Europas Melting Pot

18 Grad, Sonnenschein, grüne Wiesen und Palmen am Wegesrand klingen wie der perfekte Sommerurlaub. Tatsächlich sind es aber nur noch 4 Tage bis Weihnachten. Im Vergleich zum verregneten und kalten Frankfurt ist der erste Eindruck der Insel ein gigantisch positiver. Allein das Wetter sorgt direkt für einen massiven Anstieg der Glückshormone im Blut. Der erste Eindruck lässt sich gar nicht in Worte fassen.

Es gibt eine Sache, die man am Anfang einer jeden Reise nach Malta wissen sollte: Malta ist nicht groß. Und genau das macht die Insel so besonders und empfehlenswert. Vom Flughafen bis nach Città Vittoriosa (der östlichen Nachbarstadt Vallettas) sind es gerade mal knapp 7 Kilometer. Bei diesem sensationellen Wetter lässt sich die Strecke perfekt laufen. Der Vorteil des Laufens gegenüber einer Busfahrt ist auch, dass man Ecken entdeckt, die man sich sonst nicht angesehen hätte. Nicht mal ein Kilometer gelaufen und schon machen wir den ersten Halt.

Gudja

Unübersehbar ist die große Kirche im Mittelpunkt des Dorfes. Die Nähe zu Italien mitsamt Vatikan und die Zeit unter der Herrschaft des Malteserordens hat ein sehr tiefes und stabiles christliches Fundament auf der Insel gelegt. Unüberhörbar ist die Kirche aber auch. Denn selbst wenn man fast nicht merkt, dass Ende der Woche Weihnachten ist, so wird man schnell darauf hingewiesen. Lautsprecher an der Kirche beschallen den ganzen Ort mit Weihnachtsmusik. Gott sei Dank ist Last Christmas nicht Teil der Weihnachtsplaylist. Aber auch unabhängig von der Weihnachtsmusik ist die ganze Stadt in feierlicher Weihnachtsstimmung. Jedes Haus ist dekoriert. Man sieht Weihnachtsbäume und Weihnachtsmänner, wo man nur hinsieht.

St. Mary’s Parish Church in Gudja

Weihnachtsstimmung in Gudja

Neben der Weihnachtsstimmung kann man in Gudja aber noch etwas schön erkennen. Es wird recht schnell der Stil dieser Insel klar: kleine Gassen mit viel zu vielen Autos auf viel zu wenig Platz und sandsteinfarbene Häuser mit Säulen und verzierten Türen. Die Dörfer sind somit so wie die typischen mediterranen Dörfer. Ob Sizilien oder Montenegro der Charme bleibt immer der gleiche. Aber neben den bereits erwähnten mediterranen und italienischen Einflüssen gibt es noch was. Die britische Herrschaft hat auch ihre Spuren hinterlassen. Und so fühlt es sich hier zugleich britisch als auch mediterran an. Es klingt paradox, aber es funktioniert. Für mich, der beide dieser Kulturen liebt, ist es eine großartige Kombination!

Rule Brittania!

Es geht dann weiter Richtung Tarxien. Der Weg dahin verläuft aber durch eher interessante Gegenden. Während mein Bruder die ersten Zweifel über die Richtigkeit der Route erhebt, genieße ich sie vollkommen. Allerdings ist spätestens seit meinem letzten Trip nach Dublin die Frage nach der Genialität meiner Routenführung hoch umstritten. Während ich der Meinung bin, dass meine Wege sowohl die kürzesten als auch die interessantesten Wege waren, da man auch mal unbekannte Ecken sah, sind meine Mitreisenden noch immer komplett anderer Meinung. Hierbei möchte ich aber auch mal erwähnen, dass sie immer schnell und unbeschadet am Ziel angekommen sind! Aber zurück nach Malta, auf den menschenleeren Wegen mitten durch die maltesische Natur kann sich die Blüte der Schönheit der Insel erst so richtig entfalten.

