekannte Riesenrad sind wir beide ja auch schon einmal gefahren. Das war aber vor fast 20 Jahren. Meine Erinnerungen sind da aber etwas begrenzt.

Wiener Trubel

Ich bin kein großer Versteher der Kunst, wer mein Beitrag zu Dresden gelesen hat, weiß das. Aber ich weiß, dass Hundertwasser doch irgendwie wichtig war. Und da wir etwas Zeit noch haben, steht das jetzt auf unserer Liste. Mein Bruder ist nicht sehr begeistert für ein paar bunte Häuser so weit zu laufen. Aber der Gedanke an seinen Gulasch hält ihm am Leben. Naja was soll man machen, so sind große Brüder eben. Ich fand die Häuser auf jeden Fall sehr sehenswert!

Schöne Kunst

Und am Ende bleibt mir nichts anders übrig, als zu sagen, dass sich diese zweite Chance mehr als nur gelohnt hat und Wien jetzt auch einen schönen Platz in meinem Herzen innehat!

Slow down you crazy child
You're so ambitious for a juvenile
But then if you're so smart tell me
Why are you still so afraid? (mmmmm)
Where's the fire, what's the hurry about?
You better cool it off before you burn it out
You got so much to do and only
So many hours in a day (Ay)
But you know that when the truth is told
That you can get what you want
Or you can just get old
You're gonna kick off before you even get halfway through (Oooh)
When will you realize, Vienna waits for you?
Slow down you're doing fine
You can't be everything you want to be before your time
Although it's so romantic on the borderline tonight (tonight)
Too bad, but it's the life you lead
You're so ahead of yourself that you forgot what you need
Though you can see when you're wrong
You know you can't always see when you're right (you're right)
You got your passion, you got your pride
But don't you know that only fools are satisfied?
Dream on, but don't imagine they'll all come true (Oooh)
When will you realize, Vienna waits for you?
Slow down you crazy child
Take the phone off the hook and disappear for a while
It's alright, you can afford to lose a day or two (oooh)
When will you realize, Vienna waits for you?
And you know that when the truth is told
That you can get what you want or you can just get old
You're gonna kick off before you even get halfway through (oooh)
Why don't you realize, Vienna waits for you?
When will you realize, Vienna waits for you?

10 Kommentare zu „Vienna Calling

  1. Du hast einen wirklich schönen Beitrag über meine Heimatstadt geschrieben und die Bilder sind sehr sehr schön – vor allem das schwarzweiße Foto vor der Karlskirche gefällt mir besonders gut. Jemand anders so über die eigene Stadt schwärmen zu hören tut ziemlich gut und vielleicht gehe ich nächstes Mal wieder bewusster durch die Innenstadt. Ich wohne ein paar Minuten zu Fuß vom Schloss Schönbrunn und gehe mehrmals wöchentlich im Park spazieren, aber mehr abseits der viel begangenen Wege, es gibt nette Waldwege die ich bevorzuge.
    Ich musste aber auch herzlich lachen an der Stelle, an der du auch über die Mentalität schwärmst – da hast du wohl noch nicht mit dem berühmten „Wiener Grant“ Bekanntschaft gemacht 🙂
    Danke für diesen wunderbaren Beitrag!

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für die netten Worte 😊 Wenn man das schöne so direkt vor den Augen hat, verschwimmt es manchmal etwas. Also viel Spaß beim nächsten bewussten genießen! Und Wiener Granten habe ich schon erleben dürfen aber allem in allem seid ihr Wiener doch recht nett 😉

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    1. Ja wirklich eine sehr schöne Stadt! Vor 5 Jahren war ich auch länger dort und konnte so auch noch mehr sehen als das wenige in den knappen Tagen 🙂 Und ein nächstes Mal wird es mit mir und dieser Stadt sicher auch geben 😊

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