Kleiner Reminder: es ist immer noch Dezember
Tarxien

Nur weil in Malta Englisch Amtssprache ist, heißt das nicht, dass man hier gutes Englisch beziehungsweise überhaupt Englisch spricht. Neben der italienisch, katholischen, mediterranen und britischen Kultur kommen wir zur vierten und letzten Kultursäule des europäischen Melting Pots. Die Verkehrssprache und weitere Amtssprache in Malta ist maltesisch. Maltesisch ist eine absolut faszinierende Sprache. Es ist eine semitische Sprache und somit sehr eng mit dem Arabischen verwandt, die aber das römische Alphabet verwendet. Sobald also Menschen in der Nähe sind, hat man das Gefühl, dass man im arabischen Raum ist. Man sieht aber gleichzeitig die englischen Telefonhäuschen neben italienischen Eisdielen und großen katholischen Kirchen in zutiefst mediterranen Gässchen. Malta ist einfach eine einzige kulturelle Verschmelzung und genau das macht bei dieser kleinen Inseln den Charme aus.

Nach den anfänglichen Sprachbarrieren kommen wir nun zum eigentlichen Besuchsziel des Ortes. Die neolithischen Tempel von Tarxien sind zusammen mit fünf anderen Tempelanlagen Teil des UNESCO-Welterbes. Die Tempelanlagen sind fast 5.000 Jahre alt und für historisch interessierte Besucher definitiv empfehlenswert.

Die Tarxien Tempel

Ich finde ja solche Stätten immer wieder faszinierend. Sie geben einem die Möglichkeit, in unsere Vergangenheit zu sehen. Ich finde auch die Entdeckungsgeschichten solcher historischen Orte immer wieder faszinierend und unglaublich spannend. Aber vielleicht liegt der Ursprung meiner Begeisterung zur Archäologie auch nur in einem meiner Lieblingsfilme.

Wir verlassen den Ort und gehen weiter Richtung Città Vittoriosa. Der zuvor beschriebene maltesische Flair begleitet uns natürlich Schritt für Schritt. Viel mehr begeistert mich aber das malerische Wetter und jeder einzelner Sonnenstrahl. Ein Orangenbaum am Wegesrand ist das I-Tüpfelchen für den sonnigen Moment.

Malerische Perspektiven
Città Vittoriosa

Der Weg zum eigentlichen Ziel verläuft entlang dicht befahrener Straßen und durch enge Tunnel. Mein Bruder erhebt wieder Zweifel an der Routenführung. Die Zweifel werden allerdings durch die Aussichten auf unser Ziel etwas vermindert.

Blick auf die oberen Gärten Vallettas, Fort St. Angelo und der Città Vittoriosa

Nach den vollen und lauten Straßen erreichen wir dann die ruhige Promenade. An der Promenade zieht die maltesische Eleganz ein, die die Insel noch ein weiteres Stück sehenswerter, als sie es ohnehin schon ist, macht.

Maltesische Eleganz
Maltesischer Luxus

Der Weg zum Fort St. Angelo an der Uferpromenade wird von der schönen St. Lawrenz Kirche auf der rechten Seite verschönert. Aber auch an den alten Mauern der Stadt lässt sich der britische Einfluss perfekt sehen. So findet man fast überall britische Insignien.

Warum haben die Engländer eigentlich ein französisches Motto?

Wir erreichen das Fort, aber zucken erst mal zusammen. Es ist 16:00 Uhr. Von den höheren Gärten Vallettas erschallt lautstark der traditionelle Kanonenschuss. Nach kurzer Erholung vom Schock können wir die Tour fortsetzen.

Das Wetter ist zwar zutiefst sommerlich, dennoch ist es aber Winter. Daher fängt die Sonne so langsam an unterzugehen. Für mich ein paradiesischer Anblick. Es gibt nichts, was ich mehr liebe als Sonnenuntergänge. Ach, wie schön es hier doch ist!

Sunsets are loved because they vanish. ~ Ray Bradbury

Den Abschluss in Città Vittoriosa bildet die Verkündigungskirche. Der Weg dahin verläuft durch die typischen und liebevollen maltesischen Gässchen, die ich jetzt schon tief und fest in mein Herz geschlossen habe.

Verkündigung

Mit dem Bus soll es nun zu unserem Hotel nach Sliema gehen. Google Maps ist sehr hilfreich darin, die entsprechende Verbindung rauszusuchen. Allerdings sind die Abfahrtszeiten mehr Empfehlungen als Vorschriften. Auch die Busfahrt selbst ist etwas abenteuerlich und eine Art Glücksspiel. Aber wer schon mal in anderen mediterranen Ländern wie Griechenland Bus gefahren ist, kennt das. Die Wartezeit auf den Bus versüßt uns immerhin meine große Liebe.

Maltesische Liebe

In Sliema angekommen wollen mein Bruder und ich erst mal etwas essen. Wir finden das kleine Restaurant Ta‘ Kris, wo lokale kulinarische Spezialitäten angeboten werden. Ich bedaure gerade wirklich sehr, dass ich kein Foodblogger bin, denn das Essen war exquisit! Und ich habe in meinem Leben schon sehr viele (vielleicht zu viele) Pints of Cider getrunken, aber das war hier, glaube ich, der beste Cider, den ich jemals getrunken habe!

Auf dem Weg zurück zum Hotel kann man auch wieder die Skurrilität der Insel entdecken.

Weihnachtsstimmung auf Malta

Kleiner unbezahlter Servicebeitrag am Rande: Die Nacht verbringen wir im AX The Victoria Hotel. Das Hotel ist definitiv empfehlenswert! Und falls ich noch mal nach Malta komme, würde ich das Hotel auch definitiv wieder nehmen.

Gute Nacht
Valletta – Tag 2

Am nächsten Morgen geht es direkt vom Hotel zum Hafen von Sliema. Von dort geht es mit der Fähre direkt nach Valletta. Die Überfahrt geht schnell, aber immer noch lange genug, um den schönen Anblick auf Valletta zur Vorderseite, auf Fort Manoel zur rechten Seite und auf Fort Tigne zur linken Seite genießen zu können. Das Wetter ist weiter traumhaft und im Pullover ist es in der Sonne fast schon zu warm.

Valletta ist an sich keine große Stadt. Mit den zahlreichen Höhenmetern und damit verbundenen Treppen kann sich der Weg durch die Stadt aber ganz schön in die Länge ziehen. Treppen sind wahrscheinlich das charakteristischste für die kleinste Hauptstadt eines EU-Landes.

Valletta in a nutshell

Nach einer Weile habe ich dann die Hastings Gardens erreicht. Der lange und anstrengende Weg hat sich aber definitiv gelohnt! Die Aussicht, die ich von hier oben auf Malta habe, ist grandios. Man kann von hier oben gefühlt fast die ganze Insel überblicken.

Grandiose Aussichten

Aber auch unabhängig der Aussicht ist es hier paradiesisch. Die Strahlen der Sonne erwärmen nicht nur die Umgebung, sie gehen direkt ins Herz und erwärmen das Gemüt. Es ist einfach schön hier.

Herzerwärmendes Malta

Über das „Bieb il-Belt“-Stadttor geht es in den historischen Kern Vallettas. Während ich bei den sonnigen Temperaturen ins Schwitzen kommen, laufen die meisten Malteserinnen im dicken Mantel herum und trinken Glühwein. Ja, du hast richtig gelesen. Es sind 18 Grad und hier trinkt man Glühwein! Die erste Sehenswürdigkeit der Altstadt sind die Überreste römischer Säulen. Vielleicht liegt es daran, dass ich sieben Jahre Latein in der Schule hatte und ich es sogar als Prüfungsfach im Abitur hatte, aber ich mag einfach Säulen! Falls ich jemals ein Haus bauen sollte, sind Säulen im Eingangsbereich ein nicht verhandelbares Muss.

Säulen. Säulen und nochmals Säulen!

Wenige Meter neben der säulenhaften Pracht steht die hinreißende Kirche der hl. Katharina von Italien. Die Tatsache, dass diese wunderschöne Altstadt zum UNESCO-Welterbe gehört, muss ich ja eigentlich nicht mehr erwähnen. Ich weiß nicht, was den Flair dieser Altstadt so schön macht, aber das muss ich auch nicht. Man kann im Leben auch einfach mal die Dinge genießen, ohne sie zu analysieren.

Unbekannte Schönheit

Die maltesische Eleganz wird wenige Meter durch den Amtssitz des maltesischen Premierministers weiter manifestiert.

Es geht dann weiter zu den oberen Gärten. So schön die schlichten Sandsteinfarben auch sein mögen, so präferiere ich doch wieder das Grün der Natur in den Gärten.

Grüne Abwechslung

Die oberen Gärten tragen zwar das Wort Garten im Namen, aber in Wirklichkeit sind sie auch nur ein weiteres altes Fort. Das Spiel der Sonne mit den steinernen Überresten der Anlage ist allerdings ein unglaublich zauberhafter Anblick und verdrängt so die Geschichte und Verwendung des Ortes in den Hintergrund.

Zauber

Ein weiterer Vorteil der oberen Gärten ist, dass man eine spektakuläre Aussicht hat. In der Mittagssonne strahlt der Hafen in einem unvergesslichen funkelnden Blau. Man kann aber auch einen schönen Blick auf Valletta erhaschen.

Funkelnde Schönheit
Valletta mitsamt Victoria Gate

Warum heißen die oberen Gärten eigentlich obere Gärten? Ganz einfach, weil es auch die unteren Gärten gibt. Und zu denen machen wir uns jetzt auf den Weg. Die Hauptstraßen sind ziemlich voll und laut. Es ist daher schön, dass der Weg zu den unteren Gärten auch durch ein paar ruhigere Gässchen geht. Eng und dicht ist es natürlich trotzdem. Das ist eben typisch Malta. Aber dennoch darf es nicht unerwähnt bleiben, dass genau das den Charme Maltas ausmacht, der schön sein kann, wenn man sich denn darauf einlässt.

Maltesischer Charme

Der Vorteil an den unteren Gärten ist der, dass hier der Garten im Vordergrund steht. Hier ist es grüner, natürlicher und vor allem ruhiger. Für mich ist er daher der schönere der beiden Gärten. Der Garten ist auch dichter bepflanzt. Das heißt, es gibt hier mehr Schatten. Ich begrüße das sehr, denn in der Sonne ist es wirklich heiß.

Noch mehr Grün

Am Ende des Gartens hat man dann den Blick auf das Mittelmeer und eine schier endlose Weite an Blau. Man erkennt aber vorher noch ein Fort – was auch sonst – und die Siegesglocke des Krieges. Die menschlichen Bauwerke gehen aber nahezu vollständig unter im Vergleich zu den Weiten des Meeres.

Die unendlichen Weiten des Meeres und die unendlichen Weiten der unzähligen Forts

Über die Hauptstraßen vorbei an einigen Kirchen geht es jetzt zum Platz der Republik. Natürlich wird auch dieser mit Weihnachtsmusik beschallt. Der Inquisitor-Palast ist pandemiebedingt leider geschlossen. Das ist wirklich schade, da die Innenräume wirklich schön sein sollen. Aber nunja man kann nicht immer alles im Leben haben.

Dann eben nur von außen

Durch die volle Innenstadt geht es vorbei an Victoria-Denkmälern (Rule Britannia!), viel zu vielen Kirchen und noch mehr Säulen weiter. Die berühmte St. John’s Co-Kathedrale überspringen wir. Die barocke Kirche besteht im Inneren fast nur aus Gold und ist trotzdem verdammt teuer. Und wie ich ja schon bei meiner Erzählung über Kiew geschrieben habe, ich bin absolut kein Freund von Kirchen, die fast nur aus Gold bestehen. Ich verbringe meine Zeit dann lieber mit schöneren Sachen. Wir sind jetzt übrigens wieder an den oberen Gärten angelangt. Warum? Um Punkt 12 Uhr feuert eine Kanone aus der Anlage einen zeremoniellen Schuss ab. Da will man natürlich live dabei sein.

Guten Mittag!

Jetzt geht es wieder an das Ende der Insel. Nachdem ich ja die ganze Zeit bereits über die Forts geschrieben habe, soll sich jetzt auch ein Fort angesehen werden. Fort St Elmo kann besichtigt werden und fungiert gleichzeitig auch als Museum der (Militär)Geschichte Maltas. Als Geschichtsnerd gehört der Besuch natürlich zum Pflichtprogramm für mich. Die interessante und versatile Geschichte der Insel wird im Museum auch sehr schön aufbereitet und ist daher definitiv auch sehenswert. Dadurch, dass sich das Fort an der Spitze der Insel befindet, hat man aber auch eine fantastische Aussicht. Natürlich auch wieder auf eins der vielen Forts der Insel. Ich möchte mittlerweile gar nicht mehr wissen, wie oft ich hier schon das F-Wort verwendet habe…

Ein Fort, welch Überraschung

Blickt man nach Norden, erhält man eine komplett andere Aussicht. Man erblickt schier unendliche blaue Weiten. In der weiten Ferne vereint sich das feine Blau des Himmels mit dem kräftigen Blau der Welt des Poseidons. Ich erblicke auch einen einsamen Leuchtturm im Blau. Gibt es etwas, was für mehr Sehnsucht steht als dieser Anblick?

Die Symbiose Uranos‘ und Poseidons
Sehnsucht

Für uns geht es dann wieder zurück Richtung Fähre. Unser Weg führt – natürlich – wieder an einer Kirche vorbei. Diesmal ist es aber eine anglikanische Kirche. Die britische Herrschaft hat also auch im religiösen Leben ein paar Spuren hinterlassen.

Auf der Fähre hat man dann wieder eine traumhafte Aussicht innerhalb der Hafenbucht. Jetzt ist das Wetter nochmal ein bisschen besser als heute Morgen und somit ist der Ort nochmal einen Tick schöner geworden. Am Rande sei hierbei auch erwähnt, dass die erste Staffel von „Game of Thrones“ auf Malta gedreht wurde. Fort Manoel wurde so zur Septe von Baelor, wo Ned Stark den Preis für seine Loyalität zahlen musste.

St Manoel / Große Septe von Baelor
Adieu Valletta

Wieder in Sliema angekommen, laufen wir einmal entlang der Küstenpromenade. Die Promenade von Tigne ist modern und ein klein wenig edler. Das Moderne und Neue des Viertels passt sich aber harmonisch in die Umgebung ein. Die Sonne beginnt so langsam, sich zu senken und so wird jeder reflektierte Strahl im Wasser noch mal einen Tick mehr besonders. Bei den ganzen Sonnenuntergängen gehen mir langsam die Synonyme für wunderschön aus…

Es folgt ein langer Spaziergang an der Nordküste Sliemas bis wir wieder zum Hotel gehen, um mal kurz zu entspannen. Daraus wird aber nichts. Es kam von AirMalta eine Mail, dass unser Flug morgen storniert wurde und auf übermorgen verschoben wird. Es folgen Stunden in der Warteschlange, Versprechen des Rückrufs, keine Rückrufe, wieder das gleiche Spiel und am Ende war vor allem eins da: Frust in Harmonie mit Wut und Unverständnis. Der Service war ungefähr so gut wie mein Hotel in Ullapool. Am Ende des Tages blieb die Ungewissheit, wie und ob wir morgen zurückkommen. Und somit war der erste Programmpunkt für morgen schon gesichert.

Tag 3

Warteschlangenmusik am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen – NICHT! Nach 20 Minuten haben wir endlich eine Antwort: Wir können auf den Lufthansaflug 2 Stunden früher umgebucht werden. Unser Programm muss zwar gekürzt werden, aber immerhin kommen wir heute wieder zurück nach Deutschland. Ich wäre auch gerne noch ein Tag länger auf der Insel geblieben, wären da nicht die Termine im echten Leben, die man auch einen Tag vor Heiligabend haben kann. Wie gut, dass der Urlaub da den Stress reduziert. So genug des Sarkasmus‘ weiter gehts!

Habe ich gesagt genug Stress für heute? Ja, daraus wird nichts…

Maltesische Busfahrten sind wie ein Abenteuer. Wir haben uns wieder auf GoogleMaps die Route herausgesucht und extra auf der offiziellen Seite uns vergewissert, dass die Linie die Richtige ist. Ja, und dann nehmen wir mit dem Bus im Kreisel die zweite Ausfahrt und sind jetzt am anderen Ende der Insel gelandet. Ist ja nicht so, als hätten wir heute nicht genügend Zeitmangel. Natürlich sind die Englischkenntnisse des Busfahrers beschränkt, aber anscheinend seien Bauarbeiten und daher entfiel der Halt. Aber man muss alles im Leben positiv sehen! Wenn man schon denken muss, dann immerhin positiv. Die Blaue Grotte ist eigentlich aus dem Programm gefallen. Dadurch, dass wir jetzt an der Golden Bay gelandet sind, sehen wir doch noch die malerisch-traumhaften maltesischen Klippen. Und nach 20 Minuten kommt dann auch wieder der Bus in die Richtung zurück.

Optimismus zahlt sich aus

Wir schaffen es dann doch irgendwie nach Mosta. Die Stadt hat eigentlich außer einer Kirche nichts zu bieten. Aber das ist nicht irgendeine Kirche! Die Rotunda von Mosta ist dafür eine wirkliche Schönheit! Die klassisistische Architektur der Kuppelkirche ist wirklich einzigartig.

Die Rotunda von Mosta

Das Besondere an der Kirche ist übrigens auch, dass durch die Dachkuppel im 2. Weltkrieg eine Bombe eingeschlagen ist, die aber wie durch ein Wunder nicht explodierte und so die Schönheit der Kirche bewahrte.

Das Wunder von Mosta

Wie durch ein Wunder schaffen wir es auch mit dem Bus in die ehemalige Hauptstadt der Insel Medina. Schon beim Aussteigen aus dem Bus habe ich mich in die kleine aber äußerst feine Stadt verliebt. Die Botanik vor der Altstadt hat aber auch eine gute Hilfestellung geleistet.

Willkommen in den Tropen

Das Tor Medinas kann man übrigens auch in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ sehen. Ich kann absolut verstehen, warum man sich für Medina als Drehort entscheiden hat. Man hat schon am Eingang der Stadt das Gefühl, dass sich etwas ganz Zauberhaftes hinter den Mauern der Stadt befindet.

Tretet ein in das Zauberland!

Ich habe hier ja jetzt schon oft über die kleinen Gassen geschrieben. Hier ist es aber etwas anderes. Autos sind fast nicht existent. Es ist nicht überlaufen. Licht und Schatten spielen ein himmlisches Wettrennen gegeneinander. Man verliebt sich sofort in diese Gassen. Ich weiß nicht mal wirklich warum. Ich weiß nur, dass dies hier für mich der schönste Ort der Insel ist.

Liebe
Noch mehr Liebe
Und noch mehr Liebe

Die Zeit vergeht hier wie im Flug. Und gleicht fühlt sich hier alles irgendwie endlos an. Und während die Lokalbevölkerung in dicken Jacken herumläuft, gönnen wir uns ein Eis. Und meine Güte war das gut! Und jedes weitere Haus der Stadt bringt mich noch mehr zum Staunen.

Ein weiterer Vorteil Medinas ist aber auch, dass man einen schönen Blick auf die grüne Insel Malta hat. Und so kann man nochmal die ganze Pracht der Insel genießen, bevor es wieder ins kalte und verregnete Deutschland geht.

Ein letzter Blick

Aus einem kleineren Seitentor verlassen wir dann die Altstadt. Nicht unweit der Altstadt stehen noch die Ruinen einer römischen Villa. Aber wir müssen ja zum Flug, auch wenn dieser jetzt schon eine Stunde Verspätung hat… Zum Flughafen geht es jetzt mit dem Taxi und nicht mit dem Bus. Keine Zeit für Abenteuer!

„Bäume sind Gedichte, die die Erde an den Himmel schreibt. Wir fällen sie nieder und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere zu dokumentieren.“ – Khalil Gibran

Veröffentlicht von Sehnsuchtsbummler

Ich bin Max: Jahrgang 2000, hauptberuflich Pharmaziestudent und hobbymäßig Weltenbummler mit unglaublich großem Fernweh und noch größerer Sehnsucht nach Freiheit. Denn Freiheit bedeutet für mich Reisen und Reisen bedeutet für mich Freiheit. In meinen Reiseerzählungen berichte ich, wann immer ich Zeit zum Schreiben finde, ganz subjektiv und ungefiltert über meine aktuellen und vergangenen Reisen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und ich hoffe, dass ich ein paar Inspirationen geben kann 😉

4 Kommentare zu „Europas Melting Pot

  1. Ein wunderbarer Reisebericht! Gerade in dieser Zeit tut es gut, zu lesen, dass es neben CORONA noch schöne Dinge auf der Welt gibt. Ich konnte gut ‚mitreisen‘ und erfreute mich an den Fotos. Danke für diese Abwechslung und bitte noch mehr davon👍 LGj

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